3. Beratungsanlässe zwischen Veränderungswunsch und Krise
Warum nutzen Menschen Mediation, Supervision oder Coaching? – „Etwas“ soll anders werden.
Beratungsanlässe sind komplex und entziehen sich in dieser Komplexität immer wieder der Kategorisierung. Hinter so manchem Thema wird im Lauf des Coachings ein anderes – das eigentliche Thema – sichtbar. Manchmal sind mehrere Anliegen miteinander verwoben oder greifen ineinander. Mir ist bewusst: Jede Kategorisierung ist eine Bewertung. Ich kategorisiere, und damit bestimmt mein Fokus über das zentrale Motiv der Beratung. Mir ist auch bewusst, dass andere Perspektiven (mehr als) berechtigt sind. Dennoch habe ich, der Übersichtlichkeit halber, einen Versuch unternommen, die in diesem Buch beschriebenen Beratungsanlässe zu kategorisieren.
Die von mir im Folgenden exemplarisch dokumentierten Beratungsformate verbindet, dass Klient*innen ihre Selbst- oder Problemthematisierung mit aussagestarken (Sprach-)Bildern untermalen. Sie verwenden Metaphern, um sich oder ihre berufliche Situation zu beschreiben. Die Fallbeispiele zeigen, dass die Problembeschreibung den Weg zur Lösung bereits in sich trägt.
Wenn Klient*innen ihre Anliegen im Erstgespräch beschreiben, verwenden sie selten nur eine einzige Metapher. Oft nutzen sie aber unwillkürlich eine ganze Reihe von verblassten, schmückenden oder auch absoluten Metaphern. Als Coachs haben wir in diesem Fall die Aufgabe, kontextsensibel die Metapher(n) zielorientiert handlungsleitend einzusetzen, die für das von den Klient*innen formulierte Anliegen hilfreich ist bzw. sind. Neben einer ausgeprägten Metaphernsensibilität und -affinität erfordert dies vom Coach eine weitere Kompetenz: Kontextpräzision.
Aus Gründen der Fokussierung beschreibe ich keine vollständigen Beratungsprozesse, sondern lediglich Momentaufnahmen, innerhalb derer auf unterschiedliche Weise mit Metaphern gearbeitet wird. Alle personenbezogenen Daten sowie die Kontexte der jeweiligen Metaphern wurden verändert. Die Beispiele sind wahr in Bezug auf die Entwicklung, die sie beschreiben. Und gleichzeitig haben sie sich so, wie sie beschrieben werden, nie zugetragen.
Die ausgewählten „Szenen einer Beratung“ zeigen: Sprachlich vermittelte Bildlichkeit bringt Bewegung in den Prozess. Beratung beutetet in diesem Kontext immer, die narrativen Kompetenzen der Klient*innen zu fordern und zu fördern. Im Idealfall lassen sich auf diese Weise Glaubenssätze verändern. In Sternstunden kann es gelingen, die möglicherweise entwicklungsverhindernden Bilder im biografischen Narrativ – und damit letztlich auch das Narrativ selbst – metaphorisch kreativ zu verändern.
3.1 Beratungsanlass (Neu-)Orientierung
Manchmal weckt eine äußere Veränderung im Leben das Bedürfnis nach einem Orientierungscoaching, manchmal ist die Erkenntnis, es sei an der Zeit, dass sich etwas ändere, der auslösende Faktor. Angeregt durch eine äußere oder innere Irritation suchen Klient*innen Orientierung. Sie möchten ihre Optionen ausloten und Klarheit über ihre Ziele gewinnen. Um eine Fehlentscheidung auszuschließen, reflektieren sie im Coaching mögliche Alternativen. Das Coaching soll sie darin unterstützen, das für sie „Richtige“ zu tun, und deshalb werden in einem Orientierungscoaching Hoffnungen und Träume, Werte und Potenziale s