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(Natur)Wissenschaft und Ästhetik
(Natur)Wissenschaft und Ästhetik
Wie wir gesehen haben zeichnen sich historisch zwei grundsätzliche Zugänge zur Ästhetik ab, ein weiter gefasster allgemeinsinnlicher und ein enger gefasster, im Sinne einer Theorie des Schönen beziehungsweise einer Theorie der Kunst. Nun wollen wir Nachschau halten, ob eine exklusive Sichtweise des Ästhetischen im hantologischen Sinne tatsächlich angebracht sein kann. Hierbei möchten wir insbesondere einen Blick auf das Verhältnis von Naturwissenschaft und Ästhetik werfen, denn Wissenschaft und dabei insbesondere Naturwissenschaft wird heute allgemein jenseits ästhetischer Entscheidungen vorgestellt. Aber ist denn dies tatsächlich der Fall? Sind in der Wissenschaft wirklich allein Vernunft und Verstand am Werk?
Wenn überhaupt, so heißt es traditionell, wird Ästhetisches als unwichtiges Nebenprodukt von Wissenschaft bezeichnet. Dementsprechend lesen wir beim Evolutionsbiologen H. Walter Lack: „Botanische Illustrationen haben sehr wenig mit Kunst zu tun, sie zählen zum Gebiet der Naturwissenschaften, ästhetische Überlegungen sind gänzlich unangebracht, und Schönheit ist ein angenehmer, jedoch völlig irrelevanter Nebeneffekt.“99
Hinter dieser Skepsis der Schönheit und dem Ästhetischen im Generellen gegenüber verbergen sich eine Reihe von Problemen, die Wissenschaft mit deraisthesis, mit der Wahrnehmung und den Sinnen an sich hat. So spendete Galileo Galilei Kopernikus bekanntlich großes Lob, weil er dafür gesorgt habe, dass „die Vernunft die Oberhand über die Sin