KARL WERNER GARDEN
§ 1 WIE ES ANFING
Am 1. September 1941 begann für mich der „Ernst des Lebens". Dabei hatte ich eher das Gefühl, dass dieser Ernst endlich hinter mir lag!
Ich musste nicht mehr zur Schule und höchst überflüssige Dinge lernen oder auswendig hersagen können. Es ist ja wirklich eine Qual, das „Lied von der Glocke" zu sezieren und unter dem Thema „Was will der Dichter uns sagen" eine Klassenarbeit zu schreiben! Neben der Mathematik gab es noch eine ganze Reihe von langweiligem Kram!
Endlich war ich davon frei und „Kriegsaushilfs-Angestellter" der staatlichen Polizei. Beamter konnte ich zu dieser Zeit wegen eines Gehfehlers nicht werden, da ich ja niemals eine Uniform würde tragen können. Auch Soldaten tragen und trugen Uniformen, also war dies ebenfalls nichts für mich.
Heute bin ich froh darüber, dass ich den Krieg nur in der Heimat kennenlernte, was auch nicht gerade ein Vergnügen war; aber 1941 wurmte mich das doch mächtig!
Als Siebzehnjähriger war ich ein begeisterter „Nazi", obwohl es diesen Ausdruck damals noch gar nicht gab. Was hatten wir denn anderes gelernt? Heute distanziere ich mich aufs deutlichste, aber es soll ja ein ehrlicher Bericht sein.
Man teilte mich seiner Zeit dem Passamt zu. Das war genau das Richtige für mich! Täglich kam ich mit Franzosen, Italienern und Holländern, den sogenannten „Fremdarbeitern" zusammen.
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