Sonntag, 6. Juli 1941
Sofieke wusste, sie sollte um diese Zeit nicht mehr draußen sein. Aber sie war 17 Jahre alt, und niemand konnte sie daran hindern, eine Nacht im Freien zu verbringen. Auch nicht die Besatzer mit ihrer nächtlichen Ausgangssperre. Die schon gar nicht. Es war eine warme Sommernacht. Sofieke hatte ihr Fahrrad an einen Baum gelehnt und betrachtete den Nachthimmel. Die Sterne leuchteten hier außerhalb der Stadt so viel heller als dort, wo sie vor ihrer Flucht gewohnt hatte. Die Milchstraße war klar zu erkennen.
Sofieke Plet hatte die elterliche Wohnung in Amsterdam verlassen und war nach Den Haag gezogen. Ihr Vater war tot. Ihre Mutter wusste nicht, wo sie geblieben war. Und sie wusste erst recht nicht, dass Sofieke für ihre Flucht das Bankkonto der Familie geplündert hatte. Das Mädchen hatte zwar eine Spur schlechten Gewissens deswegen, aber wirklich nur eine Spur. Ihre Mutter arbeitete und brauchte dieses Geld nicht, während ihre eigene Zukunft vollkommen ungewiss schien. Als ihr klar war, dass sie als Jüdin die öffentliche Schule würde verlassen müssen, war sie untergetaucht.
Sofieke fühlte sich so frei und übermütig wie lange nicht mehr. Alle Sorgen der letzten Wochen lagen hinter ihr. Sie pflückte eine verspätete Pusteblume, hielt sie in die Luft und blies die Samen gegen den Himmel. Wie kleine Fallschirme, dachte sie.
Irgendwo in der Ferne brummte ein Flugzeug. Sie entdeckte es erst, als es die Milchstraße querte. Die Maschine flog nicht sehr hoch. Vielleicht steuerte sie Den Haag an. Sie flog ohne Positionslichter. Richtig, es war ja Krieg. Hier draußen konnte man es fast vergessen.
Plötzlich legte ihr jemand die Hand auf die Schulter. Sofieke fuhr zusammen. Die Han