Der Seelenaufbruch-Zusammenbruch
Ein neuer Tag beginnt. Ich nehme bereits den ersten Schluck meines frisch gebrühten Kaffees und halte noch einige Minuten inne, ehe ich in den Arbeitstag starte. An manchen Tagen benötige ich mehr Zeit, um mich zu sammeln, zu fokussieren, mich den Lebenswelten, Konzepten und Geschichten zuzuwenden. Heute ist ein solcher Tag.
Ich habe einige Klienten von meiner Vorgängerin übernommen und mich damals dazu entschlossen, nur einen Teil ihrer Geschichte zu lesen und einen flüchtigen Blick ins ICD-10 zu werfen. Das ICD-10 ist ein internationales Klassifikationssystem für Erkrankungen, Diagnosen und verwandte Gesundheitsprobleme der WHO (Weltgesundheitsorganisation). Soweit mir bekannt ist, etabliert sich seit 2022 nach und nach das ICD-11 mit erweiterten Klassifikationen.
Generell war und ist wichtig, zuallererst den Menschen kennenzulernen, ein Gefühl für die Persönlichkeit und das jeweilige Lebenskonzept zu entwickeln und die Überschrift, die Diagnose vorerst hinten anzustellen. In der Mobilen Sozialpsychiatrischen Betreuung, der Begleitung, wie ich sie nenne, vertraue ich neben der fachlichen Kompetenz auch auf meine Lebenserfahrung, auf mein Gefühl, auf meine Art zu sehen, zu beobachten. Es gibt auch ein Wissen, das aus der Lebenserfahrung resultiert – dass jeder, so auch ich, teilweise sicherun-ent-deckt bereits in sich trägt und gesammelt hat. Lebenswissen und Pragmatismus. Dieses Wissen unterstützt das Verfolgen der zu Beginn jeder Begleitung vorerst festgelegten Ziele – derZurück-ins-Leben-Ziele, wie Klientin 10.06. sie liebevoll betitelt. Das Spannende in der Begleitung ist der gemeinsame Entwicklungsprozess und das Abändern und Definieren von Teilzielen. Neben der Grundsicherung, sprich