: Werner R.C. Heinecke
: Im Bann der Angst
: Books on Demand
: 9783757867898
: 1
: CHF 8.30
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 288
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Für Ana Ruiz Molana wird ein Traum zur Wirklichkeit. Sie wird von der mittelalterlichen Vergangenheit Mallorcas in eine abenteuerliche Gegenwart geführt. Erlebt dabei ein Zusammenspiel von Drogen, Sex, Erpressung, Gewalt und Korruption. Alte Seilschaften haben noch eine Rechnung offen. Ein gefährliches, weltweit operierendes Netzwerk, verteidigt sein Geschäftsmodell. Haben die Tötungsdelikte auf der beliebten Urlaubsinsel einen Zusammenhang? Die Ermittler der CNP in Palma stehen vor einem Rätsel. Kann ihr ehemaliger Chef, José Gomez, zur Aufklärung beitragen? Gelingt es Ana Ruiz Molana, ein lange gehütetes Geheimnis zu entdecken? Welches Geheimnis umgibt die Bruderschaft Engel der Versuchung?

Ein weiterer Kriminalroman mit Spielgeschehen auf Mallorca. Der Autor versetzt die Leserschaft vom ersten bis zum letzten Kapitel in große Spannung. Bezieht in dem Buch tatsächliche geschehene historischen Epochen der Insel ein. Das Buch hat Potenzial vom Drama bis zum Thriller. Ganz sicher einer der gelungensten Titel des Autors Werner R.C. Heinecke.

Im August des Jahres 2022


1


Palma


Gesichter tauchten auf. Sie hatten scharfe Konturen. Eine Stimme um sie herum klang sehr schrill. Ein großer schwarzer Rabe flog im Nebel des Tramuntana-Gebirges und setzte zur Landung an. Korkk. Korkk. Eine krächzende Folge unheimlicher Laute wurde deutlich hörbar. Ich wollte dahin zurück, wo Stille herrschte. Wollte endlich dem dunklen Schatten entfliehen, denn ich wusste, ich musste mich eines Tages der Gefahr stellen. Immer häufiger fragte ich mich: Was werde ich finden? Ich versuchte in meinem Traum zu bleiben.

Plötzlich ging ein Ruck durch mich hindurch. Eine immer stärker werdende Angst kam in mir hoch.

Ich erlebte ein Gefühl, dass mich auseinanderriss. Hatte der schwarze, 62 cm große Rabe, meine Großmutter im Blick gehabt?

Ich hatte den fragenden Blick meiner Großmutter vor Augen. Wirst du auf die Suche gehen? Auf die Suche nach dem verschwundenen goldenen Schlüssel von Mallorca.

Jetzt war ich angekommen. Hell erleuchtet sah ich den prunkvoll verzierten, vollkommen aus Gold geschaffenen, historischen Schlüssel.

Forsche in unserer Ahnentafel. Viele deiner Vorfahren haben ihr Leben lassen müssen.

Ich tauchte weiter in meinen Traum ein. Hob das weiche Kissen vom Schoß der Großmutter. Sah das blutdurchtränkte Kleid, der alten Frau. Entdeckte das Messer, das aus ihrem Bauch herausragte.

In einer Hand steckte noch, fest umklammert, ein Stück von einem Papier. Meine Gedanken begannen unaufhörlich zu poltern. Vorsichtig nahm ich ein kleines Stück Papier aus den Händen meiner Großmutter, die gerade ihre letzten Atemzüge vollbrachte. Wer hat dir das angetan?

Mein Ohr, ganz dicht an den Mund der Sterbenden gerichtet, hörte nur noch wenige Worte.

Finde den Claus!

Isabella, ich verstehe dich nicht.

Ana, du hast geträumt!

Ja, es war furchtbar. Der schwarze Rabe flog zu Großmutter. Wartete vor dem offenen Fenster ihres Wohnzimmers.

