: Isabella Müller
: Himmelslaterne Ein Licht in dunkler Nacht
: Books on Demand
: 9783756265596
: 1
: CHF 7.00
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 100
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Das Einzige, was zählt, ist das Hier und Jetzt. Das Gestern ist vorbei und wird nie mehr wiederkehren. Wir können daran nichts mehr ändern, ausser unserem Blickwinkel dazu. Verletzungen und Traumata werden womöglich immer ein Teil von uns sein und wir werden sie immer ein Stück weit mittragen. Sie gehören in unseren Rucksack des Lebens, der jeder von uns trägt. Und selbst wenn wir nie ganz davon heilen werden, so können wir daran wachsen. Durch Verzeihen, uns selbst und anderen. Dann können wir im Hier und Jetzt auch wieder das Schöne im Kleinen betrachten und erkennen plötzlich, dass die kleinen Wunder doch die Grossen sind. Und es schon immer waren. So wie die Himmelslaterne, welche durch ihr hell scheinendes Licht in ihrer Mitte am Nachthimmel erstrahlt. Wir alle sind so eine Himmelslaterne, wir alle tragen dieses helle Licht in unserer Mitte. Dieses Buch handelt von durchlebten Traumata und deren Folgestörungen. Es handelt von Verrat, Manipulation, Missbrauch und von der grossen Lebenslüge, an welcher die Autorin fast zerbrach. Anschaulich schildert sie die tiefen, dunklen Täler von Depression, Erschöpfung, Verzweiflung und Angst, welche es zu durchschreiten gab und wie sie Schritt für Schritt einen Weg fand, das Vergangene hinter sich zu lassen. Sie möchte anderen dadurch Mut machen und zeigen: DU bist nicht allein! Du bist nicht zu viel, nicht zu wenig. DU BIST WERTVOLL UND EINZIGARTIG! Und sie möchte mit diesem Buch ein letztes Stück an Gerechtigkeit für ihre Mutter einfordern, indem sie ihr eine Stimme verleiht...

Isabella Müller wurde 1973 in Basel / Schweiz geboren. Sie ist Mutter von zwei Kindern.

** Kapitel 2: Wie alles begann **


An einem Tag im Dezember 1974 war mein erster Geburtstag. Und an diesem Tag starb meine Mutter. Sie starb, weil sie es selbst so wählte. Sie stürzte sich frühmorgens aus dem Schlafzimmerfenster unseres Wohnhauses in Basel. Draussen war es noch stille Nacht und stockfinster. Mein Vater war, während das geschah, im Bad nebenan, um sich für den Tag fertig zu machen.

Er musste zur Arbeit und würde erst später mit seiner Frau und der gesamten Familie den Geburtstag der Tochter, mir, feiern. Ich schlief währenddessen noch tief und fest in meinem Bettchen, welches im Elternschlafzimmer neben dem Ehebett stand. Ich kann kaum Details nennen, weil ich nur erzählen kann, was mir meine Familie Jahre später darüber erzählt hatte. Und das ist nicht viel.

Von Fotos entnehme ich, dass meine Mutter eine grosse, sportliche Frau mit schwarzem, langem Haar und braunen Augen war. Sie legte viel Wert auf Ästhetik, war immer perfekt frisiert und gekleidet. Mit ihrem Style war sie ihrer Zeit definitiv voraus. Aus Erzählungen kann ich berichten, dass sie eine sehr sanftmütige und bedachte Frau war. Sie lachte gerne und viel. Ihr Lachen war bezeichnend.

Ich weiss, dass meine Mutter nach meiner Geburt an einer postpartalen Depression litt und in der Folge mit einer Psychose zu kämpfen hatte. Eine postpartale Depression entsteht innert einer Zeitspanne von etwa vier Wochen nach der Entbindung. Die starken hormonellen Veränderungen, welche eine Entbindung mit sich bringt, lösen bei einem kleinen Teil der Frauen so etwas aus. Die abgeschwächte Form davon ist der Babyblues, welcher die ersten Tage nach der Entbindung das Glück der frischgebackenen Mütter trübt und sehr viel häufiger ist als die postpartale Depression. Letzteres ist eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung, welche eine umgehende, engmaschige und professionelle Behandlung erfordert. In den 1970er-Jahren erkannte man dies jedoch noch nicht so an, wie allgemein psychische Erkrankungen nicht. Die Frau galt einfach als verrückt und es wurde hinter vorgehaltener Hand getuschelt und urteilend mit dem Finger auf die Erkrankte gezeigt.

Meine Mutter wurde stationär in eine Klinik eingewiesen und durfte hin und wieder stundenweise nach Hause. Sie hat an diesem Dezembermorgen, wo sie sich dazu entschlossen hatte, ihrem Leid und ihrem Leben ein Ende zu setzen, keinen Abschiedsbrief hinterla