Chiara lässt die Hühner aus dem Kofen und führt den Ziegenbock auf die Wiese, schlägt einen Pflock, so fest sie kann, in die trockene Erde und bindet ihn an. Die restliche Ziegenschar folgt und wird bei ihm bleiben. Nun das Schwein. Normalerweise ist es eine ihrer Pflichten, darauf aufzupassen, damit es nicht fortläuft, aber das tat es noch nie.
Seit Wochen sammelte sie das langstielige, scharfkantige Gras, das die Ziegen stehen lassen und das sogar den Winter überdauert. Wochenlang versuchte sie, Schuhe zu flechten, wie sie auf dem Markt im Dorf verkauft werden. Mit dem Ergebnis ist sie unzufrieden, doch jetzt ist Frühling und sie möchte endlich los. Der Weg ist lang, er ist ihr unbekannt, sie vermutet es lediglich. Zu weit, um barfuß zu laufen. Ihre Mutter kommt jedes Jahr einmal hierher. Wenn sie wieder geht, dann immer gleich am Morgen, also muss es weit sein. Ihre Mutter hat Schuhe, Kinder dagegen, die noch wachsen, bekommen keine. Sie zieht die drei Paar unter dem Busch hervor. Bis zum Wald wird sie barfuß laufen. Derart weit war sie bereits einmal. Mutter erzählte, dass hinter dem Wald die Stadt zu sehen ist. Ein letztes Mal wendet sie sich zum Haus um. Ihre Großeltern werden sie erst am Abend vermissen, wenn sie ausbleibt. Sie läuft den Hang hinauf, oh