: Henryk Sienkiewicz
: Quo Vadis? Band I Historischer Roman in drei Bänden
: apebook Verlag
: 9783961302505
: Quo-Vadis?-Trilogie
: 1
: CHF 0.50
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
Der einnehmende aber skrupellose Tribun Marcus Vinicius kehrt aus dem Osten nach Rom zurück und verliebt sich in Lygia, Tochter des lygischen Königs, die als römische Geisel bei der Schwester des römischen Statthalters für Germanien, Pomponia Graecina, aufwuchs. Pomponia steht im Verdacht, Anhängerin des verbotenen Christentums zu sein. Mithilfe seines Onkels Petronius, einem einflussreichen und für seine Spottlust bekannten Patrizier am Hof des Kaisers Nero, möchte Vinicius die schöne Lygia für sich gewinnen. Petronius erklärt sich tatsächlich bereit, sich für seinen Neffen zu verwenden, und stattet Pomponia und ihrer Familie einen Besuch ab. Schnell bemerkt er jedoch, dass gute Worte allein nicht zu dem gewünschten Ziel führen werden. Daher überlegt er sich eine List, um seinem Neffen Vinicius die ersehnte Frau zu verschaffen. Doch weder Vinicius noch Petronius haben mit der Willensstärke Lygias gerechnet, der mit dem riesenhaften Sklaven Ursus zudem ein tatkräftiger Helfer zur Seite steht... Dieses ist der erste von drei Bänden des monumentalen Werkes. Der Umfang des ersten Bandes entspricht ca. 180 Buchseiten. DIE QUO-VADIS?-TRILOGIE Anno 64 n. Chr.: Der dekadente Führungsstil Kaiser Neros lässt zunehmend Unruhe im Volke Roms aufkommen. Nero versucht, das Volk mit Brot und Spielen bei Laune zu halten. Dazu instrumentalisiert er die verbotene Glaubensgemeinschaft der Christen und lässt diese verfolgen und zur Belustigung des Volkes und Sicherung seiner Herrschaft als vermeintlich Schuldige auf grausame Art und Weise hinrichten. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund trägt sich die wechselhafte und dramatische Liebesgeschichte zwischen dem römischen Tribun Vinicius und der schönen Christin Lygia zu. Sienkiewicz gelingt auf insgesamt knapp 700 Seiten eine authentische und eindrückliche Darstellung des Gegensatzes zwischen der Kultur des römischen Reiches und dem christlichen Glauben. »Quo Vadis?« war ein maßgeblicher Grund dafür, dass Henryk Sienkiewicz den Nobelpreis für Literatur erhielt. Das Meisterwerk liegt hier in einer Neuauflage als Roman-Trilogie vor.

KAPITEL I


Petronius erwachte erst gegen Mittag und zwar wie gewöhnlich noch sehr ermüdet. Am Tage zuvor war er bei Nero zu einem Gastmahle eingeladen gewesen, das sich bis spät in die Nacht hineingezogen hatte. Seit einiger Zeit fing seine Gesundheit an zu leiden. Er selbst klagte darüber, daß er am Morgen stets wie an allen Gliedern zerschlagen aufwache und nicht imstande sei, seine Gedanken zu sammeln. Aber das Morgenbad und die damit verbundene sorgfältige Massage durch seine darin geschulten Sklaven brachten dann allmählich sein träges Blut wieder in Bewegung, erfrischten, belebten ihn und erfüllten ihn mit neuer Kraft, so daß er aus dem Salbzimmer, der letzten Abteilung des Bades, wie neuerstanden heraustrat, mit Augen, die von Geist und Heiterkeit strahlten, verjüngt, voller Leben, in rosiger Laune und in so vornehmer, tadelloser Haltung, daß sich selbst Otho nicht mit ihm vergleichen konnte: kurz, wirklich als»arbiter elegantiarum,« als oberster Richter in Sachen des feinen Geschmacks, wie man ihn nannte.

