: Elisa Rimpach
: Schatten der Freiheit | Die große historische Familiensaga über Liebe, Verrat und den Mut zum Neubeginn
: dp Verlag
: 9783987786099
: Die große München-Saga
: 1
: CHF 7.00
:
: Erzählende Literatur
: German

Zwei Schwestern zwischen Verlust und Neuanfang
Die bewegende Familiensaga im München des 19. Jahrhunderts geht fesselnd weiter

Mü nchen, 1899: Nach dem Tod ihres Vaters und dem Verlust des gewohnten Umfelds versuchen die beiden Schwestern Elsa und Isolde alles, um sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden. Allerdings ist Elsa  gefangen in einer lieblosen Ehe und nur ihr dreijähriger Sohn sorgt für etwas Glück in ihrem tristen Alltag. Als sie auf einer Gesellschaft einen früheren Bekannten wieder trifft, erwachen vergangen geglaubte Gefühle, die ihr endlich wieder Mut geben. Währenddessen fu?hrt Isolde ein glu?ckliches Leben an der Seite von Emily. Die beiden genießen die Kunst und die ausschweifenden Feste des Fin de Siècle. Doch das Schicksal hat grausame Pläne für die Schwestern, denn die Schatten der Vergangenheit greifen nach ihnen und ein weiterer Verlust könnte ihr Leben erneut ins Chaos stürzen.

„Ein mitreißender Roman, der das Schicksal zweier starker Frauen in München einfühlsam erzählt. Ihre Leidenschaft und Durchhaltevermögen berühren das Herz!'
„Fesselnde Familiensagaüber Liebe, Verlust und Selbstverwirklichung– sehr bewegend.“
„Ein historischer Roman voller Emotionen und Wendungen, die das E-Book zu einem echten Pageturner machen. Man fühlt und leidet komplett mit Isolde und Elsa mit!“



Elisa Rimpach ist das Pseudonym des Autors Matthias Ernst, der 1980 in Ulm geboren wurde. Er arbeitet tagsüber als Psychologe mit Vorschulkindern und schreibt abends Krimis, Thriller und historische Romane. Im dp Verlag erschienen zuletzt die Thriller 'Der Therapeut' und 'Die Professorin'. Matthias Ernst lebt mit seiner Familie, einer betagten Schildkröte und einer neurotischen Hundedame in Oberschwaben.

Kapitel 1


München, Sedantag 1899

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin …“

Die Stimme erhob sich rein und klar über die Gitarrenakkorde. Die Geräusche, die eben noch das Café Noris erfüllt hatten, das allgegenwärtige Klirren der Gläser, das Lachen, das Husten und das Brummen der Gespräche, traten in den Hintergrund und verstummten schließlich.

„Ein Märchen aus uralten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn.“

Isolde spürte, wie sich Emilys kalte Finger um ihre schlossen und fest zudrückten.

„Die Luft ist kühl und es dunkelt und ruhig fließt der Rhein.“

Die Sängerin, eine schlanke Brünette mit funkelnden, braunen Augen, erhob sich und nahm die Pose einer Operndiva ein.

„Der Gipfel des Berges furu-unkelt im Abendsonnenschein.“

Es dauerte einen Augenblick, bis das erste Kichern die andächtige Stille durchbrach. Isolde schreckte hoch, als sich der neben ihr sitzende Maler Wengenroth, ein stattlicher Mann mit einem eindrucksvollen Schnurrbart, auf den feisten Schenkel klopfte und in ein brüllendes Lachen ausbrach. Gleich darauf stimmte der ganze Saal ein. Die Sängerin lächelte verschmitzt und verbeugte sich tief, während die Menge klatschte und johlte.

„Das nenne ich einen Auftritt!“, sagte Emily, die zwei Finger in ihren Mund steckte und einen lauten Pfiff ertönen ließ, der Isolde in den Ohren wehtat. Emilys Wangen waren gerötet und ihre Augen glänzten.

„Kennst du die Frau?“, fragte Isolde.

„Ja, das ist Franziska zu Reventlow. Die haben wir doch schon ein paar Mal getroffen.“

Isolde kniff die Augenbrauen zusammen. Sie konnte sich vage an das Gesicht der Sängerin erinnern, aber sie war sich sicher, dass sie noch nie mit ihr gesprochen hatte. „Ist sie eine Soubrette?“, fragte sie.

„Sie ist viel mehr als das“, mischte sich Wengenroth mit seinem Brummbass in das Gespräch ein. „Sie ist eine wahre Künstlerin. Ihr Leben ist Kunst. In ihr sind die Musen wieder geboren.“

„Alle auf einmal?“ Die Frage kam von der anderen Seite des Tisches und gestellt hatte sie ein spindeldürrer Mann, der damit beschäftigt war, eine Meerschaumpfeife zu stopfen, die beinahe halb so groß war wie sein Kopf.

„Nun, ganz sicher Euterpe, Melpomene, Erato, Thalia, Polyhymnia und Kalliope. Vielleicht auch Terpsichore, eher nicht Klio und Urania“, sagte Wengenroth.

Isolde spürte, wie Emily ihr den Ellbogen in die Seite drückte. „Urania, das wäre deine Muse, oder? Die Schirmherrin der Astronomie.“

„Ja, wenn mich eine Muse küssen würde, dann wohl am ehesten die. Oder Kalliope, die deckt die Wissenschaften ab“, sagte Isolde und lachte.

Emily zog sie zu sich heran und Isolde spürte, wie sich die weichen Lippen ihrer Freundin für einen Wimpernschlag auf die ihren legten. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie das schmunzelnde Gesicht ihres Gegenübers hinter der Meerschaumpfeife verschwand.

„Dass das klar ist: Die einzige Muse, die dich küssen darf, bin ich“, sagte Emily.

„Wohl gesprochen“, erwiderte Wengenroth und nahm einen gewaltigen Zug aus seinem Maßkrug.

Isolde sah auf ihre Uhr. Es war kurz vor elf. „Ich muss bald aufbrechen“, sagte sie zu Emily. „Morgen muss ich früh raus.“

Ihre Freundin seufzte. „Ach, Isibella, das Leben ist zu kurz und zu süß, um es zu verschlafen.“

Isolde biss sich auf die Zunge, um die Antwort für sich zu behalten, die ihr über die Lippen kommen wollte. Natürlich hatte Emily leicht reden. Sie musste nicht in aller Frühe aufstehen und zur Arbeit ins AtelierElvira eilen.

„Ich werde trotzdem gehen“, sagte Isolde und winkte der Kellnerin.

„Sei doch keine Spaßbremse“, entgegnete Emily naserümpfend.

„Hören Sie auf Fräulein Winter“, sagte das Männchen mit der Meerschaumpfeife. Seine Stimme drang durch einen dichten Schleier aus Tabakqualm. „Carpe noctem.“

„Müssen Sie morgen Früh arbeiten?“, fragte Isolde.

Er kicherte. „Ich arbeite hier und jetzt. Ich bin Dichter und wo, wenn nicht hier, sollte ich die Eindrücke für meine Werke finden.“

Die Kellnerin kam und Isolde bezahlte ihre und Emilys Getränke. Dann stand sie auf.

„Na gut“, knurrte ihre Freundin und erhob sich ebenfalls. Sie knickste vor den anwesenden Herren und ließ zu, dass Wengenroth i