Der zweisprachige, deutsch-italienische Band geht der Frage nach, inwiefern Rezensionen in Zeitschriften zwischen 1700 und 1850 zu einem Begriff der 'Weltliteratur' beitrugen, wobei 'Weltliteratur' als Diskursanker rekonstruiert wird, der von Beginn an durchaus widersprüchlich eingesetzt und verstanden wurde. Bisher ausgeblendet geblieben ist die Frage nach den kommunikativen Bedingungen, die einer transnationalen Verständigung über Literatur zugrundelagen. Die Beiträge kehren zu den fundierenden Konstellationen des 18. und 19. Jahrhunderts zurück, um einen Aspekt in den Blick zu nehmen, der bisher erstaunlich vernachlässigt wurde: jenen der medialen Voraussetzungen des Weltliteratur-Diskurses. Dies ist umso erstaunlicher, als Goethe den Begriff der 'Weltliteratur' nicht von ungefähr mit Blick auf die neuen Kommunikationsmöglichkeiten prägte, die das schnellste Massenmedium seiner Zeit, die periodische Presse, bereithielt.
Mit Blick auf eine breite Palette von europäischen Zeitschriften wird die Rezension in ihrer kommunikationssteuernden Bedeutung für die frühe Aushandlung von 'Weltliteratur' sichtbar gemacht. Die Beiträge des Bandes zeigen, wie Rezensionen die frühe internationale Debatte allererst ermöglichten und nachhaltig prägten.
Anita Traninger, Freie Universität Berlin, Berlin;Federica La Manna, Universität Kalabrien, Kalabrien, Italien.
Der vorliegende Sammelband ist rund um drei Begriffe organisiert: Rezension – Medium – Weltliteratur. In diesem Beitrag soll eine Früh- und Vorgeschichte der Rezension ausgemessen werden, die die medialen und rhetorischen Implikate der drei Begriffe in den Blick nimmt, die sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts mitführten.1
Während Weltliteratur weniger ein Begriff als ein Gravitationsfeld ist, das über die Jahrhunderte ganz unterschiedliche, wenn nicht gar gegensätzliche Anliegen angezogen hat, ist Medium in Verbindung mit Rezension vielleicht der am stärksten kontraintuitive Begriff. Dass Rezension und Weltliteratur kurzgeschlossen werden, verdankt sich natürlich Goethe, war ihm doch allem Anschein nach der chinesische Roman, der ihn von Weltliteratur allererst sprechen ließ, durch eine Rezension inLe Globe zur Kenntnis gebracht worden. Aus medientheoretischer Perspektive erscheint es zunächst folgerichtiger, dass die Zeitschrift das Medium und die Rezension die zwingend an dieses Medium geknüpfte Textsorte sei. Doch sehe ich zwei Aspekte, die die Rede von der Rezension als Medium gerechtfertigt erscheinen lassen. Zum einen ist die Rezension Mittlerin der Weltliteratur: Weltliteratur existiert nicht un-mittel-bar, sondern wird konstituiert durch bestimmte Kommunikationsformen, in ihren Anfängen eben dominant jene der Rezension. Damit ist zum anderen eine weitreichendere These verbunden, die im Folgenden entfaltet wird: Weltliteratur ist kein Gegenstand, sondern ein Phänomen der medial vermittelten Aushandlung und Kommunikation. Sie führt dabei ältere Muster mit, von denen sie sich zugleich emphatisch distanziert – jene derrépublique des lettres. Fritz Heiders Unterscheidung von Ding und Medium mag hier in einem weiteren Sinn nützlich sein, wenn er schreibt, dass wir „von dem Etwas, das wir hören