Bewusstsein, Außenwelt und Sprache bilden eine untrennbare Einheit in der Frage nach dem Sinn und der Bedeutung sprachlicher Ausdrücke. Zeichen und ihre Verwendung lassen sich daher weder durch rein internalistische Bewusstseinsanalysen noch durch rein externalistische Gegenstandsbezüge angemessen rekonstruieren. Daher befinden sich Bedeutungen weder 'innerhalb' noch 'außerhalb' des Kopfes. Unterschiedliche Gebrauchsweisen und somit Bedeutungen spiegeln sich vielmehr in der Fähigkeit wieder, sprachliche Zeichen zu verstehen und auf unsere subjektiven Erlebnisse sowie die uns umgebende Welt anzuwenden.
Volker Munz zeigt, inwieweit sowohl rein phänomenale als auch rein physikalistische Interpretationsansätze zu kurz greifen, die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke zu bestimmen. Beide Positionen stehen nicht in Widerstreit zueinander, sondern ergänzen einander vielmehr in der Bestimmung des Sinnes und der Bedeutung sprachlicher Zeichen. Sowohl externalistische Semantiken (Putnams Zwillingserde, Kripkes Marsianer, Davidsons Sumpfmann etc.) als auch internalistische Positionen (Locke, Thomas Nagel, Jackson etc.) werden anhand spezifischer Gedankenexperiment kritisch auf ihre Rolle und Schlüssigkeit hin überprüft und mit alternativen Gedankenszenarios konfrontiert. Neben den genannten Autoren werden auch Russell, Frege und insbesondere Wittgenstein ausführlich diskutiert.
Eines der ersten Gedankenexperimente, dem wir uns hier widmen werden, ist Hilary Putnams berühmtes Twin-Earth-Experiment, das er in „The Meaning of ‘Meaning’“ aus dem Jahre 1975 entwickelt und in welchem er gegen die aus seiner Sicht traditionelle Auffassung argumentieren möchte, sprachliche Bedeutungen seien im Kopf. In der Rezeption dieses inzwischen klassischen Texts wurdePutnams Auffassung auch mit dem Label des „semantic externalism“ versehen (vgl. u. a. Putnam 1996a: xv). Bevor wir uns diesem und anderen Experimenten genauer zuwenden, sind einige theoretische Vorüberlegungen angebracht, vor allem, um die für ihn wesentlichen Begriffe der Intension und Extension besser nachzeichnen zu können. In diesem Zusammenhang wollen wir zunächst die Frage stellen, welche philosophischen Traditionen Putnam genau im Fokus hat. Denn es sind gerade diese Traditionen, denen er unterstellt, zwei zentrale semantische Thesen zu vertreten, nämlich, dass man sich erstens in einem bestimmten psychischen Zustand befinden muss, um einen Ausdruck zu verstehen, und zweitens, dass dieser Zustand gleich der Intension die Extension bestimme (vgl.Putnam 1996a: xv;Putnam 1996b: 6, 9).
Widmen wir uns dazu zunächst Putnams „Introduction“ zu der 1996 erschienenen AnthologieThe Twin Earth Chronicles, in welcher er auf seinen vor einundzwanzig Jahren erschienenen Text selbst Bezug nimmt. Zur besseren Rekonstruktion der Putnam’schen Kritk am Internalismus betrachten wir zu Beginn etwas genauer seine summarische Darstellung philosophischer Traditionen zur Frage der Beziehung zwischen sprachlichen Zeichen, mentalen Vorkommnissen und extramentalen Bezugsgegenständen. Dabei wird es hilfreich sein, einige Originalstellen ausführlicher zu zitieren und zu betrachten, um zu sehen, inwieweit Putnam den jeweiligen klassischen Auffassungen tatsächlich gerecht wird.
Zunächst verweist Putnam auf einige philosophiegeschichtliche Kontroversen etwa zwischen Platon und Aristoteles bzw. Nominalismus und Konzeptualismus. Allerdings herrsche, so Putnam, trotz aller Variationen innerhalb des metaphysischen Diskurses Einigkeit darüber, dass Begriffe