: Dan K. Sigurd
: 3 Worte unterwegs Straßenpoesie
: Periplaneta
: 9783959962605
: Edition MundWerk
: 1
: CHF 10.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 232
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Seit Jahren lässt Dan sich im Mauerpark von Passanten und Fans 3 Wörter geben, aus denen er dann spontan Gedichte auf seiner Schreibmaschine verfasst. In Berlin ist er damit äußerst erfolgreich, doch anstatt sich auf seinem Ruhm auszuruhen und die ganze Kohle zu verprassen, die er verdient, zieht der Straßenpoet wieder hinaus in die Welt ... die allerdings immer verrückter zu werden scheint.
Während Dan mit seinen Versen die Menschen in Hamburg, München, Prag und Gibraltar glücklich zu machen versucht, hadert er doch sehr mit dem, was sie so anstellen mit sich und der Welt, diese Menschen ...

Eine einzigartige Mischung aus Poesie und Reiseroman. Gedichte voll aus dem Leben und ein Blick hinter die Kulissen, die keine sind.



Der Straßenkünstler Dan K. Sigurd wurde 1990 in Berlin geboren, wuchs jedoch größtenteils in Hamburg auf. Zwischen zahlreichen ausgedehnten Reisen durch Europa und die USA studierte er Film, Politik und Psychologie an der Freien Universität sowie Regie an der filmArche in Berlin. Er gibt regelmäßig Lesungen seiner Werke und schreibt seit einigen Jahren Gedichte für Passanten im Mauerpark in Prenzlauer Berg. Einige seiner Kurzgeschichten verfilmte er in Eigenregie und feierte mit ihnen erste Festivalerfolge. www.Dan-K-Sigurd.de

Sachsen Anhalt
(Hitchhiker Festival)


Dan träumte davon, wie er durch ein surreales Schloss voller Außerirdischer und magischer Märchenwesen stolperte. Gerade weil er wusste, dass er früh aufstehen musste, hatte er ewig gebraucht, um einzuschlafen, und er wachte immer wieder schweißgebadet auf, davon überzeugt, dass er seinen Zug verpasst hatte.

„Mir wurde gesagt, du würdest heute Abend meine Poesie mit deiner Musik begleiten?“, sagte Dan zu einer jungen Frau mit stechend roten Augen, die nickte und ihn aufforderte, ihr zur Bühne zu folgen. Sie bahnten sich ihren Weg durch ein Labyrinth endloser Gänge und Dan war sich sicher, dass sie sich verirrt hatten.

„Wo bringst du mich hin? Schaffen wir das noch rechtzeitig?“, fragte er und geriet zunehmend in Panik. Die Frau drehte sich um, warf ihm einen weiteren hypnotischen, feurigen Blick zu und öffnete ihren Mund, der ein paar scharfe Reißzähne enthüllte. Sie machte einen Satz auf ihn zu, um ihn zu beißen, aber bevor sie ihre Zähne in seinem Hals versenken konnte, erschall der Wecker seines Handys und riss ihn aus seinen Träumen.

Dan rollte sich aus dem Bett und suchte eilig seine Sachen zusammen. Er packte ein paar Sandwiches und ein Handtuch ein und zog dann den kleinen roten Wagen mit seiner Schreibmaschine hinunter zur U-Bahn-Station, wo er den Touchscreen eines Fahrkartenautomaten nach einem speziellen neuen Ticket absuchte: Seit der Pandemie und vor allem seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine war die Inflation in vollem Gange. Die Neoliberalen behaupteten, sie seien für freie Marktwirtschaft und gegen staatliches Eingreifen, aber sie wussten auch, dass ihre Wähler Autos besaßen, weshalb sie Maßnahmen zur Senkung der Benzinpreise ergriffen hatten. Die Grünen, ihre Partner in dieser neuen unseligen Allianz, hatten darauf hingewiesen, dass dies im Kampf gegen den Klimawandel extrem kontraproduktiv war, und so hatte die Bundesregierung außerdem beschlossen, die Fahrkarten für öffentliche Verkehrsmittel zu subventionieren. In den Sommermonaten konnte man nun eine Monatskarte für nur 9 € kaufen. Sie galt nicht nur in U-Bahnen und Bussen in der Stadt, sondern auch in Regionalzügen im ganzen Land. Der Automat spuckte ein kleines Stück Papier aus und Dan schrieb seinen Namen unter das Wort „deutschlandweit“. Dann stieg er in die U-Bahn und checkte die Nachrichten auf dem kaputten Touchscreen seines Handys:

„Tote und Schwerverletzte bei Zugunglück

Am letzten Schultag vor den Pfingstferien ist bei Garmisch-Partenkirchen ein Regionalzug entgleist. Laut Polizei kamen dabei vier Menschen ums Leben, es gibt viele Schwerverletzte.3

Dan schüttelte ungläubig den Kopf. ‚Das geht ja gut los‘, dachte er, als er eine weitere Schlagzeile sah:

Überfüllter Zug in Berlin-Gesundbrunnen gestoppt

Am Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen musste am Freitagnachmittag ein offenbar überfüllter Zug gestoppt werden. Ein Bahnsprecher sagte dem rbb, der RE5 nach Rostock habe etwa eine Stunde lang im Bahnhof gestanden. Reisende wurden gebeten, auszusteigen. Auch die Bundespolizei wurde zur Unterstützung dazugerufen. Nach einer Stunde konnte der Zug weiterfahren.

Pfingst-Reiseverkehr startete am Freitag

Wegen der Pfingstferien sind am Freitag viele Menschen aus Berlin in Richtung Ostsee auf