Schritt 1
Straßburg, 5. August 1995, Bahnhof. Das Thermometer zeigte um die 30 Grad, als ich am Nachmittag aus dem Zug stieg. Mein Gepäck war überschaubar: eine Handtasche und eine Sporttasche, die als Reisetasche fungierte. Da war alles drin, was ich in den nächsten vierzehn Tagen benötigen würde.
Eine Anzeige in einer Sprachzeitschrift hatte mich hierhergeführt: »Sprachpraxiskurs für Lehrer im Herzen Europas«. Meinem Französisch würde es guttun. Außerdem war ein Sprachkurs ein angemessener Zweck, um allein zu verreisen. Keiner stellte Fragen oder kam auf die Idee, mich begleiten zu wollen, auch nicht meine neugierige Kollegin. Sie hatte nur den Kopf darüber geschüttelt und beißende Witze darüber gerissen, wie beschränkt man sein müsse, um in den Ferien ans Lernen zu denken.
Konkrete Erwartungen hatte ich nicht, da ich die Stadt schon kannte. Sieben Jahre zuvor war ich bereits mit einer Reisegesellschaft in Straßburg gewesen: Besuch im Europaparlament,