: Alice Kellen
: All That We Never Were (1) Roman - TikTok made me buy it!
: Heyne Verlag
: 9783641317546
: Die Let-It-Be-Reihe
: 1
: CHF 8.90
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: German
: 432
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine Liebe, für die du alles riskieren musst. Eine Liebe, die für immer ist. Wenn du darum kämpfst.

Leah Jones liebte ihr Leben. Doch seit dem plötzlichen Verlust ihrer Eltern kommt sie morgens kaum aus dem Bett. Ihr Bruder ist ihr einziger Halt, bis er aus beruflichen Gründen wegzieht und Leah das Gefühl hat, vollkommen allein zu sein. Da beschließt Axel Nguyen, der beste Freund ihres Bruders, sie bei sich aufzunehmen. Er ist fest entschlossen, die Mauern einzureißen, die sie um sich herum errichtet hat. Womit er nicht rechnet, ist, dass er bald mehr als Freundschaft für Leah empfindet. Die Anziehung zwischen ihnen wird immer größer, doch um ihr ein besseres Leben zu ermöglichen, ist Axel bereit, alles zu tun. Selbst wenn es bedeutet, Leah erneut das Herz zu brechen.

Alice Kellen ist eine internationale Bestsellerautorin. Sie schreibt Geschichten über universelle, übergreifende Themen wie Liebe, Freundschaft, Unsicherheiten, Verlust und der Sehnsucht nach einer besseren Zukunft. Mit ihrer Familie lebt sie in Valencia.

19
Axel


Als ich am Abend mit Oliver telefonierte, erzählte ich ihm nicht, was am Nachmittag vorgefallen war. Nach dem Gespräch fiel mir auf, dass ich ihm nie etwas von dem erzählte, was unter diesem Dach geschah. Als hätte sich das Haus in einen geschlossenen, isolierten Raum verwandelt, in dem die Dinge nur so viel Wichtigkeit besaßen, wie wir ihnen beimaßen. Und trotz allem verstanden wir uns, Leah und ich, wir konnten streiten und anschließend wie zwei zivilisierte Menschen zu Abend essen. Oder tagelang nur ein paar Worte wechseln, ohne dass uns das seltsam erschien. In gewisser Weise passten wir uns aneinander an, trotz dieser Trauer, die sie aufzehrte, und trotz der Verzweiflung, die in mir aufkeimte, denn eine Schwäche hatte ich, und das war meine Ungeduld.

Ich konnte noch nie gut warten.

Ich kann mich daran erinnern, dass ich mir als kleiner Junge unbedingt ein ferngesteuertes Auto kaufen wollte und meine Eltern tagelang damit nervte. Mein Bruder dagegen sparte seit Monaten für ein Gesellschaftsspiel, das ich so langweilig fand, dass ich schon mit den Augen rollte, wenn der Name des Spiels fiel. Also nahm ich eines Nachmittags, meiner kindlichen Logik folgend, das Geld aus Justins Sparbüchse und stellte sie wieder an ihren Platz, damit er es nicht merkte. Meine Eltern kauften mir das Auto in der Annahme, es wären meine Ersparnisse, und ich spielte mit Oliver auf allen Wegen hinter unseren Häusern damit. Wir bauten Barrieren aus Steinen, Ästen und Blättern, um zu sehen, ob das Auto sie überwinden konnte. Und ich steckte das Geld, das ich bekam, wenn ich artig war oder im Haus mithalf, in Justins Sparbüchse, um es zurückzuzahlen. Als er sich seinen Wunsch erfüllte, fehlte in seiner Sparbüchse kein Cent, und ich hatte das ferngesteuerte, ziemlich verbeulte Auto schon an einen Klassenkameraden weiterverkauft.

Und die Moral von der Geschichte: Warum auf morgen warten, wenn du es schon heute haben kannst?

Jetzt brachte mich die Ungeduld fast um.

Wegen Leah. Weil ich sie unbedingt lächeln sehen wollte.

Am nächsten Morgen hatte sie dunkle Schatten unter den Augen.

»Schlechte Nacht gehabt?«

»So ähnlich.«

»Bleib zu Hause und ruh dich aus.«

»Du erlaubst mir, die Schule zu schwänzen?«

»Nein. Du bist alt genug, um zu wissen, ob du in die Schule gehen solltest oder nicht. Aber wenn du meine Meinung hören willst: Ich glaube, heute verschwendest du nur Zeit, wenn du auf die Tafel starrst und nichts mitkriegst, denn du wirkst ziemlich mitgenommen. Manchmal ist es besser, erst mal Kraft zu tanken und neuen Anlauf zu nehmen.«

Leah legte sich wieder ins Bett. Ich verbrachte einige Zeit in den Wellen, ging wieder nach Hause und machte mir ein Sandwich.