Kapitel 1: Klarheit (in aller) (I)
„Wenn es drinnen regnet, draußen nicht
(niemand will einen Krieg, haben wir in der Schule gelernt)“
– Aquarian Age „klarheit (in aller)“
RENÉ
I
Ich wache auf. Stumm. Das ist gut. Das ist sehr gut. Die letzten Wochen passiert mir das zum Glück öfter. Ich öffne die Augen, sehe die gewohnte Umgebung und fühle mich ... wach. Kein Traum, der mich die ersten Sekunden in die neue Umgebung verfolgt. Keine Szenen, die gefüllt sind mit Blut, Angst und Zähnen.
Es ist noch nicht hell draußen. Ich bin ruhig.
Alles ist in Ordnung.
Alles. In. Bester. Ordnung.
Manchmal, an guten Tagen, habe ich das Gefühl, als hätte ich alles nur geträumt. Als wäre meine Zeit mit Susi und ... den „anderen“ nur ein dummer, schrecklicher Albtraum gewesen, der mir viel zu real vorkam.
Menschen, die sich in reißende Bestien verwandeln.
Eine Flucht durch die Straßen der Stadt, verfolgt von Tieren, die mich zerfetzen wollen. Eine junge Frau, der ich mich ausliefere, nur um sie im entscheidenden Moment im Stich zu lassen.
Wir können nicht alle Helden sein.
Sie hat mich nie verurteilt. Mir nie gesagt, wie enttäuscht sie ist.
Fast so, als hätte sie meinen Verrat erwartet.
Wie sehr ich mich dafür gehasst habe.
Wie sehr ichsie dafür gehasst habe.
Die Zeit heilt alle Wunden, heißt es. Das ist eine Lüge.
Eine einzige, groß propagierte Lüge, die uns wohl nur helfen soll, daran zu glauben, dass irgendwann alles gut wird. Außen mag es so sein. Menschen vergeben uns. Das Leben geht weiter. Und irgendwann verblasst die Erinnerung, dämmert die Erkenntnis, dass es eigentlich ohnehin niemanden interessiert.
Sie ist weg.
Ich weiß nicht, wo sie ist und ich will es auch nicht wissen.