: Hubertus Benner
: Ein geteilter Berliner Ein Berliner Leben in der Reichshauptstadt, im Kessel von Halbe, in der Viersektorenstadt, in der DDR-Hauptstadt, in der"Frontstadt", in der wiedervereinigten Stadt und in der Bundeshauptstadt
: Frieling-Verlag Berlin
: 9783828037649
: 1
: CHF 19.50
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: Sprach- und Literaturwissenschaft
: German
: 696
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Hubertus Benner, ein überzeugter Berliner, kommt 1939 zur Welt und sogleich in eine unruhige Zeit. Für die Familie Benner ist diese mit der Kriegsverwundung des Vaters zum Kriegsende, der Flucht vor dem Bombenkrieg und der Rückkehr in die in Trümmern liegende Reichshauptstadt verbunden. Eine Kindheit in den Ruinen Berlins und das spätere Pendeln als Jura-Student zwischen dem Ost- und West-Sektor reflektieren die Zeitgeschichte seiner geliebten Stadt. Mit dem Bau der Berliner Mauer endet die Teilfreiheit, Benner ist in Ost-Berlin gefangen und weiß, dass er dort nicht bleiben will. Einen Monat nach dem Mauerbau findet er einen Weg rauszukommen und lässt schweren Herzens seine Familie zurück. Sein neues Leben im Westen der Stadt ist anfangs häufig von Einsamkeit geprägt. Das Studium, die täglichen Herausforderungen des Lebens und die politisch unruhigen Zeiten lassen aber wenig Raum für Selbstmitleid. Als seine zukünftige Ehefrau in sein Leben tritt und das Referendarexamen bestanden ist, startet Benner im Berufs- und Eheleben durch. Mit der Ausübung verschiedener Ämter im Ausschussdienst des Abgeordnetenhauses von Berlin, in den Stäben der Berliner Innensenatoren Peter Ulrich und Frank Dahrendorf, als Leiter des Büros des Innensenators Heinrich Lummer, als Mitarbeiter in der Berliner Innenverwaltung, als Chef der Berliner Ausländerbehörde und letztendlich als Direktor des Landeseinwohneramtes Berlin ist er in der Karriereleiter aufgestiegen und hat zu der Aufgabenerfüllung der West-Berliner und der wiedervereinigten Berliner Verwaltung seinen Teil beigetragen. Hubertus Benner möchte mit seiner Autobiografie dazu beitragen, dass die geschichtlichen Ereignisse und gesellschaftlichen Veränderungen, die sein Leben begleiteten, nicht in Vergessenheit geraten. Die Anekdoten aus seinem privaten Leben, aber vor allem die Einblicke aus seinen zahlreichen und politisch bedeutenden Ämtern erzählen die Zeitgeschichte Berlins im Wandel der Zeit. Auch auf das Schicksal der im Zuge der Errichtung der"Gedenkstätten der Sozialisten" in Berlin-Friedrichsfelde aus ihren Gräbern geworfenen Toten kritisch aufmerksam zu machen, ist Hubertus Benner ein wichtiges Anliegen.

Ein Hoflieferant von der Ostseeküste und seine Spreeathenerin

Mein Vater war der Sohn des am 20. April 1872 in Stengow, Kreis Usedom in Mecklenburg-Vorpommern geborenen Wild- und Geflügelhändlers sowie späteren Hoflieferanten Hugo Robert Benner und dessen Ehefrau Marie Auguste Hedwig, geborene Rohmer. Mein Großvater hatte zehn Geschwister, sieben Brüder und drei Schwestern. Leider ist diese große Familie, von der ein Teil in Stettin und Umgebung lebte, durch Tod und sicherlich auch bedingt durch die Kriegsereignisse nach 1945 auseinandergerissen worden.

Meine Großmutter Marie kam am 23. September 1872 in der elterlichen Wohnung zur Welt, die in der damals noch mit „C“ geschriebenen Karlstraße, Ecke Schiffbauerdamm in Berlin-Mitte lag, direkt an der über die Spree führenden Unterbaum- und späteren Kronprinzessinnenbrücke. Gegenüber am Karl-Friedrich-Ufer 1 wurde sechzehn Jahre später am 11. September 1888 mit Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ das Lessing-Theater, erbaut in nur einem Jahr zwischen Oktober 1887 und September 1888, eröffnet.

Die Karlstraße wurde Ende der vierziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts nach dem Schauspieler und Regisseur Max Reinhardt in Reinhardtstraße umbenannt. Max Reinhardt hatte 1902 die Direktion des Schauspielhauses in der Schumannstraße, einer Parallelstraße zur Karlstraße, sowie 1919 das Große Schauspielhaus im umgebauten Zirkus Schumann, dem späteren Friedrichstadtpalast, gelegen zwischen Schiffbauerdamm und Karlstraße, eröffnet.

Das Geburtshaus meiner Großmutter Marie vermittelte von außen den Eindruck einer Burg, weil die Hauswände aus großen Steinquadern bestanden. Der Dachfirst bestand aus Zinnen und Türmchen. Es war für uns in den späteren Jahren, wie auch für andere Kinder, stets ein Haus, das die Fantasie anregte und von überstandenen Burgabenteuern träumen ließ. In den sechziger Jahren wurde das Wohnhaus, weil es im Todesstreifen der Mauer stand, abgerissen, um die Grenze effektiver überwachen zu können, d. h. um besseres Schussfeld auf unschuldige Flüchtlinge zu haben. Es teilte das Schicksal vieler anderer Wohnhäuser an der Grenze des sowjetischen Sektors zu den Westsektoren Berlins.

Im Zusammenhang mit dem 1999 erfolgten Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin wurde an dieser Stelle in den neunziger Jahren das Bundespresseamt errichtet, in dem seither die Politik der Bundesregierung verkauft wird. Meine Großmutter hätte sich diese Entwicklung knapp hundertdreißig Jahre zuvor sicher nicht träumen lassen.

Das Jahr 1893 brachte im Leben meines Großvaters Hugo eine entscheidende Wende mit sich und veränderte sein