: Rolf Schmidt
: Innstetten Geschichte eines Mittelmäßigen
: Books on Demand
: 9783757868574
: 2
: CHF 6.10
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 272
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Man kann Theodor Fontanes wohl bekanntesten Roman EFFI BRIEST als radikale Gesellschaftskritik lesen, als Kritik an der preußischen Gesellschaft seiner Zeit. Es sind deren Regeln, die dazu führen, dass das Schönste, was eine Gesellschaft hat, ein lebensfrohes, hellwaches, offenherziges Mädchen, zerstört wird - ohne dass jemand ihm ernsthaft etwas Böses will. Nur die geltenden Normen werden befolgt. Welche Rolle spielt dabei ihr Ehemann, der bei Fontane seltsam blass gebliebene Beamte Geert von Innstetten? Inwieweit ist er Täter? Oder Werkzeug? Oder selbst Opfer gesellschaftlicher Zwänge? Innerhalb der Spielräume, die die Handlung des Fontaneromans lässt, wird die Geschichte dieses Mannes erzählt. Von Ehrgeiz und Pflichtgefühl bestimmt lebt er in dem Bewusstsein, er könnte seine Gefühle dem Lebensplan unterordnen, den er sich im Rahmen der gesellschaftlichen Erwartungen gegeben hat. In der Beziehung zu Effi stößt er freilich schnell an seine Grenzen. Während auf der einen Seite der berufliche Erfolg einen festen Rahmen zu geben scheint, werden auf der anderen Seite Unsicherheiten und Fehleinschätzungen immer bestimmender für sein Leben. Bis eine tiefe Krise seinen Horizont erweitert.

Rolf Schmidt, geboren 1946, lebt mit seiner Frau und seinem jüngsten Sohn in Gütersloh. Seinen Roman MEXIKO hat er 2017 bei BoD veröffentlicht.

6. Kapitel


In Charlottenburg, nicht weit vom Schloss, stand in einer Seitenstraße ein kleines Palais. Seine wohlproportionierte Fassade wirkte anheimelnd und entbehrte mit ihren Stuckornamenten, kleinen Löwen und riesigen Pinienzapfen, nicht einer gewissen Ästhetik. Wäre man, was so gut wie nie vorkam, um das Gebäude herumgegangen, hätte sich ein ganz anderer Anblick geboten. Dort wo früher ein kleiner Park das Anwesen abgerundet hatte, türmten sich jetzt bis zu zwei Stockwerke hohe, grobe Backsteinmauern. Eine noch genauere Betrachtung hätte gefunden, dass in scheinbar willkürlicher Anordnung, immer wieder Innenhöfe freilassend, ein Anbau nach dem anderen dem ursprünglichen Gebäude angefügt worden und so ein Areal entstanden war, dessen Gestaltung nur noch aus der Vogelperspektive zu erkennen gewesen wäre.

Als Besitzer eingetragen war ein gewisser Alexander Heinze, doch war es in der Tat seine Ehefrau Elfriede, genannt die heftige Friede, die in dieser labyrinthischen Welt das Regiment führte.

Ihr Ehrentitel begründete sich nicht nur durch die Herrschergewalt über das zahlreiche Personal, sondern auch in Anbetracht der Gäste, unter denen insbesondere einige hochgestellte Herren von der Ausübung ihrer Heftigkeit nur schwer lassen konnten und dem einen Besuch so schnell es ging einen nächsten folgen ließen.

Im Entree dieses Etablissements fand Innstetten sich gegen zehn Uhr abends in Begleitung seines Freundes Levetzow. Er hatte diesen am frühen Abend in seiner Stadtw