Das bringt doch nichts. Ein Traum ist doch keine Wirklichkeit. Es ist nur ein Traum. Mein Freund Guilermo begab sich in die Küche. Ich zaubere ein leckeres Frühstück. Café con Leche. Tostado Avocado. Hat mein Schatz noch einen Wunsch?

Ja, dass du mich ernst nimmst. Wer sagt denn, dass es nur ein Traum war. Ich war vor einigen Tagen bei Isabella Santos. Es ging ihr schon mal besser. Aber sie kam mir verwirrt vor. Auf dem Tisch lagen einige Fotos aus vergangener Zeit.

Guilermo gab mir die Zeitung. Hier, die Zeitung. Gestern war doch Donnerstag. In der Ausgabe wird vom Fund des goldenen Schlüssels von Mallorca berichtet. Und dass es davon zwei geben soll.

Mein Frühstück war nun Nebensache für mich. Ich las den Artikel im MALLORCA MAGAZIN mehrfach durch. War es ein Zufall? Warum träumte ich einen solchen Traum? Ich muss noch mal los. Vielleicht weiß ja meine Großmutter etwas über das Geheimnis des goldenen Schlüssels, der noch gesucht wird. Die Familie Santos gibt es schon sehr lange und äußerst merkwürdig, bis heute gibt es noch einige ungeklärte Todesfälle.

Soll ich dich begleiten, Schatz?

Klar, vielleicht nimmst du dann ja die Sache etwas ernster.

Wenig später

Die Tür, zum eher unscheinbaren kleinen Stadthaus von Isabella Santos in Palma, stand einen Spalt offen. Ich hörte ein herzzerreißendes Miau von dem kräftigen schwarzen Kater Pedro, sah ihn ins Wohnzimmer laufen und folgte ihm. Er hatte seine grünen Augen aufgerissen, sie funkelten. Schnell entdeckte ich eine große Unordnung. Aufgerissene Schubladen. Ein umgestürztes Regal. Dann sah ich das Unfassbare. Meine Großmutter lag auf den antiken Schreibtisch gebeugt. Mein Freund fasste den Puls der alten Frau. Sie ist tot. Wer macht denn so etwas? Tötet eine über 80-jährige Frau? Guilermo Vascas nahm mich in den Arm. Überlege bitte, warum jemand so etwas tut.

Kommt da der Agente durch?

Sorry.

Du warst doch Polizistin. Ich glaube, wir haben die gleichen Gedanken. Da hat jemand etwas mitgehen lassen.

Was gibt es hier? Großmutter war nicht vermögend.

Vielleicht doch.

Wir haben nur wenige Minuten, dann müssen wir die Polizei verständigen.

Los, prüfe du, ob eingebrochen wurde. Ich sehe nach dem Telefon. Hör die letzten Anrufe ab. Suche nach ihrem Handy und den Laptop. Sie hatte so etwas, das weiß ich.

Isabella Santos hat den Täter oder die Täterin hereingelassen. Es gibt keine Einbruchspuren. Sie muss die Tür geöffnet haben.

Ja, wahrscheinlich hat sie ihn gekannt. Es gibt keine Kampfspuren. Die blutende Stelle am Kopf deutet auf einen Schlag mit einem schweren Gegenstand hin. Du weißt, stumpfe Gewalteinwirkung.

Das Handy ist weg. Auch ihre Handtasche fehlt.

Der Laptop fehlt. Sie hatte aber einen.

Was ich meinem Freund verschwieg, war, dass ich aus einer Blechkiste einige Fotos eingesteckt hatte. Guilermo Vascas rief die Kollegen der POLICIA LOCAL per Telefon an.

Innerhalb von 15 Minuten waren zwei Streifenwagen vor Ort. Der Tatort wurde gesichert. Etwas später traf die Kriminaltechnik ein und begann mit der Arbeit. Es wimmelte von Polizisten in dem typisch mallorquinischem Stil eingerichteten Haus. Im Patio fand ein Agent eine geöffnete Weinflasche. Zwei benutzte Gläser.

