: Gudrun Leyendecker
: Amor irrt sich nicht Fantasy
: Books on Demand
: 9783757897543
: 1
: CHF 4.80
:
: Fantasy
: German
: 360
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
AMOR IRRT SICH NICHT ist ein Fantasyroman Samantha hat Liebeskummer und möchte sich am liebsten in die Einsamkeit verkriechen. Doch ihre Schwester Amy braucht Hilfe und bittet ihre Nichte, für einige Tage die Versorgung ihrer Familie zu übernehmen. Unversehens wird sie in ein Abenteuer mit hineingezogen.

Gudrun Leyendecker ist seit 1995 Buchautorin. Sie wurde 1948 in Bonn geboren. Siehe Wikipedia. Sie veröffentlichte bisher über 70 Bücher, unter anderem Sachbücher, Kriminalromane, Liebesromane, und Satire. Leyendecker schreibt auch als Ghostwriterin für namhafte Regisseure. Sie ist Mitglied in schriftstellerischen Verbänden und in einem italienischen Kulturverein. Erfahrungen für ihre Tätigkeit sammelte sie auch in ihrer Jahrzehntelangen Tätigkeit als Lebensberaterin.

Kapitel 1


Als sich die Tür des kleinen Einfamilienhauses wie von Zauberhand öffnete, erwartete Samantha ihre Tante Amy. Doch die junge Frau musste erst den Kopf senken, um den kleinen Jungen zu entdecken, der mit vorwurfsvollen Augen zu ihr empor sah. „Wo hast du denn so lange gesteckt?“ fragte er und rollte die dunklen Augen. „Wir haben schon so lange auf dich gewartet.“

Sie bückte sich zu ihrem kleinen Neffen und drückte ihn. „Mein Zug hatte leider Verspätung, und der Internetempfang war miserabel. Es tut mir leid. Aber jetzt bin ich ja da.“

Er befreite sich aus der Umarmung. „Internetstörung? Kennen wir auch. Das Taxi hat Mama schon abgeholt, aber Hauptsache, du bist jetzt da.“

Sie musterte den hübschen kleinen Knirps. „Hast du mich denn erkannt, Nathan? Wir haben uns doch seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.“

Als er schmunzelte, zeigten sich Grübchen auf seinen Wangen. „Wir haben uns doch vorbereitet, Bobby Claire und ich. Gestern haben wir den ganzen Nachmittag Fotoalben angeschaut. Ich hätte dich jetzt auch am Bahnhof abholen können, denn ich kenne dein Gesicht jetzt in- und auswendig.“

Er öffnete die Tür weit und ließ seine junge Tante eintreten, die ihn belustigt ansah. „Du bist wirklich schon ein pfiffiges Kerlchen geworden. Als ich dich das letzte Mal sah, konntest du gerade laufen.“

Er streckte sich und hob den Kopf. „Das ist ja schon eine Ewigkeit her. Ich hoffe, du hast keinen großen Hunger, denn wir haben noch nichts gekocht, und Mama wollte gerade damit anfangen, als sie abgeholt wurde.“

Samantha folgte ihrem Neffen ins Gästezimmer und stellte ihr Gepäck ab. „Das ist nicht schlimm. Wenn der Kühlschrank voll ist, können wir zusammen etwas vorbereiten. Sind Claire und Bobby noch in der Schule?“

Er hob die Augenbrauen. „Hast du etwa vergessen, dass wir Ferien haben? Du bist ganz schön alt geworden, obwohl man es dir so noch nicht sehr ansieht.“

Die junge Frau schmunzelte. „Ich werde wahrscheinlich eine ganze Menge Spaß mit euch bekommen. Dann werde ich vermutlich gleich Bobby und Claire auch nicht wiedererkennen. Deine Schwester ist mit ihren dreizehn Jahren sicherlich schon eine junge Dame geworden.“

Nathan kicherte. „Sie ist in der Pubertät. Weißt du, was das heißt?“

Samantha ließ die Seife fallen, mit der sie sich gerade am Waschbecken die Hände waschen wollte. „Oh, ich glaube schon. Sie ist auf dem Weg, von einem Mädchen zur Frau zu werden. Hast du im Moment besondere Eigenschaften an ihr festgestellt?“

Der Junge nickte eifrig. „Na klar! Sie ist zickig, eitel, manchmal albern und tuschelt viel mit ihren Freundinnen herum. Außerdem schminkt sie sich wie ein Filmstar, benutzt jede Menge Duftwässerchen, die selbst Sammy, unseren Hund vergraulen und bleibt oft stundenlang im Badezimmer. Ich hoffe, dass ich nie in die Pubertät komme!“

„Da muss wohl jeder durch“, tröstete ihn die Tante. „Aber ich vermute, bei dir werden andere Symptome auftreten. Ja vielleicht wirst du dann auch das Bad für Stunden blockieren. Aber wahrscheinlich verschwendest du dann nicht so viel Zeit mit dem Schminken wie Claire.“

Samantha wechselte das Thema. „Was möchtest du denn essen? Hast du großen Hunger? Dann können wir ein schnelles Gericht kochen.“

„Pfannkuchen wären super“, schlug er vor. „Und für uns Zwei geht es ja auch schnell.“

„Werden deine Geschwister denn nicht mit uns essen?“ erkundigte sich die junge Frau verwundert.

