1. Kapitel
Zwei Wochen später. Wütend peitschte der Westwind den Regen über das mit Stacheldraht und einem hohen Maschendrahtzaun gesicherte Grundstück. Die Bäume des Wäldchens bogen sich ächzend unter der Gewalt des Herbststurms und liessen ihr ohnehin nur noch spärlich vorhandenes Laub widerstandslos fallen. Hin und wieder brach laut knackend ein Ast und schlug krachend auf dem Kiesweg auf, der zum Haus mit den hell erleuchteten Fenstern im Erdgeschoss führte.
Mit gesenkten Köpfen stemmten sich die beiden Wachsoldaten gegen den heulenden Wind, der ihre Augen tränen liess, und patrouillierten erneut im Abstand von wenigen Metern an ihm vorbei, ohne etwas von seiner Anwesenheit zu ahnen. Kein halbwegs vernünftiger Mensch trieb sich an diesem ungemütlichen Novemberabend im Freien herum, wenn er nicht unbedingt musste – oder wenn er sich nicht kurz vor dem Ziel seines geheimen Auftrags im Feindesland wähnte.
Nachdem er sich in der Dämmerung geduldig mit den unglaublichsten Verrenkungen seines athletischen Körpers vorsichtig durch den Stacheldraht gewunden hatte, stellte der Maschendrahtzaun nun das letzte statische Hindernis zwischen ihm und dem stattlichen Gebäude dar. Aber noch war der richtige Zeitpunkt für dessen Überwindung nicht gekommen.
Im Lichtkegel der Autoscheinwerfer wurde der Regen zu einem schier undurchdringlichen Vorhang. Vom Motorgeräusch des Wagens, der sich langsam dem geschlossenen Tor im Zaun näherte, war bei dem sich allmählich zu einem Orkan steigernden Sturm nichts zu hören. Auf Quints regennassem Gesicht erschien ein zufriedenes Lächeln. Der Besuch traf also endlich ein. Die Verspätung musste man ihm bei diesem Wetter nachsehen.
Ein Soldat trat aus der Dunkelheit in