: Sabine Drewes, Uwe Drewes
: Kyras Dilemma oder Die Auferstehung der Männer
: Books on Demand
: 9783757842697
: 1
: CHF 6.60
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 172
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Jahre 1989/90 waren in der DDR eine spannende Zeit. Danach war nichts mehr wie es war. Der Roman handelt in diesem Rahmen. Die Autoren waren in Mecklenburg-Vorpommern als Akteure und Zeitzeugen an den Umwälzungen in zentralen Funktionen beteiligt. Besonders wervoll sind die Insiderkenntnisse über die Entmachtung der SED und deren Umwandlung in die PDS. Das Buch ist aber keine historische Darstellung und auch keine Autobiographie. Es ist ein Roman, dessen Hauptanliegen darin bestehen sollte, die Rolle der Frauen bei der Bewältigung höchster gesellschaftlicher Zielstellungen unter extremen Belastungen zu schildern. Insofern ist es mehr Frauenroman als Parteigeschichte de PDS.Er gewährt uns Einsichten in die Gefühlswelt einer Frau, deren Weg als Flüchtlingskind begann und sie zur Akademikerin und Leistungsträgerin führte. Vor allem aber war sie Mutter.

Sabine Drewes ist Jahrgang 1950 Die diplomierte Lehrerin und Gesellschaftswissenschftlerin arbeitete in Rostocker Schulen und am Institut für Lehrerbildung Rostock als Dozentin. 1990 war sie Geschäftsführerin der PDS in Mecklenburg Vorpommern.

Die Chance


Die alte Bahnhofsuhr hatte schon viel gesehen. Ihre großen Zeiger erlebten unzählige Abschiede und Wiedersehen. Aber die eiligen Menschen beachteten die Schönheit dieser alten Dame des Jugendstils nicht. Sie wurde nur selten gereinigt und gestrichen. Unbeeindruckt von derlei Missachtung, verrichtete sie seit vielen Jahren zuverlässig ihren Dienst.

Kyra Sommer stand schon seit einer halben Stunde auf dem Bahnsteig acht des Rostocker Hauptbahnhofes, als die Zeiger die sechste Stunde anzeigten. Sie war aufgeregt, denn sie durfte heute den Zug auf keinen Fall verpassen. Der alte Lautsprecher informierte rasselnd und knisternd, dass der Städteexpress Stolteraa nach Berlin bereitgestellt wurde. Die neuen Waggons mit ihrer orange - beigen Farbgebung und den hellgrauen Dächern, brachten eine erfreuliche Abwechslung in das triste Bild ostdeutscher Bahnhöfe. Diese Expresszüge sollten die Eisenbahnverbindungen der Bezirksstädte nach Berlin verbessern und waren vor allem für Dienstreisende gedacht. Sie fuhren morgens nach Berlin und am frühen Abend zurück in die Bezirksstädte.

Die Türen öffneten sich automatisch. Kyra hatte eine Platzkarte. Sie brauchte sich nicht nach einem Sitzplatz zu drängeln, sondern konnte entspannt diese schicksalhafte Fahrt antreten. Ihr Abteil war bis auf einen Platz schon besetzt. Die Mitreisenden, alles Männ