: Peter Brandlmayr
: Die relative Kunst der Unfuge Der Versuch einer hantologischen Ästhetik
: Buchschmiede von Dataform Media GmbH
: 9783991395096
: 1
: CHF 15.40
:
: Geisteswissenschaften allgemein
: German
Pendelnd zwischen Traum und Wirklichkeit, Innen und Außen nähert man sich in diesem Buch einem Menschen, seinen theoretischen Überlegungen sowie dem Prekariat allgemeinen Existierens. Im hantologischen Sinne ist eine Theorie der Ästhetik nicht allein auf das zu begrenzen, was für die menschlichen Sinne Relevanz hat. Der dynamische Zusammenhang von Darstellen und Wahrnehmen, Eindruck und Ausdruck prägt nicht, wie in klassischen Sichtweisen, nur die interaktiven Ränder unseres Körpers oder das, was wir Kunst nennen, oder den Begriff des normativ Schönen, sondern ist eine allgemein existenzielle Gegebenheit.

Peter Brandlmayr wurde 1970 in Bad Ischl geboren. Er absolvierte ein Geologiestudium an der Universität Innsbruck, danach das Kolleg für Fotografie an der Höheren Grafischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt in Wien. 1998 gründete er das Institut für Wissenschaft und Forschung (IWF), ein Experiment zwischen Kunst und Wissenschaft, Realität und Fiktion. 2005 Promotion Brandlmayr an der Universität Innsbruck zum Dr. phil.; 2013 gründete er das Pegasus-Institut für Pataphysik (PIP) sowie im Jahr 2019 das Institut für Müßiggang und Kontemplation (IMK). Er führte zahlreiche Ausstellungen, Installationen, Vorträge und Performances duch.

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(Natur)Wissenschaft und Ästhetik

 

(Natur)Wissenschaft und Ästhetik

Wie wir gesehen haben zeichnen sich historisch zwei grundsätzliche Zugänge zur Ästhetik ab, ein weiter gefasster allgemeinsinnlicher und ein enger gefasster, im Sinne einer Theorie des Schönen beziehungsweise einer Theorie der Kunst. Nun wollen wir Nachschau halten, ob eine exklusive Sichtweise des Ästhetischen im hantologischen Sinne tatsächlich angebracht sein kann. Hierbei möchten wir insbesondere einen Blick auf das Verhältnis von Naturwissenschaft und Ästhetik werfen, denn Wissenschaft und dabei insbesondere Naturwissenschaft wird heute allgemein jenseits ästhetischer Entscheidungen vorgestellt. Aber ist denn dies tatsächlich der Fall? Sind in der Wissenschaft wirklich allein Vernunft und Verstand am Werk?

Wenn überhaupt, so heißt es traditionell, wird Ästhetisches als unwichtiges Nebenprodukt von Wissenschaft bezeichnet. Dementsprechend lesen wir beim Evolutionsbiologen H. Walter Lack: „Botanische Illustrationen haben sehr wenig mit Kunst zu tun, sie zählen zum Gebiet der Naturwissenschaften, ästhetische Überlegungen sind gänzlich unangebracht, und Schönheit ist ein angenehmer, jedoch völlig irrelevanter Nebeneffekt.“99

Hinter dieser Skepsis der Schönheit und dem Ästhetischen im Generellen gegenüber verbergen sich eine Reihe von Problemen, die Wissenschaft mit deraisthesis, mit der Wahrnehmung und den Sinnen an sich hat. So spendete Galileo Galilei Kopernikus bekanntlich großes Lob, weil er dafür gesorgt habe, dass „die Vernunft die Oberhand über die Sin