DNA an den Gläsern? Leider Fehlanzeige. Wir haben aber Spuren im Haus gesichert, gleichen die ab.

Es kann davon ausgegangen werden, dass sich Täter und Opfer kannten.

Die Frau wurde an ihrem Schreibtisch erschlagen. Von hinten.

Also heimtückisch. Ganz klar. Mordabsicht. Ob vorsätzlich oder spontan? Sie hat auf jeden Fall noch etwas aufgeschrieben. Ein Block und ein Stift liegen noch auf dem Schreibtisch. Aus ihrem Terminkalender wurde eine Seite herausgerissen.

Sieht ganz nach einem Treffen aus. Etwas hat den Täter dann zu einer solchen Gewalttat veranlasst.

Auf jeden Fall nimmt die alte Dame ein Geheimnis mit ins Grab.

Ich fragte den Agente, ob es in Ordnung sei, Pedro mitzunehmen. Er erlaubte es und seitdem habe ich nun ein kräftiges Samtpfotenexemplar zu Hause.

Auf der Rückfahrt war das erlebte Geschehen Mittelpunkt der Gespräche zwischen mir und Guilermo. Als was hat deine Großmutter eigentlich gearbeitet?

Großmutter...... Ich stockte, verflucht, muss ja sagen, war eine intelligente Frau. Sehr belesen. Viele Jahre im Consell Insular de Mallorca tätig. Das ist das Regierungsorgan von Mallorca. Bekannt auch als Inselrat.

Interessant. Der Inselrat ist doch zuständig für den Schutz des kulturellen, historischen und landschaftlichen Erbes der Insel.

Also hatte Isabella Santos umfassenden Einblick. Sicherlich war sie in den Jahren in verschiedenen Positionen tätig.

Der Inselrat ist eine übergeordnete Instanz.

Kontrolliert die Gemeinden bei sogenanntem überregionalen Interessen .

Dann hat sie direkt neben dem Rathaus gearbeitet. In dem heutigen Gebäude des Consell befand sich viele Hundert Jahre übrigens das städtische Gefängnis. Vom Mittelalter bis in das 19.

Jahrhundert.

Wovon ist sie eine Zeugin geworden? Mal angenommen, also die Familie Santos, von denen waren einige im Gefängnis. Aber warum? Was haben sie damals verbrochen? Vielleicht waren sie auch eingekerkert, weil sie ein Geheimnis nicht preisgeben wollten?

Aber du denkst nicht an den geheimnisumwobenen zweiten goldenen Schlüssel von Mallorca?

Der historische Schlüssel ist sehr wertvoll. Damals schon, vor hunderten Jahren. Und jetzt sicherlich zwischen Zehntausend und Hunderttausend wert! Das höre ich jetzt aber als dein Freund. Nicht als Polizist!

Ich steigerte mich immer mehr in ein Geflecht von Vermutungen und Verschwörungen. Wilde Gedanken hämmerten in meinem Kopf. Ich war fest entschlossen, auf Spurensuche zu gehen, wollte um jeden Preis der Welt das Geheimnis um den geheimnisvollen zweiten Schlüssel zum Königreich Mallorca auflösen. Führte mich die Suche auch auf die Spur des Mörders?

Guilermo Vascas setzte mich an der Auffahrt zum Anwesen der Roberos in der Nähe von Muro ab. Ich sah noch von Weitem, wie sich das schwere Tor öffnete. Seit einiger Zeit bin ich für Esperanza Roberos tätig. Eine Multimillionärin, Großgrundbesitzerin und Leiterin eines riesigen Wirtschaftsimperiums.

Das mallorquinische Herrschaftshaus befindet sich auf einem unfassbar großen Grundstück, wenig einsehbar, umgeben von einer bizarren Berglandschaft. Hier...