: Louis Couperus
: Matthias Adler-Drews
: Schicksal
: Books on Demand
: 9783757899233
: 1
: CHF 7.90
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 160
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Sind Sie fertig, Herr Westhove?« »Ja«, sagte Frank und grub noch schnell den letzten Buchstaben ein. Sie sah zu und bemerkte, dass er für sie »Eva Rhodes« in das Holz geschnitten hatte, mit sehr schönen, gleichmäßigen, ausgehöhlten Buchstaben. Darunter stand »Frank«, hart und rau in aller Eile gemacht. »Warum haben Sie Rhodes dazu geschnitten?«, fragte sie, und ihre Stimme klang gedämpft wie aus der Ferne. »Weil das länger war«, antwortete Frank einfach.

Louis Marie Anne Couperus (geboren am 10. Juni 1863 in Den Haag; gestorben am 16. Juli 1923 in De Steeg) war ein niederländischer Autor. Er war das jüngste von elf Kindern von Jonkvrouwe Catharina Geertruida Reynst und Dr. John Ricus Couperus, pensionierter Gerichtsrat an den beiden Hohen Gerichtshöfen im damaligen Niederländisch-Indien (Indonesien). Louis Couperus verbrachte den Großteil seines Lebens im Ausland, als Schulkind in Batavia, als Erwachsener auf seinen ausgedehnten Reisen in Skandinavien, England, Deutschland, Frankreich, Spanien, Niederländisch-Indien, Japan und vor allem in dem von ihm so geliebten Italien, das ihn überaus faszinierte. Am 9. September 1891 heiratete er Elisabeth Wilhelmina Johanna Baud. Den Ausbruch des Ersten Weltkrieges feierte er als Erlösung aus Erstarrtheit. Infolge des Krieges kehrte er 1915 nach Den Haag zurück, wo ihm von seinen Freunden ein Haus in De Steeg angeboten wurde, das er jedoch nur für kurze Zeit bewohnte. Er starb dort am 16. Juli 1923, wenige Wochen nach seinem 60. Geburtstag, vermutlich an einer Lungenfellentzündung und einer Blutvergiftung. Die stattliche Reihe der historischen und psychologischen Romane, Erzählungen, Reiseberichte, Essays, Feuilletons und Gedichte, die Couperus hinterließ, zeugen von einer erstaunlichen Vielfalt und nicht zuletzt von einem außergewöhnlich arbeitsamen Schriftsteller. Für sein literarisches Werk erhielt er 1897 den Offiziersorden von Oranien-Nassau und 1923, an seinem 60. Geburtstag, den Orden des Niederländischen Löwen. Ein großer Teil seiner Romane und Novellen spielt in den Kreisen des Haager Großbürgertum, dem Umfeld also, in dem Couperus aufwuchs. Andere Werke beschäftigen sich mit dem Orient, insbesondere (aber nicht ausschließlich) mit Niederländisch-Indien. Sein Werk wird oft der Stilgattung des Impressionismus zugerechnet.

Erstes Kapitel

I.

Die Hände in den Taschen, den Kragen seines Pelzes emporgezogen, ging Frank durch das Schneegestöber die einsame Adelaide Road hinunter. Es war spät abends. Als er sich der kleinen Villa näherte, wo er wohnte White Rose, ganz versteckt, eingehüllt, versunken unter der weißen Schneedecke, wie ein Nestchen in Watte , sah er jemanden von Primrose Hill aus auf sich zukommen. Er richtete seinen Blick fest auf das Gesicht des Mannes, der ihn offenbar ansprechen wollte, nicht wissend, was dieser in der einsamen Schneenacht im Schilde führen mochte, und er war sehr erstaunt, als er in seiner Muttersprache die Worte hörte: »Verzeihen Sie sind Sie nicht Herr Westhove?«

»Ja«, antwortete Frank. »Wer sind Sie? Was wünschen Sie?«

»Ich bin Robert van Maeren, vielleicht erinnern Sie sich «

»Bertie, du?«, rief Frank aus. »Wie kommst du denn nach

London?«

Und vor seinem erstaunten Geist sah er durch das Schneetreiben hindurch eine Erscheinung aus seiner Jugend aufsteigen, ein helles Bild von Jugendfreundschaft, etwas Frisches und Warmes

»Vielleicht nicht so ganz zufällig«, versetzte der Fremde, dessen Stimme bei dem vertrauten »Bertie« etwas fester klang. »Ich wusste, dass du hier wohnst, und ich bin schon drei Mal bei dir gewesen, aber du warst nicht zu Hause. Deine Haushälterin sagte, du würdest noch am Abend nach Hause kommen, und da bin ich so frei gewesen, auf dich zu warten «

Die Stimme verlor wieder ihre Festigkeit und wurde flehend wie die eines Bettlers.

»Musst du mich denn so dringend sprechen?«, fragte Frank erstaunt.

»Ja ich wollte hören ob du mir vielleicht helf