: Stefan C. Müller
: Pfade durch das Midi
: TWENTYSIX EPIC
: 9783740742256
: 1
: CHF 8.30
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: Märchen, Sagen, Legenden
: German
: 152
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als Midi wird in etwa das südliche Drittel Frankreichs bezeichnet. Seine vielfältigen und farbenfrohen Landschaften werden von Hochgebirgen, weitläufigem Bergland und Meeren begrenzt. In großen Teilen des Südens wurde statt mit"oui" - wie im Norden üblich - mit"oc" bejaht, so in der Provinz Languedoc (aus"langue do´c"), das heute zusammen mit dem Roussillon und den Midi-pyrénées die Region Okzitanien mit Hauptstadt Toulouse bildet. Der Autor begibt sich auf eine Reise durch viele Städte und Landstriche des Midi. Seit 1969 hat er mit Begeisterung und ungeschmälertem Interesse Land und Leute, Sprache und Kultur, Geschichte und Lebensart sowie kulinarische Überraschungen eines liebenswerten Stücks Südeuropas mit aufregender Geschichte und mildem, besänftigendem Klima erlebt. Wir lesen über die Pyrenäen mit dem"Balkon" Canigou, die Vorgebirge mit ihren Katharerfestungen, die romanische Kunst und Architektur und den Wein der Corbières, die wunderbaren Küsten der Meere, vielleicht auch das Einatmen kühler, trockener Luft auf den großflächigen Kalk-Hochebenen der Causses. Auch das Erleben provenzalischer Lebensart gehört dazu. Die Erfahrungen und Beobachtungen erwecken Neugier und Respekt für das Andere in unser Nachbarländer und können durchweg mit Spannung verfolgt werden.

Stefan C. Müller ist Professor der Physik an der Universität Magdeburg, Deutschland. Nach seiner Promotion an der Ubiversität Göttingen verbrachte er drei Forschungsjahre als Postdoktorand in den USA, zuerst am MIT in Cambridge in in der Folge in Stanford, Kalifornien. Von 1982 bis 1994 war er Forschungsassistent am Max-Planck-Institut in Dortmund, bevor er Forschung und Lehre in Magdeburg fortsetzte.

3. Chinon und die Schlösser der Loire


Was ich bisher von Frankreich kennengelernt hatte, bestärkte mich in meinem Wunsch, im Verlauf meines ersten Studienabschnitts einen längeren Studienaufenthalt an einer französischen Universität einzufügen. Zur Vorbereitung eines solchen Unternehmens war das Dringendste, dass ich meine nur rudimentären Sprachkenntnisse verbesserte. Nun hatte ich das Privileg, über eine Förderung durch die „Studienstiftung des deutschen Volkes“ einen Sprachkurs auszuwählen, der mir einige Wochen als Gast bei einer einheimischen Familie ermöglichen würde. Dieser Wunsch wurde mir erfüllt, und in beschwingter Stimmung trat ich meinen Besuch in Chinon an, nicht weit von Tours, an der Vienne, einem Nebenfluss der Loire, gelegen (Abb. 9).

Abb. 9 Die Vienne vor der Burg Chinon

Für einen „Nordländer“ wie mich vermittelte das 8000-Einwohner-Städtchen mit seinem alten, pittoresken Zentrum bereits das wärmende Flair des französischen Südens. Sie wird von der imposanten Ruine einer Burg überragt, die im Mittelalter als bedeutende Residenz diente. Dort trat 1429 Jeanne d’Arc dem Dauphin (später König Karl VII.) gegenüber. Eindrucksvoll die Lage an dem klaren Fluss mit seinen grünen, baumbestandenen Ufern.

Ich gehörte zu einer Gruppe von Stipendiaten, die für 4 Wochen im Herbst 1970 bei Familien in Stadt und nahem Umland untergebracht wurden. Wir, das heißt Peter, ein Trompete spielender Linguistik-Student aus Göttingen mit komplizierter, universaler Grammatik im Kopf und ich selber, wohnten auf einem Hügel am Rande Ch