2. Achtsamkeit
In diesem Kapitel erfährst du, wie du Achtsamkeit leben kannst, jeden Tag und überall, ganz gleich, woher du kommst, ganz gleich, ob du religiös, spirituell orientiert oder agnostisch bist.
Nach einer kurzen Einführung in die philosophischen und praktischen Grundlagen von Achtsamkeit in den ersten beiden Unterkapiteln tauchen wir in verschiedene Lebensbereiche menschlichen Seins ein, um zu ergründen, wie Achtsamkeit das Erleben des Einzelnen und der Gesellschaft verändern kann.
Wie inKapitel 1 und3 dieses Buchs bist du am Ende eines jeden Unterthemas eingeladen, selbst zu reflektieren und damit einen ersten Schritt zu gehen, um anders zu leben.
Abgesehen von reichhaltigen Versen und Spruchzitaten wird in diesem Kapitel unseres Lebensratgebers komplett auf zusätzliche Expertenstimmen verzichtet. Dieser Entschluss ist das Ergebnis einer emotionalisierten Debatte darüber, welche Koryphäen und Autoren aus wissenschaftlicher, berufspolitischer und moralischer Sicht vorwiegend zitiert werden sollten. Da nicht alle benannt werden können, die zum Thema Achtsamkeit etwas zu sagen haben, würde eine Inklusion erfordern, aus der Fülle von Veröffentlichungen über Achtsamkeit einzelne hervorzuheben und andere zu unterschlagen. Und deshalb wird im Kapitel Achtsamkeit ganz darauf verzichtet.
Ferner gibt es wie in der Positiven Psychologie auch in der Achtsamkeitspsychologie Statements, die mit „großen“ Namen der aktuellen Achtsamkeits-Community assoziiert werden. Jedoch können wir nicht wissen, ob diese Erkenntnisse originär von ihnen stammen. Vielleicht wurden sie bereits vor hunderten oder tausenden von Jahren von buddhistischen Urhebern formuliert, die keine Copyrightverletzung einklagten, weil für sie in ihrer digital entfernten und zurückgezogenen Lebensrealität nicht vorhersehbar war, wie ihr Wissen später westlich vermarktet würde. Selbst mit dem entsprechenden Wissen hätten sie eine Reaktion oder gar Klage unterlassen, denn auf Materialismus und geistiges Eigentum zu pochen waren für sie Ausgeburten geistiger Unfreiheit und Ego-Knechtschaft. Ihre Weisheit stellten sie der Menschheit kostenlos zur Verfügung und ohne einen Gegenwert zu erwarten.
Achtsamkeit ist was nicht? Achtsamkeit ist was? Achtsamkeit ist.
Achtsamkeit ist im Rahmen der aktuellen New-Age-Bewegung zu einem inflationär gebrauchten Modebegriff geworden, der in die mediale Welt und fast alle Sparten menschlichen Lebens triumphalen Einzug gehalten und so manchen Autor oder Achtsamkeits-Coach zum Multimillionär gemacht hat. Unter seriösen Wissenschaftlern wird Achtsamkeit oft als die dritte Welle der Psychologie bezeichnet, eine Revolution, entstanden durch die Zusammenführung kognitiver (gedanklicher) Konzepte, die maßgeblich der Feder westlich sozialisierter Psychologen entstammen, mit buddhistisch-philosophischen Weisheiten und meditativen Zugängen zu klareren Bewusstseinsebenen.
Bei genauerer Betrachtung der zahlreichen Angebote auf dem westlichen Selbsterfahrungsmarkt offenbart sich schnell, dass eine Mehrheit der Anbieter und User von Achtsamkeit gar kein tiefer gehendes Verständnis der Lehre hat, die sie praktiziert. Oft wird in die achtsamkeitsbegleitenden Meditationen in regelmäßigen Abständen ein „Om“ im abgehackten Staccato-Stil eingebunden, das als unendlicher Urlaut im Legato lang gezogen auszusprechen ist. Es kommt regelmäßig zu Verquickungen von Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, wobei Achtsamkeit viel mehr ist al