: Rhea Ross, Maresa May
: Nachtfalter
: Books on Demand
: 9783757896201
: 1
: CHF 4.40
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 380
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der 35-jährige Wiener Andreas Schuster ist wieder einmal arbeits-los, hat in der Liebe gerade wenig Glück und muss auch noch mit dem Tod seines Lieblingsonkels fertig werden. Der hinterlässt ihm jedoch unerwartet eine große Erbschaft und äußert im Testament den letzten Wunsch, die halbe Million in ihren Traum - ein geheimes Bordell - zu investieren. Andreas setzt alles auf eine Karte und mietet ein Objekt im Wiener Prater. Das Vorhaben könnte sogar funktionieren, wäre da nicht der Platzhirsch und Bordellbetreiber aus der Hauptallee, der den Konkurrenten Andreas um jeden Preis aus seinem Prater vertreiben möchte.

Rhea Ross, geboren 1991, hat eigentlich Politikwissenschaft studiert, bevor sie ihre Liebe zur Literatur und zum Schreiben entdeckte. Sie lebt in Wien, braucht jedoch von Zeit zu Zeit die ruhigen Wälder und weiten Felder als Erholungs- und Rückzugsort, um neue Inspiration und Kreativität für ihre Texte zu tanken.

ARBEITSLOS


Im Wohnzimmer der frisch renovierten Altbauwohnung sang Udo Jürgens auf dem Bildschirm eines für die alte Schwarz-Weiß-Aufnahme viel zu großen Flachbildfernseher. Weil es Andreas' Lieblingslied war, hatte er den Ton des Fernsehers bis zur maximalen Lautstärke aufgedreht. Rechtzeitig, noch bevor sein musikalischer Held den nächsten Refrain anstimmen konnte, glitt Andreas in seinen weißen Socken auf dem Parkettboden vor die Couch und begann mitzusingen. Der 35-Jährige trug eine Jeanshose, die ihm zu lang, zu breit und zu locker war, sodass seine Simpsons-Boxershorts keck hervorblitzten. Er tanzte, und bei jedem Hüftschwung rutschte die gürtellose Hose ein Stückchen tiefer. In seiner rechten Hand hielt er eine leere Bierflasche, die ihm als improvisiertes Mikrofon diente. Mehrmals schob er sich die Brille seinen Nasenrücken entlang nach oben, um sie wieder in ihrer angestammten Position zu fixieren, und fuhr sich mit der Hand durch sein kurzes Haar. In seiner Vorstellung war er selbst sein großes Idol Udo Jürgens, der vor einem großen Publikum sang und dem die Frauen in der ersten Reihe freche Dinge zuriefen. Und vielleicht verirrte sich ja hin und wieder ein BH auf seine Bühne. Andreas sang, tanzte, hüpfte herum und warf sich auf die Knie, als das Lied zu Ende war. Der große Moment, sein Auftritt, war vorbei und er musste sich wieder einmal der nicht so schillernden Realität stellen.

Erschöpft ging er zum Sofa und l