6. Kapitel
In Charlottenburg, nicht weit vom Schloss, stand in einer Seitenstraße ein kleines Palais. Seine wohlproportionierte Fassade wirkte anheimelnd und entbehrte mit ihren Stuckornamenten, kleinen Löwen und riesigen Pinienzapfen, nicht einer gewissen Ästhetik. Wäre man, was so gut wie nie vorkam, um das Gebäude herumgegangen, hätte sich ein ganz anderer Anblick geboten. Dort wo früher ein kleiner Park das Anwesen abgerundet hatte, türmten sich jetzt bis zu zwei Stockwerke hohe, grobe Backsteinmauern. Eine noch genauere Betrachtung hätte gefunden, dass in scheinbar willkürlicher Anordnung, immer wieder Innenhöfe freilassend, ein Anbau nach dem anderen dem ursprünglichen Gebäude angefügt worden und so ein Areal entstanden war, dessen Gestaltung nur noch aus der Vogelperspektive zu erkennen gewesen wäre.
Als Besitzer eingetragen war ein gewisser Alexander Heinze, doch war es in der Tat seine Ehefrau Elfriede, genannt die heftige Friede, die in dieser labyrinthischen Welt das Regiment führte.
Ihr Ehrentitel begründete sich nicht nur durch die Herrschergewalt über das zahlreiche Personal, sondern auch in Anbetracht der Gäste, unter denen insbesondere einige hochgestellte Herren von der Ausübung ihrer Heftigkeit nur schwer lassen konnten und dem einen Besuch so schnell es ging einen nächsten folgen ließen.
Im Entree dieses Etablissements fand Innstetten sich gegen zehn Uhr abends in Begleitung seines Freundes Levetzow. Er hatte diesen am frühen Abend in seiner Stadtw