So verrucht es auch klingt, die Tatsache, dass ich als Zoo-Mensch aufwachsen dürfte, war ein echtes Privileg. Die Zoos waren die einzigen Orte auf der ganzen Welt, an denen Menschen sich frei entfalten konnten. Bei uns machte die WB sich nicht die Mühe, uns die üblichen Abläufe von Arbeit und Gehirnwäsche, die für die UKs galten, aufzuzwingen. Für sie waren wir schlichtweg Laborratten, welche nach ihrer Nutzung bei Experimenten wie Abfall entsorgt werden konnten.
Abgesehen von den wenigen Aufpassern hatten wir keine Möglichkeiten, uns mit „gesunden“ Menschen zu vergleichen. Wir erlebten unsere buntgemischte Truppe mit all ihren Eigenarten als völlig normal. Obwohl ich bei meiner Geschichte der Einfachheit halber gelegentlich diagnostische Bezeichnungen benutze, spielten diese Begriffe in unserer Welt keine Rolle. Wir schätzten unsere unterschiedlichen körperlichen und geistigen Fähigkeiten und im Alltag ergänzten wir uns gegenseitig und teilten sie alle miteinander. Die Tauben, zum Beispiel, führten die Blinden spazieren, die Schizophrenen erzählten den Gehbehinderten Geschichten und die Down-Syndrom-Betroffenen sammelten Steine und Muscheln für die aufwendigen Sandburgen der Autisten. Diese auf natürliche Weise entstandenen Solidargemeinschaften sollten für den weiteren Verlauf unserer Geschichte von zentraler Bedeutung sein.
Meine Kindheit spielte sich auf einer abgelegenen Insel ab. Das Klima war tropisch mild und wir lebten frei in der Natur. Geschlafen wurde in einfachen Hütten oder am Strand unter den Sternen. Wir konnten uns zum größten Teil selbst versorgen, betrieben Getreideanbau und pflegten eine große Gemüseanlage. Es gab auch Nutztiere wie Hühner, Kühe, Esel und Schweine. Im Laufe der Zeit hatten auch einige Hunde und Katzen als „blinde Passagiere“ auf Zulieferungsschiffen den Weg zu uns gefun