: Madeleine Henry
: Die physikalische Notwendigkeit der Liebe Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641308339
: 1
: CHF 2.70
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wahre Liebe währt ewig – Sophie Jones wird es der Welt beweisen!

Die Physikstudentin Sophie Jones, die bereits als der neue Einstein gefeiert wird, hat sich zum Ziel gesetzt, die Rätsel des Universums zu entschlüsseln. Doch dann lernt sie Jake Kristopher kennen und verbringt schon bald jede freie Minute mit ihm. Während Jake sein Studium mit großem Ehrgeiz weiterverfolgt, verliert Sophie mehr und mehr den Fokus. Statt sich auf das Universum zu konzentrieren, opfert sie sich für ihre Beziehung und Jakes Träume auf. Jake beobachtet diese Veränderung mit großer Sorge, bis er sich schließlich von Sophie trennt. Von da an hat sie nur noch ein Ziel: wissenschaftlich nachzuweisen, dass wahre Liebe ewig währt …

Für alle, die diese Tropes lieben:
•Soulmate
•Dest ned to be together
•Academic Romance

Madeleine Henry hat an der Yale University Psychologie studiert und danach bei Goldman Sachs in New York gearbeitet. Inzwischen hat sie den Finanzsektor jedoch hinter sich gelassen, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Ihr Roman »Die physikalische Notwendigkeit der Liebe« wurde von der Presse hochgelobt.

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Bevor sie sich begegnen sollten, saß Jake Kristopher in der Woolsey Hall und schaute zur Empore hinauf. Yales größter Hörsaal war gefüllt mit Teenagern, die sich für die Einführungsveranstaltung schick gemacht hatten und voller Energie ihrem ersten Collegesemester entgegenfieberten. Er sah Sophie Jones, als sie sich über das Geländer beugte – und er erstarrte. Sie hatte goldblonde Haare und trug ein weißes Kleid mit einer aufgestickten Hummel an der Schulter. Während sich die Studenten rings um sie unterhielten, blieb sie ganz für sich. Und sie sah jünger aus als alle anderen. Je länger er sie anstarrte, desto intensiver nahm das Gefühl von ihm Besitz, sie schon einmal gesehen zu haben – nein, mehr als das –, sie zu kennen.

Ihre Blicke trafen sich. Seine schwarzen Brauen waren dunkel wie die Tiefe des Meeres. Sie spürte ein Flattern im Bauch, als zöge er sie wie in einer Strömung mit sich hinab. Der massige Typ vor ihm drehte sich plötzlich um und versperrte ihr mit seinen breiten Schultern den Blick. Sophie lehnte sich zurück, fasste sich an den Bauch und wunderte sich, warum sie sich so energiegeladen fühlte.

»Heißt sie Sophie oder Sophia Jones?«, fragte Professor Kotak seinen Kollegen Peter Malchik. Sie saßen während der Sitzung des Fachbereichs Physik dicht nebeneinander. Selbstverständlich hieß sie Sophie, und sie war »der nächste Einstein«, so zumindest glaubte dieNew York Times. In einem Zeitungsartikel hatte sie berichtet, dass drei der weltweit renommiertesten Mathematiker vorhersagt hatten, dass Sophie Jones innerhalb der nächsten zehn Jahre die tiefgreifendsten unbewältigten Fragen zu Raum und Zeit beantworten werde. Auf die Frage, was Realität ist, könnte sie Antworten finden, die transformative Tragweite für die Menschheit besäßen.

»Sie heißt Sophie«, flüsterte Peter wie nebenbei.

Seine Yale-blaue Fliege stach unter den vielen ungebügelten Hemden und Kunstseidenpolos hervor. Peter war ein hagerer Mann mit vorstehenden Fingerknöcheln, Ellbogen und Kniescheiben. In der einschläfernden Atmosphäre der Sitzung, in der alle dem Fachbereichsleiter, einem russischen Astrophysiker namens Pavel Kapitsa, lauschten, der am Kopf des Tisches saß, wahrte er eine makellose Haltung. Dabei tippte er mit seinem blauen Füller auf sein aufgeschlagenes Notizbuch, sodass es blaue Sprenkel bekam, und dachte erwartungsvoll gespannt daran, wie bald er sich mit Sophie Jones treffen würde, nachdem er so lange darauf gewartet hatte.

»… sie hat sich entschieden, auf dem Gebiet der Zeit zu forschen«, brummte Pavel Kapitsa mit seiner tiefen Stimme. »Wie können wir Zeit sehen?« Er deutete mit den Fingern Anführungszeichen an. »Das ist ihre Forschungsfrage. Peter wird sie betreuen, aber sie wird hier sicher jedem mal über den Weg laufen und an den einen oder anderen herantreten.« Pavel sah Peter auffordernd an, ein milder Blick unter weißen Brauen.

»Jetzt?«, fragte Peter.

Pavel nickte und bedeutete ihm aufzustehen. