Prolog
Der Garten war hergerichtet wie in einer der Schnulzen, bei denen ihr Vater gerne auf dem Sofa einschlief. Viel zu grün und saftig für einen trockenen Hochsommer strahlte der Rasen. Vereinzelte Stehtische mit weißen Tischdecken erhoben sich daraus wie übergroße Champions. Die Gäste gruppierten sich darum und plauderten fröhlich. Über ihren Köpfen verhinderte ein Netz aus scheinbar endlosen Lichterketten den Blick auf den Nachthimmel. Unterlegt wurde das angenehme Summen der Gespräche von leiser Jazzmusik.
Warum musste es eigentlich immer Jazz sein? Konnten ihre Eltern nicht mal eine Party geben, bei der Heavy Metal gespielt wurde? Sie kicherte. Wie die Klienten in Lederkutten und mit langen Haaren wohl aussehen würden?
Die Leute am Tisch nebenan, allesamt in Anzügen oder eleganten Sommerkleidern gekleidet, sahen irritiert zu ihr herüber. Sie lächelte ihnen freundlich zu. Sollten sie sie doch für merkwürdig halten. Dass sie den Samstagabend auf der Gartenparty ihrer Eltern verbrachte, war schon seltsam genug.
Elina seufzte. Ihre Alternativen an diesem Abend waren auch nicht verlockend gewesen. Sie hätte mit Finn und ein paar anderen aus ihrer Klasse rausgehen können. Doch ihr erschien es albern, ziellos durch das Nachbardorf zu wandern, um sich schließlich auf einer der Bänke bei den Pferdekoppeln zu betrinken. Finn hatte sie gesagt, dass sie ihre letzte Erkältung auskurieren wollte. Aber ihr bester Freund kannte sie gut genug, um nicht weiter nachzufragen. In Wahrheit hatte sie einfach keine Lust dazu.
Natürlich konnte sie sich auch nach oben in ihr Zimmer verziehen, aber dann wäre der Weg zum Buffet viel weiter. Sie betrachtete den leeren Teller, auf dem nur noch die Krümel an die Kanapees erinnerten, die sie wieder einmal viel zu schnell gegessen hatte. Sie schlenderte hinüber zu dem langen Buffet auf der Terrasse. Es war an der Zeit, sich der Tomatencremesuppe zu widmen, die Rosalie, ihre Haushälterin, Köchin und Seelenwärmerin, den ganzen Nachmittag über zubereitet hatte.
Sie langte bereits nach einem frischen Teller, da nahm sie eine Bewegung aus den Augenwinkeln wahr. Das Tischtuch hatte sich bewegt.Die Nachbarskatze? Elina hob das Tuch an und Getränkekisten begrüßten sie stumm.
Vielleicht war es doch bloß der Wind, dachte sie. Da entdeckte sie ein kleines Mädchen, das unauffällig um die Gäste herumschlich. Die braunen Locken wippten bei jedem Schritt. Sie trug eine Flasche Limonade, die besonders schwer und groß an dem zierlichen Kind wirkte.
Eine Limonadendiebin!Auf frischer Tat ertappt. Elina lächelte. Der Kleinen musste genauso langweilig sein wie ihr. Warum sonst sollte sie etwas stibitzen, das ohnehin frei ausgeschenkt wurde?
Sie folgte einer spontanen Eingebung. Wenn sie sich schon langweilte, konnte sie auch dem Mädchen helfen, die öde Erwachsenen-Party zu überstehen. Sie schätzte