„Nein“, sagte Nathan gedehnt, „Sie sind doch noch im „Tal der tausend Träume“.“

Die Tante sah ihren Neffen ungläubig an. „Schlafen sie etwa noch?“

Nathan grinste. „Nein! So heißt eine Begegnungsstätte am Ende unseres Orts. Da ist besonders jetzt in den Ferien eine Menge los.“

Samantha runzelte die Stirn. „Und das heißt „Im Tal der tausend Träume“? Ist das etwas für Jugendliche? Ich hoffe, das hat nichts mit Drogen zu tun.“

Der Junge lachte. „Was ihr auch immer gleich denkt! Dort kann man lernen, was man tun muss, um Träume wahr werden zu lassen.“

Die junge Frau sah ihn skeptisch an. „Und wie funktioniert das? Wer lehrt denn so etwas?“

„Professor Simons. Aber wenn du mehr darüber wissen willst, musst du schon meine Geschwister fragen. Sie sind schon oft bei ihm gewesen. Ich dagegen muss noch ein Weilchen warten, bis ich einen Kurs besuchen kann. Wenn man zwölf Jahre alt ist, darf man sich dort anmelden. Ich habe momentan sowieso keine Zeit dafür.“

Samantha sah ihn neugierig an. „Womit beschäftigst du dich denn, wenn du gerade Ferien hast, so wie jetzt?“

Er reichte ihr das Handtuch und antwortete beiläufig: „Ich komponiere.“

Sie sah ihn ungläubig an. „Du komponierst? Was denn?“

„Melodien, die lustig sind, damit du fröhlich sein kannst. Die Noten finde ich auf dem Klavier. Sie sprechen zu mir, diese weißen und schwarzen Tasten. Manche Menschen können das nicht verstehen. Das ist so wie mit einer Fremdsprache, die man noch nie gehört hat.“

Samantha staunte. „Du setzt dich also vor das Instrument und hörst auf die Tasten?“

„Ich höre sie nicht nur, sie sehen mich an und wollen beachtet werden. Magst du Musik?“

„Es gibt verschiedene Musikarten, die ich sehr gerne mag. Jetzt machst du mich aber sehr neugierig, zumal ich keine Ahnung habe, wie man von Tasten angesprochen werden kann. Aber ich nehme an, das kannst du mir bestimmt noch zeigen, während ich hier bin.“

„Wie lange wirst du hier sein?“ fragte er und sah sie treuherzig an.

„Ich weiß nicht genau. Im Augenblick hat man deiner Mutter drei Wochen Kur versprochen, aber möglicherweise wird man den Aufenthalt verlängern. Sicher werden die Ärzte ganz nach Bedarf entscheiden. Ist das wichtig für dein Klavierspiel?“

Er nickte eifrig. „Ich kann mein Talent nicht beeinflussen. An manchen Tagen habe ich keine Lust, Musik zu machen. Dann gehe ich nach draußen, um mit meinen Freunden Fußball zu spielen.“

Samantha nickte. „Das kann ich verstehen. Ich bewege mich auch gern. Morgens laufe ich meist eine Runde. Hast du Lust, mit mir zu gehen?“

Er zwinkerte ihr zu. „Lieber nicht. Meine Freunde könnten sich darüber amüsieren. So etwas ist nur für ältere Leute. Aber ehrlich gesagt, bin ich auch froh, wenn ich dann älter bin.“

„Aus einem besonderen Grund?“ hakte sie nach.

„Im Tal der tausend Träume kann mir Professor Simons zeigen, wie ich Leute mit meiner Musik dazu bringen kann, dass sie weinen.“

Die junge Frau erschrak. „Du willst, dass Menschen weinen?“

Nathans Gesicht zeigte einen ernsten Ausdruck. „Ja. Weinen ist gesund, wenn man traurig ist. Aber viele Leute können nicht weinen, obwohl sie es möchten.“

„Denkst du da an einen bestimmten Menschen?“ fragte Samantha vorsichtig nach.

„Ja. Ich denke dabei schon an eine bestimmte Person“, antwortete er traurig.

Die junge Frau näherte sich ihrem Neffen und legte den Arm um seine Schultern. „Denkst du dabei vielleicht an deine Mutter?“

Er nickte kurz. „Seit Papa gestorben ist, ist sie immer so furchtbar nett zu uns. Sie schimpft nicht, und sie ist nicht wütend. Sie ist immer nur freundlich und hat noch keine einzige Träne geweint. Ich habe neulich gehört, wie sie zu einer Freundin am Telefon sagte: „Es ist alles so leer in mir. Eine tiefe Leere. Ich weiß, da unten in der Tiefe befindet sich ein großer See voller Tränen. Er möchte geweint werden. Aber er ist so weit unten, da komme ich nicht dran.“

Samantha staunte. „Das waren ihre Worte? Hast du sie auswendig gelernt? Das klingt ja wie ein ganzes Gedicht.“

„Ich habe dieses Gespräch mitgeschnitten, mit meinem Handy“, berichtete er und sah sie schuldbewusst an. „Dann habe ich den Text aufgeschrieben, weil ich dachte, ich könnte dazu Töne auf dem Klavier finden.“

„Und, hast du es geschafft?“

Er schüttelte den Kopf. „Nein. Das ist es ja gerade. Ich habe mich immer wieder hingesetzt und gewartet, ob mich die Tasten anspringen. Aber es ist nichts gekommen. Die Tasten wollen einfach nur lustige Melodien von sich geben.“

„Da weiß ich auf Anhieb auch keinen Rat“, gestand ihm die Tante. „Aber ich bin ja noch eine Weile hier. Möglicherweise bin ich auch etwas zu müde von der langen Fahrt. Was hältst du davon, wenn wir jetzt gemeinsam die Pfannkuchen backen?“

„Das ist eine gute Idee“, fand er. „Wir haben Äpfel da, Apfelpfannkuchen oder Blaubeeren?“

„Wie groß ist dein Hunger“, erkundigte sie sich. „Die Äpfel müssen noch geschält und kleingeschnitten...