Kapitel 1
Es ist ein seltsames Erlebnis, auf dem Beobachtungsdeck die Sterne vorbeisausen zu sehen. Im Hyperraum sind sie keine einzelnen Lichtpunkte mehr, sondern Streifen, die erscheinen und verschwinden, während sie im Nu unvorstellbare Entfernungen zurücklegen. Die Reise nach Prax hat vor einer Woche begonnen, aber ich bin von der Aussicht immer noch fasziniert. Es erinnert mich immer wieder daran, wie klein ich im Vergleich zum unvorstellbar riesigen Universum bin.
Das ist zwar nicht das erste Mal, dass ich das Sonnensystem der Erde verlasse, aber per Portal direkt Tausende von Lichtjahren zu springen ist doch ganz anders. Dabei hat man kein Gefühl der Reise, keine zunehmende Faszination mit all den Wundern. Diese Reise fühlt sich wirklicher an. Viel ... bedeutsamer.
„John?“
Als ich Mikitos Stimme höre, blicke ich zur zierlichen Japanerin hoch. Sie hat ihr Haar wieder zu einer kurzen Pagenfrisur geschnitten. Sie trägt – was ich als die übliche Abenteurerkluft bezeichnen würde – einen dunklen, gepanzerten Jumpsuit mit Holster für eine Strahlenpistole und ein Messer an der Hüfte, alles aus Monsterteilen und Nano-Gewebe. Ihre übliche Waffe, die Naginata Hitoshi, hat sie auf Bitte des Kapitäns weggeschlossen. Er sprach über zu scharfe Waffen und sein zerbrechliches Schiff.
„Du bist wieder da. Hast du gewonnen?“, frage ich und ziehe eine Augenbraue hoch, während ich mich gegen den Tisch lehne.
Seit Mikito herausgefunden hat, dass es an Bord einen virtuellen holographischen Projektor der Kampfarenen gibt, verbringt sie einen guten Teil ihrer Zeit dort. Ich habe es einmal versucht, aber das bizarre Gefühl, virtuelle Lebenspunkte für Schläge abgezogen zu bekommen, die man nicht fühlt, ist einfach zu viel für mich. Selbst wenn mein Leben in mancher Hinsicht wie ein Spiel ist, ist es etwas zu metafiktional für mich, in meinem Spiel des Lebens ein Spiel zu spielen.
„Ja.“
„Wunderbar.“ Ich bestätige die eintreffende Meldung, dass ich mit meinen hundert auf Mikito gewetteten Credits gewonnen habe. Auf die virtuellen Spiele wird eine Menge Geld gewettet. Und eine gute Wette ist eine gute Wette.
„John Lee und Mikito Sato.“ Die kultivierte Stimme unterbricht unser Gespräch, da wir uns beide umdrehen. Vor uns steht ein älterer Mann mit graumeliertem, kurz geschnittenem Haar, das seine dunkelbraune Haut hervorhebt. Der Mann trägt eine Weste mit zahlreichen Taschen und eine Cargohose. Er lächelt uns freundlich an. Der britische Akzent kommt mir bekannt vor, aber ich weiß nicht, woher ich ihn kenne. „Und natürlich der Geist Ali.“
Rein aus Instinkt blicke ich den Rest des Aussichtsraums an. An der Außenwand bietet das Glas – oder welches Material auch immer dafür verwendet wird – eine unglaubliche Aussicht. Ich frage mich, ob das Material überhaupt durchsichtig ist. Vielleicht sind das nur sehr gute Bildschirme, die zeigen, was sich draußen befindet. In dem Fall handelt es sich um eine erstaunliche Illusion.
Die Illusion ist sogar so gut, dass dieser Aussichtsr