Was ich bisher von Frankreich kennengelernt hatte, bestärkte mich in meinem Wunsch, im Verlauf meines ersten Studienabschnitts einen längeren Studienaufenthalt an einer französischen Universität einzufügen. Zur Vorbereitung eines solchen Unternehmens war das Dringendste, dass ich meine nur rudimentären Sprachkenntnisse verbesserte. Nun hatte ich das Privileg, über eine Förderung durch die „Studienstiftung des deutschen Volkes“ einen Sprachkurs auszuwählen, der mir einige Wochen als Gast bei einer einheimischen Familie ermöglichen würde. Dieser Wunsch wurde mir erfüllt, und in beschwingter Stimmung trat ich meinen Besuch in Chinon an, nicht weit von Tours, an der Vienne, einem Nebenfluss der Loire, gelegen (Abb. 9).
Abb. 9 Die Vienne vor der Burg Chinon
Für einen „Nordländer“ wie mich vermittelte das 8000-Einwohner-Städtchen mit seinem alten, pittoresken Zentrum bereits das wärmende Flair des französischen Südens. Sie wird von der imposanten Ruine einer Burg überragt, die im Mittelalter als bedeutende Residenz diente. Dort trat 1429 Jeanne d’Arc dem Dauphin (später König Karl VII.) gegenüber. Eindrucksvoll die Lage an dem klaren Fluss mit seinen grünen, baumbestandenen Ufern.
Ich gehörte zu einer Gruppe von Stipendiaten, die für 4 Wochen im Herbst 1970 bei Familien in Stadt und nahem Umland untergebracht wurden. Wir, das heißt Peter, ein Trompete spielender Linguistik-Student aus Göttingen mit komplizierter, universaler Grammatik im Kopf und ich selber, wohnten auf einem Hügel am Rande Ch