I.
Der Vertrag.
Drei Tage nach der von uns erzählten Szene gegen fünf Uhr Abends zu der für die Unterzeichnung des Vertrages zwischen Fräulein Eugenie Danglars und Andrea Cavalcanti, für welchen der Bankier hartnäckig den Prinzentitel beibehielt, bestimmten Stunde, als ein frischer Wind die Blätter im Garten vor dem Hause des Grafen von Monte Christo zittern machte, in dem Augenblick, wo dieser auszufahren sich anschickte, und während seine Pferde, von der Hand des bereits seit einer Viertelstunde auf dem Bocke sitzenden Kutschers zurückgehalten, mit den Füßen stampften, drehte sich der elegante Phaëton, dessen Bekanntschaft wir wiederholt und namentlich bei der Soirée in Auteuil gemacht haben, rasch um die Ecke der Einfahrt und schleuderte gleichsam, mehr als er ihn absetzte, auf die Stufen der Freitreppe Herrn Andrea Cavalcanti, der so strahlend, so vergoldet erschien, als ob er im Begriffe gewesen wäre, eine Prinzessin zu heiraten.
Er erkundigte sich nach der Gesundheit des Grafen mit der ihm eigentümlichen Vertraulichkeit und traf, leicht den ersten Stock hinaufsteigend, den Grafen selbst oben auf der Treppe.
Bei dem Anblick des jungen Mannes blieb der Graf stille stehen. Andrea Cavalcanti war einmal im Wurfe, und wenn er geworfen war, hielt ihn nichts mehr zurück.
»Ei! guten Morgen, lieber Herr von Monte Christo!« sagte er zu dem Grafen.
»Ah! Herr Andrea!« erwiderte dieser mit seinem halb spöttischen Tone; »wie befinden Sie sich?«
»Vortrefflich, wie Sie sehen. Ich habe über tausenderlei Dinge mit Ihnen zu sprechen: doch vor Allem, kommen Sie zurück, oder wollten Sie ausfahren?«
»Ich wollte ausfahren.«
»Um Sie nicht auszuhalten, steige ich, wenn Sie erlauben. in Ihre Caleche. und Tom führt meinen Phaëton im Schlepptau nach.«
»Nein«, sagte mit einem unmerklichen Lächeln der Verachtung Monte Christo, der nicht gern öffentlich in Gesellschaft des jungen Mannes sein wollte; »nein, ich ziehe es vor, Ihnen hier Audienz zu geben; man plaudert besser in einem Zimmer und hat nicht einen Kutscher, der die Worte aufschnappt.«
Der Graf kehrte in einen zu dem ersten Stocke gehörenden Salon zurück, setzte sich und hieß, seine Beine über einander kreuzend, durch ein Zeichen den jungen Mann sich ebenfalls setzen.
Andrea nahm seine lachendste Miene an und sprach:
»Sie wissen, lieber Graf, daß die Zeremonie diesen Abend stattfindet?«
»Ah! wirklich?«
»Wie! ist das eine Neuigkeit, die ich Ihnen mitteile? Waren Sie von dieser Feierlichkeit bei Herrn Danglars nicht unterrichtet?«
»Doch wohl; ich bekam gestern einen Brief von ihm, glaube aber nicht, daß die Stunde darin genannt war.«
»Es ist möglich, der Schwiegervater wird darauf gerechnet haben, man wisse sie allgemein.«
»Sie lind nun also glücklich, Herr Cavalcanti? Sie schließen eine der entsprechendsten, wünschenswertesten Verbindungen; auch ist Fräulein Danglars sehr hübsch.«
»Ja wohl«, sprach Cavalcanti mit äußerst bescheidenem Ton.
»Sie ist besonders sehr reich, wenigstens wie ich glaube?«
»Sehr reich, glauben Sie?« wiederholte der junge Mann.
»Allerdings: man sagt, Herr Danglars verberge wenigstens die Hälfte seines Vermögens.«
»Und er gesteht fünfzehn bis zwanzig Millionen zu!« rief Andrea mit einem vor Freude funkelnden Blicke.
»Abgesehen davon«, sagte Monte Christo bei, »abgesehen davon, daß er im Begriffe ist, sich in eine, in den Vereinigten Staaten und in England bereits etwas verbrauchte, in Frankreich aber ganz neue Art der Spekulation einzulassen.«
»Ja, ja, ich weiß, wovon Sie sprechen, nicht wahr von der Eisenbahn, für welche er so eben die Concession erhalten hat?«
»Ganz richtig! er wird dabei, das ist die allgemeine Meinung, wenigstens zehn Millionen gewinnen.