In den öffentlichen Bädern verkehrte er selten und nur dann, wenn ein berühmter Rhetor, von dem man in der ganzen Stadt sprach, auftrat oder wenn aus Anlaß einer Ephebenfeier besonders aufregende Ringkämpfe zu erwarten waren. Er besaß in seiner Villa, »Insula,« eigene Bäder, welche ihm Celer, der berühmte Fachgenosse des Severus, erweitert, umgebaut und mit so erlesenem Geschmacke eingerichtet hatte, daß selbst Nero ihnen den Vorzug vor den kaiserlichen Bädern einräumte, obgleich diese letzteren ausgedehnter und mit ungleich größerem Prunk ausgestattet waren.

Nach jenem Gastmahl also, bei dem er, gelangweilt von Vatinius' Schwätzereien, mit Nero, Lucanus und Seneca über die Frage, ob das Weib eine Seele habe, disputiert hatte, war er spät aufgestanden und hatte wie gewöhnlich ein Bad genommen. Zwei riesige Badediener legten ihn auf einen Tisch aus Zypressenholz, der mit schneeigem ägyptischen Byssos bedeckt war, tauchten ihre Handflächen in wohlriechendes Öl und begannen seinen wohlgestalteten Körper zu salben. Petronius wartete mit geschlossenen Augen, bis die Wärme des Schwitzbades und die Wärme ihrer Hände seine Glieder durchdrang und seine Mattigkeit beseitigte.

Nach einiger Zeit unterbrach er jedoch das Schweigen, schlug die Augen auf und begann nach dem Wetter sowie nach den Gemmen zu fragen, die der Goldschmied Idomeneus ihm heute zur Ansicht zu schicken versprochen hatte. Die Sklaven teilten ihm mit, das Wetter sei herrlich, ein leichter Wind wehe von den Albanerbergen her, und die Gemmen seien noch nicht eingetroffen. Petronius schloß von neuem die Augen und befahl soeben, ihn in den eigentlichen Baderaum, das Tepidarium, zu tragen, als hinter dem Vorhange der Nomenclator sichtbar wurde und meldete, daß der junge Marcus Vinicius, der vor kurzem aus Kleinasien zurückgekehrt war, ihn zu besuchen gekommen sei.

Petronius gab Befehl, den Gast ins Tepidarium zu geleiten, und begab sich auch selbst dorthin. Vinicius war der Sohn seiner älteren Schwester, welche sich vor langen Jahren mit Marcus Vinicius, einem Konsular aus der Zeit des Kaisers Tiberius, vermählt hatte. Der Jüngling diente bis dahin unter Corbulo gegen die Parther und war nach Beendigung des Krieges nach Rom zurückgekehrt. Petronius empfand eine gewisse Zuneigung für ihn, die nahe an Freundschaft grenzte, denn Marcus war ein schöner, kräftig gebauter Jüngling, der es zugleich verstand, in seinen Ausschweifungen ein gewisses ästhetisches Maß zu halten, was Petronius über alles schätzte.

»Sei gegrüßt, Petronius,« sagte der Jüngling, als er mit elastischem Schritte das Tepidarium betrat; »mögen alle Götter dir Glück schenken, namentlich Asklepios und Kypris, denn unter ihrem schützenden Beistande kann dir nichts Übles zustoßen.«

»Willkommen in Rom! Mögest du dich der Ruhe nach dem Kriege erfreuen,« antwortete Petronius, indem er seine Hände aus den Falten des weichen Musselingewebes, das ihn umhüllte, hervorstreckte. »Was gibt es Neues in Armenien, und bist du während deines Aufenthaltes in Asien nicht auch nach Bithynien gekommen?«

Petronius hatte früher Bithynien verwaltet, und was mehr bedeuten wollte, sein Amt mit Strenge und Gerechtigkeit geführt. Dies stand in merkwürdigem Gegensatz zu dem Charakter des Mannes, der wegen seiner Weichlichkeit und seines Hanges zur Üppigkeit allgemein bekannt war; daher liebte er es, sich jener Zeiten zu erinner