: Rainer Gross
: Novemberland Roman
: Books on Demand
: 9783757839468
: 1
: CHF 7.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 260
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Cornelius Frey ist Groschenromanschreiber und arbeitet zuhause. Er versucht seit Jahren, seinen Glauben zu leben, scheitert aber immer wieder. Seine Existenz kommt ihm sinnlos vor, und er fragt sich: Wozu lebe ich eigentlich noch? Eines Tages hält er es nicht mehr aus und fordert von Gott ein Zeichen. Und Gott antwortet ... Der Roman handelt von einer Beziehungskiste mit Gott. Das Auf und Ab, die widerstreitenden Gefühle, das Hin und Her zwischen Hingabe und Auflehnung zeigt, dass es im Glauben wie in jeder Liebesbeziehung vor allem auf zwei Dinge ankommt: Geduld und Vertrauen.

Rainer Gross, Jahrgang 1962, geboren in Reutlingen, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Theologie. Heute lebt er mit seiner Frau als freier Schriftsteller wieder in seiner Heimatstadt. Er erhielt 2008 den Friedrich-Glauser-Debütpreis. Bisher sind über sechzig Titel von Rainer Gross erschienen. Zuletzt veröffentlicht: Fürchte dich nicht (2022); Ein Teilchen im Ozean (2022); Geweihte Steine (2022); Feste Häuser (2022); Die erste Nacht des Krieges (2022); Das Jahr des Fuchses (2022); Der Sommer der verlorenen Träume (2022); Das Adventsgeheimnis (2022); Zeit der Äpfel (2022).

Morgens bin ich aufgekratzt. Ich gehe auf den Balkon im dreizehnten Stock des Hochhauses, um zu rauchen. Der Vermieter will es so, und es ist besser für Elisa. Also rauche ich auf dem Balkon. Bei Wind und Wetter. In den drei Jahren habe ich mich daran gewöhnt und will es nicht mehr missen.

Die Sonne steht hinter den noch spärlich belaubten Bäumen. Die Berge im Dunst, Schatten auf dem Rasen der Wohnanlage. Ich mache mir einen Becher Kaffee und rauche zwei Zigaretten. Die Meisen kommen zum Futter, wir haben Sonnenblumenkerne auf den Boden gestreut, geschält aus biologischem Anbau. Die kleinen Vögel flattern heran, setzen sich auf das Geländer, hüpfen von Topfrand zu Topfrand, picken sich einen Kern und schwirren wieder davon. Kohlmeisen. Zwei Blaumeisen sind auch dabei.

Ich bin in entschlossener Stimmung. Ich entschließe mich, dass Elisa bald von der Arbeit kommt. Ich entschließe mich, dass sich nun etwas ändert.

Ich habe einen schrecklichen Sommer hinter mir. Viel zu heiß. Die Hitze machte mich apathisch. Ich hatte zu nichts Lust, alles war mir zu viel, ich hing nur auf dem Sofa herum, konnte mich zu nichts aufraffen, alles, was es zu tun gäbe, konnte auch ungetan bleiben, also war es letzten Endes egal. Die Hitze wollte nicht aufhören. Ich stellte fest, dass mir alle meine Träume verloren gegangen waren, und die Leere und Ödnis der sinnlosen Tage war nicht auszuhalten.

Mit dem Herbst wurde es besser. Die Sinnlosigkeit des Lebens blieb, aber mit dem November kam die Dunkelheit. Die hatte mir gefehlt.

Wenn ich es recht überlege, ist der November einer meiner Lieblingsmonate. Neben dem Januar und dem Juni. Im Januar habe ich Geburtstag, und im Juni ist Mittsommer und haben Elisa und ich Hochzeitstag. Und jetzt der Nove