geschah
Im Wasser kann
ich mich fallen
lassen, ich lasse mich mit
der Strömung treiben
und werde weich und
empfänglich.
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Ich war gerade nach Amsterdam gezogen. Wie schonin den vergangenen zwei Nächten riss mich irgendetwas aus dem Schlaf. Der Blick auf das Handy verriet:4 Uhr 30. Und da war sie wieder, meine Angst. Unaufhaltsam stieg sie in mir empor und schnürte mir dieKehle zu. Verzweifelt starrte ich an die weiße Zimmer-decke, während sich quälende Fragen mit unaufhaltsamer Kraft in meinem Kopf im Kreis drehten: Warumbin ich hier? Macht das allesüberhaupt einen Sinn?
Als die Sonne langsam begann, den Himmel orangezu färben, stand ich auf und nahm eine warme Dusche.
Unter dem sanften Plätschern des Wassers beruhigteich mich langsam.
Nachdem ich zum Ende des Jahres 2018 meinen ersten Job in einer international führenden Unternehmens-beratung gekündigt hatte, ging ich 2019 auf Weltreise. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass der Job innerhalb der vergangenen fünf Jahren so sehr zu meinem Zuhause und zu meinem Anker im Leben geworden war, dass mir die Kündigung viel schwerer fiel als die Trennung von meinem langjährigen Freund, die zwei Jahre zuvor passierte. Nachdem ich die vergangenen Jahre in männergefüllten Boardrooms verbracht hatte, stand die Reise für mich persönlich unter dem Motto zurück zu meiner Weiblichkeit. Die hatte ich nämlich irgendwo zwischen der Lufthansa Business Class und dem teuren Nobel-Italiener gründlich verloren.
Natürlich stimmt das nicht ganz, ich neige zurÜbertreibung. Ich erinnere mich insbesondere an eine Situation am Anfang meiner Beraterinnenkarriere, in der ich mit einem Manager zusammenarbeitete, der 8
besonders schnell lief und dabei auch noch große Schritte machte. Jeden Morgen bestritten wir gemeinsam den langen Weg vom Eingang des Kunden bis zu unserem Büro: Er machte mit seinen langen Beinen in gerade geschnittenen Hosen und schön glänzenden Schuhen (ich liebe diese schönen Lederschuhe, die Männer im Büro tragen) große, schwungvolle Schritte.
Ich trippelte in meinen Pumps mühevoll hinterher und brauchte für jeden seiner Schritte drei, weil man die Beine in den Bleistiftröcken dieser Business-Kostüme für Frauen einfach nicht auseinander bekommt. Gott, ging ich mir selbst auf die Nerven. Ihm aber auch. Nachdem wir eine Weile miteinander gearbeitet hatten und auf einer freundschaftlichen und vertrauensvol-len Ebene angekommen waren, drehte er sich eines Morgens ungeduldig zu mir um und sagte sowas wieSarah, geh doch mal schneller. Fick dich, schoss es mirsofort in den Kopf, Versuch du mal, in Pumps und Blei-stiftrock dein Tempo zu halten. Klamottentausch? Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das nicht laut gesagt habe, aber ganz genau weiß ich es nicht mehr. Auf jeden Fall gab mir dieser Kommentar lange zu denken.
Ich hatte auch einen Hosenanzug von Boss, der sogar super weich und schön warm war, doch alles in mir sträubte sich dagegen, ihn anzuziehen. Meine Kleidung war mir schon immer sehr wichtig und ich liebe bunte, weiche und fließende Gewänder. Der Hosenanzug bedeutete für mich die endgültige Transforma-tion zum Mann. Musste ich wirklich zum Mann werden, um in diesem Beruf erfolgreich zu sein? So leicht gab ich es nicht auf… Am Ende fand ich eine wunderbare Lösung: weite Plisseeröcke und Ballerinas. Mühelos mache ich große Schritteüber die Flure, am liebsten 9
aber hopste ich. Mein Lieblingsrock ist grün, von H&M, und hat damals 20 Euro gekostet. Ich hatte ihn sowohl in entscheidenden Steering Committees an, dann mit weißer Bluse und ernstem Gesichtsausdruck, als auch bei meinen besten Partys, in diesem Fall mit Spitzen-BH und viel Schmuck. Ich bekam bei der Arbeit oft Komplimente für meinen Kleidungsstil, der sehr weiblich und professionell zugleich war, und ich bin stolz darauf, meinen eigenen Weg gegangen zu sein.
Ich bin diesem Kleidungsstil bis heute treu geblie-ben. Interessanterweise habe ich mich tatsächlich eine Zeit lang schuldig gefühlt, weniger Hosen tragen zu wollen, wo doch so viele Frauen in der Emanzipation genau für dieses Recht gekämpft haben! Ich schicke euch Liebe und Dankbarkeit für die Tatsache, dass ich die Wahl habe, während ich mich im Winter in meine dicke Thermostrumpfhose wurstele. An guten Sommertagen sehe ich in langen, wallenden Kleidern aus wie eine schöne Zauberfee. An kalten Winter-tagen mit drei Lagen Pullisüber dem Rock eher wie Astrid Lindgrens Kroesa Maja aus Michel von Lönne-berga. Naja.
Zurück zum Thema: Jedenfalls hatte ich nach fünf Jahren in der Beratung das Gefühl, meine Weiblichkeit verloren zu haben. Nicht nur im Job, sondern auch durch die Tatsache, dass meine letzte Beziehung aufgrund meine