: Heike Wolter, Samuel Wolter
: Rudolf Grass
: Obertraubling - Geschichten aus der Geschichte
: Edition Riedenburg E.U.
: 9783990821343
: 1
: CHF 8.80
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 280
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Obertraubling: Ein Dorf im Wandel der Zeiten. Nahbar und persönlich, bewegend und zeitkritisch. Stolz reckt sich der Kirchturm von Obertraubling seit Jahrhunderten in die Höhe. Um ihn herum hat sich die Welt oft langsam und manchmal rasant verändert. Aus dem kleinen Dorf ist eine moderne Großgemeinde geworden. Heike Wolter erzählt von diesem Wandel in 50 Szenen. Sie zeigt, wie Menschen Geschichte machen. Bäuerliches Leben am Hof, Dorfgemeinschaft, Lehrer und Pfarrer - das Leben folgt meist einem Gleichmaß. Doch Seuchen, Kriege und bahnbrechende Umwälzungen gehen auch an Obertraubling nicht vorbei. Erstaunt stellen die Menschen fest: In nur einem Menschenleben macht das Dorf einen riesigen Zeitsprung! Heike Wolter fängt sowohl den ruhigen Strom als auch die Wirbel und Schnellen der Ereignisse in und um Obertraubling durch zahlreiche persönliche Zeitzeugen-Interviews sowie intensive Recherchen ein. Ein Buch vom Verlag edition riedenburg, Salzburg * editionriedenburg.at *

Über die Autorin: Heike Wolter Ich mag's bunt - Darum habe ich fünf Kinder, vier Dinge studiert, in drei Orten gelebt, zwei Berufe und eine große Leidenschaft: Geschichte. Ich mag Vergangenheit - Ein Glück, dass Obertraubling viel davon hat. Ob Steinzeit, Römische Geschichte, Mittelalter oder Moderne - über Obertraublings Geschicke im Laufe der Jahrhunderte (und sogar Jahrtausende) lässt sich spannend erzählen. Ich mag Gegenwart - Wie gut, dass Menschen, denen ich täglich begegnen kann, lebendig aus der Vergangenheit berichten können. Mit ihnen kann ich mich auf Zeitreise begeben. Und es gibt Menschen, die heute Geschichte schreiben. Ich mag Zukunft - Ich stelle mir vor, wie wir alle die Geschichte von Obertraubling weiterschreiben. In einem, zehn oder hundert Jahren. Gespannt bin ich, wie viel davon ich noch miterleben und mitschreiben darf. Und wer es danach tut.

URK, DER STEINZEITJÄGER, MIT DEM FEUERSTEIN (50.000 V. CHR.)


Schon vor Zehntausenden Jahren hat es in der Gegend der Großgemeinde Obertraubling Menschen gegeben. Weil die Kulturen, aus denen sie stammten, schriftlos waren, wissen wir nur sehr wenig über sie. Aber trotzdem zeugen Bodenfunde von ihrer Anwesenheit. Manchmal werden sie gesucht, aber oft kommen sie ganz zufällig zum Vorschein: beim Pflügen der Felder. Diese fruchtbaren Böden mit dem entsprechenden reichen Pflanzenbewuchs waren auch der Grund, warum sich schon vor langer Zeit Menschen in der Gegend niederließen. Sie zogen als Jäger*innen und Sammler*innen über das Land – und hielten sich offenbar auch im heutigen Scharmassinger und Gebelkofener Gebiet auf.

*

Der Herbst war da. Bald würde es wieder kalt werden, morgens spürte man es schon. Urk trat aus der Grashütte, die ihm und seiner Gruppe als Nachtlager diente. Im Frühjahr waren sie - wie jedes Jahr - in das Hügelland südlich des großen Flusses gezogen. Hier sammelten sie Beeren und Früchte, Pilze und Wurzeln. Gemeinsam gingen sie im Schutz des hohen Grases und der Büsche auf die Jagd. Urk war groß, stark und dicht behaart – kein Wunder, dass er der Anführer der Gruppe geworden war. Er weckte seine Gefährten. Wenn sie Jagdglück haben wollten, mussten sie los. In den letzten Tagen hatten sie weder kleine Schneehasen gefangen, noch war ihnen ein großes Tier begegnet. Alle hatten Hunger.

Urk griff nach seinem Speer, den er sich in vielen Stunden Arbeit selbst gemacht hatte. Es war ein langer Stab, der gerade Stamm eines jungen Baumes. Mit einem Schaber hatte er zunächst das Holz geglättet, sodass es gut in seiner Hand lag. Dann kümmerte er sich um die Spitze seines Speers. Diese bearbeitete Urk so lange mit Steinklingen, bis sie in seinen Augen perfekt war. Abschließend härtete er die Speerspitze im Feuer. Er hoffte, dass seine Waffe nun stark genug war, um es auch mit Wollnashorn und vielleicht sogar mit einem Mammut aufnehmen zu können.

Die kleine Jägergruppe – vier Männer und eine Frau – zog los. Sie hatt