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Noelle
Vergangenheit
Es gab nichts Herrlicheres als diesen ersten Hauch salziger Luft. Ich war schon zweimal im Sommer auf Whaite’s Island, aber meine Begeisterung bei der Ankunft war die gleiche wie beim allerersten Mal. Es war einfach immer wieder wunderschön. Wenn man die meiste Zeit des Jahres die giftigen Schwaden der Stadt einatmete, konnte man die sprichwörtliche frische Luft umso mehr wertschätzen.
Ich stieg aus dem Auto meiner Eltern und schaute zu unserem neuen Sommerhaus hoch. Zwar hatte ich Fotos gesehen, aber jetzt stand ich zum ersten Mal tatsächlich davor. Es war ein für diese Gegend typisches Haus im Schindelstil in Strandnähe mit einer breiten, geräumigen Veranda und Unmengen großer Fenster. Der Rasen war wunderbar gepflegt, und rund um das Grundstück standen überall blühende Büsche.
»Es ist noch großartiger, als ich es mir vorgestellt hatte«, sagte meine Mutter.
Wenn uns dieses Haus doch nur ganz allein gehören würde. Mein Dad hatte es je zur Hälfte mit seinem Freund und Mentor, Archer Remington, gekauft. Beide waren sie Rechtsanwälte für Strafrecht, und Archer war eine Zeit lang in New York der Vorgesetzte meines Dads gewesen. Als Mr Remington wegging, um den Standort ihrer Kanzlei an der Westküste zu übernehmen, waren die beiden freundschaftlich verbunden geblieben. Archer und seine Frau Nora hatten einen Sohn, Archie, der ein paar Jahre älter war als ich und sein letztes Collegejahr begann, um danach weiter Jura zu studieren. Wenn wir uns früher im Laufe der Jahre hier getroffen hatten, hatten wir uns immer etwas gemietet. Dies war das erste Mal, dass meine Familie, die Benedicts, unter demselben Dach wie die Remingtons wohnen würde.
»Ich kann gar nicht glauben, dass die Hälfte dieses Hauses uns gehört«, murmelte ich, während ich den Blick auf den Ozean richtete, der jenseits der Straße in der Ferne zu sehen war.
Meine Großmutter war krank gewesen, deshalb waren wir in den letzten paar Jahren nicht gereist, und es war eine Weile her, dass ich die Remingtons zuletzt gesehen hatte. Sie dagegen waren jeden Sommer hierhergekommen, seit ihr Sohn klein war. Archie hatte jede Menge Freunde auf der Insel, während ich für mich geblieben war oder mich während der zwei Male, die wir bisher hier gewesen waren, an meine Familie gehalten hatte. Ich wollte, dass es diesen Sommer anders wurde, und hatte vor, mich zu mehr Sozialkontakten zu zwingen, auch wenn es mich umbringen würde. Es würde eine gute Übung für meinen Start am College der Boston University im Herbst sein. In Anbetracht der Tatsache, dass uns dieses Haus nun zur Hälfte gehörte, schien es durchaus in meinem Interesse zu sein, hier ein paar Freunde zu finden, zumal es nicht wenige Leute gab, die das ganze Jahr über auf Whaite’s Island wohnten.
Mein Herz hämmerte, als wir auf die Eingangstür zugingen. Mir war etwas beklommen zumute, weil ich Archie sehen würde. Ich war immer ungewollt ein