Ich trug natürlich mein schickes Kleid, das meine Mama genäht hatte, und die unbändigen, lockigen Haare in zwei Zöpfen gefangen. Zu einem Fest gehören immer Zöpfe.„Ich bin dran!“ Ich schob Jacquline weg und steckte Silvia eine Beere in den Mund. Jetzt war es wieder Jacquline. Die nächste Beere war so saftig, dass sie überlief und zu einem kitzeligen Streifen über ihrem Kinn wurde, Silvia gluckste. „Ich bin dran!“ Oma Chmouni, die zwar blind war, aber trotzdem alles sah, ließ uns machen. Das Spiel war lustig, Jacquline und ich wetteiferten darum, unsere kleine Schwester mit schwarzen Maulbeeren vollzustopfen. Aber Oma hatte die Aufgabe, uns Mädchen zu beaufsichtigen, und sie wollte nicht, dass es aus dem Ruder lief. Keine Flecken auf den Kleidern, sie hatte Mamas strenge Aufforderung gehört:„Seid still und ruhig vor Gott, benehmt euch jetzt.“ In der Mitte des Kalkbodens stand eine große Wanne, jetzt waren die Jungen an der Reihe, gewaschen und für das Fest angezogen zu werden. Edip zuerst, er war immer der Erste, auch wenn Aziz dabei war, aber danach ging es nach dem Alter; Samuel nach Edip und zuletzt Munir, aber er war ein Baby und wurde von Mama gebadet. Damals waren wir sieben Geschwister. Ich bin die Nummer fünf im Bunde und würde im Sommer, der bald da war und der schon im Vorfrühling die Sonne heiße Strahlen werfen und die Welt nach erhitzter Erde und Feigenbäumen riechen ließ, vier Jahre alt werden. Sieben Kinder, die ihr Bestes taten, um vor Gott still zu sein, was schwer war mit juckenden Schürfwunden auf den Knien und dem Mund voller Maulbeeren. Die Tochter unseres Onkels, Sikare, unsere Cousine, sollte wegverheiratet werden und es gab viel zu tun. Teigklumpen mussten zu Brot verarbeitet werden, Kichererbsen eingeweicht, Brötchen mit Bulgur und Hackfleisch gefüllt werden. Das Lamm mit Knoblauch musste langsam gebraten, die gefüllten Weinblätter stehend im Topf gekocht und die Reiswürste gestopft werden. Die Frauen arbeiteten Seite