KAPITEL 1
Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im „Lungomare Il Pane Quotidiano“, keine eineinhalb Meter vom Meer entfernt. Eine Möwe versucht sich gerade meinem Pistazien-Croissant zu nähern. Kein guter Plan. Wer mein Essen angreift, wird selbst zu einem. Wissen alle meine Freunde.
Es ist Dienstag, der 20. September 2022, 8 Uhr morgens. Ich sitze mit kurzer Hose, Trägertop und einem bunten Umhang, einem Mitbringsel von meiner letzten Neapel-Reise, auf der Terrasse am Meer. Es hat 17 Grad, die Sonne scheint, der Himmel wolkenlos, leichter Wind. Zugegeben, bissl kalt ist mir schon, aber für ein g’scheites Lebensgefühl muss man da durch. In der Steiermark hat es gerade 6 Grad. Also Mund halten.
Gestern bin ich ein paar Meter weiter beim „Topolino 1“ bei 27 Grad im Bikini gelegen und hab wie ein Hendl gebrutzelt. Vor drei Tagen hatte ich zwei Pullover, eine Jacke, einen Mantel und dicke Jeans an. Da hatte es 12 Grad, es regnete und die Bora bekam Vorwehen.
So einfach lässt sich der Herbst in Triest beschreiben. Irgendwas zwischen Sonnenbrand und Daunenjacke. Gott sei Dank hab ich für diese fünf Tage so viel Gewand mit, dass ich vier Jahreszeiten und vier Zeitzonen durchleben könnte. Manche nehmen wahrscheinlich für fünf Jahre Weltreise nicht so viel mit, aber ich bin da anders. Auch das wissen meine Freunde. Verstehen tun sie mich trotzdem nicht.
Was hat mich dazu veranlasst, dieses Ratgeber-Dingsbums (Buch klingt so hart und Werk viel zu groß) zu schreiben? Die Faszination zur Stadt Triest? Die Liebe zur italienischen Küche? Weil ich all das Essen und Trinken steuerlich abschreiben wollte? Oder weil mich immer mehr Leute nach Tipps und Empfehlungen für die ex-österreichische Hafenstadt gefragt haben?
Wahrscheinlich irgendeine Mischung von allem.
Triest ist nicht schön. Es gibt keine palmenverkitschte Promenade wie in Opatija, keine süßen Fußgängerzone-Restaurant-Gässchen wie in Grado, und selbst die Shoppingversuche sind enden wollend. Da fährt man besser nach Udine, Jesolo oder Lignano.
Dann gibt es da noch den Hafen. Noch immer einer der wichtigsten ganz Italiens und im gesamten Adria-Raum. Der ist auch nicht schön. Der neue, den man als Tourist ja nicht wirklich sieht, der liegt hinter der Stadt. Wer einen Eindruck davon bekommen möchte, begibt sich beim Molo auf das Linienboot Delfino Verde und nutzt die Fahrt nach Muggia als Haf