: Dumas - Le Prince
: Die Totenhand. Band 3 Die Fortsetzung von 'Der Graf von Monte Christo'
: apebook Verlag
: 9783961305773
: 1
: CHF 2.60
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
Die Geschichte um den jungen Edmond Dantès, der durch ein Komplott von missgünstigen Neidern aus dem höchsten Glück in den tiefsten Abrgund geschleudert wird und schließlich, nach vierzehn Jahren unverschuldeter Kerkerhaft zurückkehrt, um als mysteriöser Graf von Monte Christo Rache zu üben an seinen Peinigern, ist den meisten bekannt. Doch kaum jemand weiß, dass es eine Fortsetzung dieser Geschichte mit gleichsam umgekehrten Vorzeichen gibt. Hier nun wird der ehemalige Rächer zum Ziel der Vergeltung, denn seine erbarmungslosen Handlungen haben ihrerseits die Schicksale Unschuldiger beeinflusst. Und so setzt sich die Geschichte der Rache fort... Dieses ist der dritte von drei Bänden.

I. Die Grotte Monte Christos.


Während der Gondolier, den Kopf so niedergebeugt, daß man sein Gesicht nicht sehen konnte, sich, wie wir erwähnten, mit unverkennbarer Ungeschicklichkeit der Arbeit des Ruderns hingab, wendete sich Max gegen Valentine und deutete mit der Hand auf das kleine Handelsfahrzeug.

»Was ist das für ein Schiff, das dort in geringer Entfernung von uns liegt und dem unsere Gondel zuzusteuern scheint?« fragte er sie.

»Ei, ei,« sagte Valentine lachend, »es scheint, als besäße ich mehr Kenntnisse vom Seewesen als Du! – Das ist die Yacht, dieBonace

»Es scheint aber, als führe die Gondel gerade darauf zu! – Schon ist das Land weit zurück.«

»Oh, wenn der Gondolier fortfährt, sich die Stirn so zu trocknen wie eben jetzt, so haben wir alle Ursache, zu glauben, daß wir heute abend nicht zu der kleinen Yacht gelangen,« sagte Valentine.

»Solltest Du vielleicht den Gedanken verwirklichen wollen, zu dessen Anerkennung Du mich bestimmt hast?«

»Nun, laß hören! – Was würdest Du sagen, Max, wenn die Nacht uns aus dem Adriatischen Meere hinausbrächte?«

»Ei, ich begreife sehr gut! – Ich sehe, daß ich Dein Gefangener bin,« murmelte Max, indem er ihre Hand ergriff und aufstand, denn schon erreichte der Kiel der Gondel die kleine Yacht.

Der Gondolier schien in diesem Augenblicks sehr in Verlegenheit darüber zu sein, was er zu tun hätte, um auf schickliche Weise anzulegen; aber seine Verwirrung steigerte sich noch, als Max ihm auf die Schulter klopfte, und nachdem Valentine bereits zu der Yacht hinaufgestiegen war, ihn anreden zu wollen schien.

Der Mond, der bisher durch einige Wolken verdunkelt gewesen war, funkelte plötzlich an einem durchsichtigen blauen Himmel und beleuchtete mit seinem melancholischen Lichte alle Gegenstände der Schöpfung.

Max brach in ein lautes Gelächter aus, als er das Gesicht des Gondoliers erkannte.

»Signor Giovanni Gradenigo!« rief er halblaut. »Was soll das heißen, mein Herr? Sie scheinen sehr sonderbare Launen zu haben. Welchem Umstande verdanke ich die unerhörte Ehre, so durch Sie bis hierher gefahren worden zu sein? – Oh, ich will nicht, daß eine solche Gefälligkeit in den Schatten der Nacht begraben bleibe; – ich werde meine Frau bitten, Ihnen ihre Danksagungen darzubringen.«

Bei diesen Worten wollte er Valentine rufen, aber er ließ sich durch die bittenden Bewegungen Giovanni Gradenigos zurückhalten.

»Herr Morrel,« sagte Giovanni ebenfalls mit leiser Stimme, »ich finde mein Vergnügen an allen überspannten Dingen, und wenn ich Sie bis hierher ruderte, so geschah das ganz einfach, um mich in dem Geschäfte des Gondoliers zu üben.«

»Des Gondoliers! – Sie sind also zu Grunde gerichtet, da Sie ein solches Geschäft übernehmen wollen?« sagte Max mit dem Tone des beißendsten Spottes. »Sie tun sehr wohl, mein Lieber, in diesem Falle