Kapitel I:
Zu Spezifika der historischen Entwicklung eines gebirgigen Raumes
Von der fernen Vergangenheit bis zum Ende der erblichen Monarchie
I. Kapitel:
Zu Spezifika der historischen Entwicklung
eines gebirgigen Raumes
Von der ferneren Vergangenheit bis zur erblichen Monarchie
1.1 Historischer Abriss der Herrschaft am Hindukusch
(Sia Koh - dunkler Berg)
Von antiken Imperialstrukturen zu einem abhängigen Pufferstaat
Der geografische Raum in Zentralasien, der mit einer Fläche von 650 000 Quadratkilometern Afghanistan heißt, ist ein Vielvölkerstaat Ethnologen sprechen von etwa 21 Ethnien am Hindukusch. Die Hauptethnien sind Aimaken, Belutschen, Paschtunen, Tadschiken, Hazara, Turkmenen, Kirgisen, Kasachen, Qisilbash, Türken und Usbeken (Dupree, 1980, 58-64). Da noch nie ein präziser und realistischer Zensus stattgefunden hat, ist weder die genaue Bevölkerungszahl noch der Anteil der jeweiligen Ethnien an der Gesamtbevölkerung des Landes bekannt. Dieses Defizit ist der Skepsis der paschtunischen Elite zu verdanken, was die Resultate einer genauen Zählung angeht, und ist schon seit jeher Gegenstand politischer Konflikte.
Afghanistan grenzt auf 5529 km an folgende Staaten: Pakistan im Osten und Süden mit 2430 km und Iran im Westen mit 936 km; im Norden und Nordosten sind Tadschikistan mit 1206 km, Turkmenistan mit 744 km, Usbekistan mit 137 km und China mit 76 km die unmittelbaren Nachbarstaaten des Landes.
Renommierte afghanische Historiker ‒ von Ali Mohammad Kohsad (Kohsad, 1946) über Abdul Hai Habibi (Habibi, 1999) bis hin zu Gholam Mohammad Ghobar (Ghobar, 1980) ‒ beschreiben „Ariana" (Land von Ariern) und „Chorasan" (wo die Sonne aufgeht) als alte Imperien auf dem Boden des heutigen Afghanistans. Das heutige geografische Konstrukt Afghanistan ist aber erst im 19. Jahrhundert als ein Pufferstaat zwischen dem zaristischen Imperium im Norden und dem britischen Imperium im Osten und Süden entstanden.
Vor dem Eindringen des indogermanischen Volksstammes (etwa tausend Jahre vor Christus) war das Territorium am Hindukusch besiedelt von indigenen Völkern. Sie wurden durch indogermanische Volksstämme erobert, massakriert und vertrieben. Sicherlich handelt es sich bei Ariern um einen indogermanischen Volk