: Jürgen Ehlers
: Tod von oben Liebe und Verrat in den besetzten Niederlanden, 1941-42
: Books on Demand
: 9783757849511
: 1
: CHF 2.50
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 370
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In einer Sommernacht des Jahres 1941 beobachtet die 18-jährige Sofieke, wie ein Fallschirmagent in den besetzten Niederlanden landet. Der Student Gerhard soll für die Engländer spionieren. Er wird jedoch sofort festgenommen. Gerhard entgeht der Hinrichtung nur, indem er sich zum Schein bereiterklärt, als Doppelagent für die deutsche Spionageabwehr zu arbeiten. Arthur Seyß-Inquart, der mächtigste Nazi in den Niederlanden, ist Gerhards Nennonkel. Seine fröhlich-naive Tochter Dorli zeigt ihm den Palast, in dem sie jetzt wohnt. In dem hauseigenen Kino führt sie ihm die Wochenschau-Aufnahmen von der wunderbar versöhnlichen Rede vor, die ihr Vater bei der Amtseinführung vor einem Jahr gehalten hat. Sie ist stolz auf ihren Vater. Weder Gerhard noch sie ahnen, dass der Reichskommissar auch eine ganz andere, dunkle Seite hat. Durch Zufall treffen Gerhard und Sofieke wieder aufeinander. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesbeziehung. Aber die beiden sind in größter Gefahr. Ihre Gegenspieler in der SS schrecken vor nichts zurück.

Jürgen Ehlers wurde im Mai 1948 in Hamburg geboren. Er war als Geowissenschaftler beim Geologischen Landesamt Hamburg tätig und hat zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze und mehrere Fachbücher zum Thema Eiszeit geschrieben. Im Jahre 1992 erschien seine erste veröffentlichte Kriminalerzählung. Für »Weltspartag in Hamminkeln« wurde Ehlers mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet. Seit 2005 schreibt er historische Kriminalromane, die überwiegend auf echten Kriminalfällen beruhen. Im März 2019 erschien sein neuester historischer Kriminalroman »Im Haus der Lügen«. Im Januar 2020 folgte »Durch die kalte Nacht«, der dritte Band der Holland-Trilogie. Jürgen Ehlers ist Mitglied im Syndikat und in der Crime Writers' Association. Er lebt mit seiner Familie in einem Dorf unweit von Hamburg.

Sonntag, 6. Juli 1941

Sofieke wusste, sie sollte um diese Zeit nicht mehr draußen sein. Aber sie war 17 Jahre alt, und niemand konnte sie daran hindern, eine Nacht im Freien zu verbringen. Auch nicht die Besatzer mit ihrer nächtlichen Ausgangssperre. Die schon gar nicht. Es war eine warme Sommernacht. Sofieke hatte ihr Fahrrad an einen Baum gelehnt und betrachtete den Nachthimmel. Die Sterne leuchteten hier außerhalb der Stadt so viel heller als dort, wo sie vor ihrer Flucht gewohnt hatte. Die Milchstraße war klar zu erkennen.

Sofieke Plet hatte die elterliche Wohnung in Amsterdam verlassen und war nach Den Haag gezogen. Ihr Vater war tot. Ihre Mutter wusste nicht, wo sie geblieben war. Und sie wusste erst recht nicht, dass Sofieke für ihre Flucht das Bankkonto der Familie geplündert hatte. Das Mädchen hatte zwar eine Spur schlechten Gewissens deswegen, aber wirklich nur eine Spur. Ihre Mutter arbeitete und brauchte dieses Geld nicht, während ihre eigene Zukunft vollkommen ungewiss schien. Als ihr klar war, dass sie als Jüdin die öffentliche Schule würde verlassen müssen, war sie untergetaucht.

Sofieke fühlte sich so frei und übermütig wie lange nicht mehr. Alle Sorgen der letzten Wochen lagen hinter ihr. Sie pflückte eine verspätete Pusteblume, hielt sie in die Luft und blies die Samen gegen den Himmel. Wie kleine Fallschirme, dachte sie.

Irgendwo in der Ferne brummte ein Flugzeug. Sie entdeckte es erst, als es die Milchstraße querte. Die Maschine flog nicht sehr hoch. Vielleicht steuerte sie Den Haag an. Sie flog ohne Positionslichter. Richtig, es war ja Krieg. Hier draußen konnte man es fast vergessen.

Plötzlich legte ihr jemand die Hand auf die Schulter. Sofieke fuhr zusammen. Die Han