: Joseph T. Sheridan Le Fanu
: Carmilla neu übersetzt
: Books on Demand
: 9783757896829
: 2
: CHF 3.50
:
: Horror
: German
: 136
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Auf einem abgelegenen Landsitz fernab im steirischen Wald lebt ein junges Mädchen zusammen mit ihrem Vater, ihrer Gouvernante und ihrer Hauslehrerin. Einsam und alleine aufgewachsen sehnt sie sich nach Gesellschaft, da will es ein vermeintlicher Zufall, dass eine etwa gleichaltrige, schöne und geheimnisvolle Fremde auf ihrem Schloss vorübergehend Herberge findet. Zueinander hingezogen fühlend und einen gemeinsamen Traum teilend gehen die Beiden eine leidenschaftliche Freundschaft ein, welche jedoch seitens der mysteriösen Fremden einer grausamen, dunklen Absicht dient. Im Frühjahr 1872 veröffentlichte J.T. Sheridan Le Fanu zunächst als Dreiteiler in der Zeitschrift -The Dark Blue- und später im selben Jahr in einem von ihm herausgegebenen Sammelband -In a Glass Darkly- seine Novelle"Carmilla". Diese fünfundzwanzig Jahre vor Bram Stokers"Dracula" veröffentlichte gothic novella gilt heute als die Mutter aller Vampirromane und wurde nun zum 150. Jubiläum von Gisa L. Mertens liebevoll neu ins Deutsche übersetzt und mit informativen Anmerkungen versehen.

Joseph Thomas Sheridan Le Fanu, geb. 28. August 1814 und gest. 10. Februar 1873 war ein irischer Schriftsteller und Herausgeber und gilt als einer der bekanntesten frühen Vertreter der klassischen Grusel- und Schauerliteratur.
I

Ein früher Schrecken

In der Steiermark bewohnten wir, auch wenn wir nicht zur Aristokratie gehören, eine Burg oder Schloss. In dieser Ecke der Welt kommt man auch mit einem kleinen Auskommen recht weit. Acht- oder neunhundert im Jahr bewirken hier wahre Wunder.Daheim wäre das wohl kaum genug, um als wohlhabend zu gelten. Mein Vater war Engländer und obwohl ich selbst England nie gesehen habe, trage ich doch einen englischen Namen. Hier also in dieser abgelegenen und primitiven Gegend, wo alles so wunderbar erschwinglich ist, konnte ich es mir einfach nicht vorstellen, wie mehr Geld unseren Komfort, unseren Luxus gar, noch irgendwie hätte erhöhen können.

Mein Vater hatte im österreichischen Dienst gestanden und konnte, als er aus dem Dienst schied, von der Prämie und seinem Erbe diese feudale Residenz und das Anwesen, auf dem sie liegt, für ein Schnäppchen erstehen.

Kein malerischerer noch einsamerer Ort, liegt er doch auf einer abgelegenen Anhöhe mitten im Wald. Ein alter, schmaler Weg führt von einer zu meiner Zeit nie geschlossenen Zugbrücke, vorbei an einem von Barschen bewohnten Burggraben. Auf dem ruhigen Gewässer zieht eine Schwanenfamilie zwischen den weißen Flottenverbänden aus Seerosen ihre stillen Bahnen.

Über all dem thront das Schloss und präsentiert seine mit vielen Fenstern verzierte Fassade, seine Türme und eine gotische Kapelle.

Vo