: Said Musa Samimy
: Pufferstaat Zum Debakel der"Legitimation" der politischen Herrschaft in Afghanistan
: Frieling-Verlag Berlin
: 9783828037946
: 1
: CHF 13.20
:
: Politikwissenschaft
: German
: 396
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine umfassende historische Darstellung des Territoriums am Hindukusch, das nun seit etwa 150 Jahren Afghanistan heißt, gleicht einem Minenfeld, bei dessen Betreten man sich rasch verletzten kann. Vielfältige Faktoren, wie externe und interne Determinanten, bestimmen seither das Schicksal des Landes. Seit etwa 40 Jahren wird die kaum beherrschbare"institutio elle Anarchie" Afghanistans von sowohl geografisch kulturellen Überschneidungen, als auch von der ausgeprägten Diversität des eigenen Volkes bestimmt. Afghanistan gilt seither als Pufferstaat zwischen den rivalisierenden Großmächten. Welche Auswirkungen das auf die Rolle der Legitimation der Herrschaft Afghanistans hat, soll in diesem Buch aufgearbeitet werden. Angestoßen von der Machtübernahme der Taliban-Milizen im August 2021, beleuchtet Said Musa Samimy die historische Entwicklung Afghanistans von der Monarchie bis zur aktuellen Regierung. Dabei werden ethnische Konflikte, die Rolle der Religion und die Einflüsse von außen, insbesondere die politischen und militärischen Interventionen der USA und anderer Länder, ins Auge gefasst. Said Musa Samimy versucht in diesem Werk einen gründlichen Einblick in die Gesellschaft und Wirtschaft Afghanistans zu vermitteln und mit seiner chronologisch geordneten Analyse der Hintergrundereignisse die Ursache der heutigen mehrdimensionalen Krise zu skizzieren.

Dr. Said Musa Samimy wurde 1945 in Afghanistan geboren und kam nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kabul 1968 nach Deutschland. Nach seiner Promotion im Jahr 1977 kehrte er nach Afghanistan zurück und übernahm einen Lehrauftrag an der Wirtschaftsfakultät Kabul. Politische Repressalien zwangen ihn nach zwei Jahren jedoch dazu, das Land wieder zu verlassen. Von 1980 bis 2010 ist der Autor Redakteur bzw. Chef der Afghanistan-Redaktion des Asien-Programms der Deutschen Welle. Er ist Mitarbeiter bei zahlreichen deutsch- und englischsprachigen Zeitschriften und Begründer und erster Direktor des"Instituts für Afghanistanforschung".

Kapitel I:


Zu Spezifika der historischen Entwicklung eines gebirgigen Raumes


Von der fernen Vergangenheit bis zum Ende der erblichen Monarchie

I. Kapitel:


Zu Spezifika der historischen Entwicklung
eines gebirgigen Raumes


Von der ferneren Vergangenheit bis zur erblichen Monarchie

1.1 Historischer Abriss der Herrschaft am Hindukusch
(Sia Koh - dunkler Berg)


Von antiken Imperialstrukturen zu einem abhängigen Pufferstaat

Der geografische Raum in Zentralasien, der mit einer Fläche von 650 000 Quadratkilometern Afghanistan heißt, ist ein Vielvölkerstaat Ethnologen sprechen von etwa 21 Ethnien am Hindukusch. Die Hauptethnien sind Aimaken, Belutschen, Paschtunen, Tadschiken, Hazara, Turkmenen, Kirgisen, Kasachen, Qisilbash, Türken und Usbeken (Dupree, 1980, 58-64). Da noch nie ein präziser und realistischer Zensus stattgefunden hat, ist weder die genaue Bevölkerungszahl noch der Anteil der jeweiligen Ethnien an der Gesamtbevölkerung des Landes bekannt. Dieses Defizit ist der Skepsis der paschtunischen Elite zu verdanken, was die Resultate einer genauen Zählung angeht, und ist schon seit jeher Gegenstand politischer Konflikte.

Afghanistan grenzt auf 5529 km an folgende Staaten: Pakistan im Osten und Süden mit 2430 km und Iran im Westen mit 936 km; im Norden und Nordosten sind Tadschikistan mit 1206 km, Turkmenistan mit 744 km, Usbekistan mit 137 km und China mit 76 km die unmittelbaren Nachbarstaaten des Landes.

Renommierte afghanische Historiker ‒ von Ali Mohammad Kohsad (Kohsad, 1946) über Abdul Hai Habibi (Habibi, 1999) bis hin zu Gholam Mohammad Ghobar (Ghobar, 1980) ‒ beschreiben „Ariana" (Land von Ariern) und „Chorasan" (wo die Sonne aufgeht) als alte Imperien auf dem Boden des heutigen Afghanistans. Das heutige geografische Konstrukt Afghanistan ist aber erst im 19. Jahrhundert als ein Pufferstaat zwischen dem zaristischen Imperium im Norden und dem britischen Imperium im Osten und Süden entstanden.

Vor dem Eindringen des indogermanischen Volksstammes (etwa tausend Jahre vor Christus) war das Territorium am Hindukusch besiedelt von indigenen Völkern. Sie wurden durch indogermanische Volksstämme erobert, massakriert und vertrieben. Sicherlich handelt es sich bei Ariern um einen indogermanischen Volk