Michael Lentz’ großer ProsatextSchattenfroh. Ein Requiem aus dem Jahr 2018 ist ebenso faszinierend wie rätselhaft. Es liegt ein über tausendseitiger Text vor, der sich als radikales Experiment mit Sprache, Geschichte, Religion, Kunstgeschichte, Metaphysik und anderem mehr offenbart. Die Lektüre diesesopus magnum stellt die Leserschaft vor erhebliche Probleme.Schattenfroh durchkreuzt die konventionellen Erwartungen an literarische Prosa konsequent. Eine Handlung lässt sich nicht identifizieren. Lentz’ Text erzählt in diesem Sinne nicht, weshalb sich an dieser Stelle auch keine Zusammenfassung geben lässt.Schattenfroh funktioniert vielmehr über paradigmatische Clusterungen, die immer wieder in neuen Szenarien und Konstellationen durchgespielt werden.
Daneben erschwertSchattenfroh die Lektüre durch eine enorme inhaltliche sowie formale Komplexität. Nur schon das sich über mehrere Seiten erstreckende, ins Buch integrierte Literaturverzeichnis lässt vermuten, dass wir es hier mit einem Text zu tun haben, der in eine intensive Auseinandersetzung mit literaturtheoretischen, philosophischen und kunsthistorischen Theoremen tritt und sie im Stile einerbricolage in ein neues, literarisches Programm überführt.1 In formaler Hinsicht lässt sich beobachten, dassSchattenfroh permanent seine eigenen Verfahren reflektiert. Dies geschieht zunächst auf einer ganz basalen Ebene: Die primäre Aufgabe des Protagonisten besteht darin, ein Buch, nämlichSchattenfroh, zu schreiben. Der Text versucht, dies in Echtzeit abzubilde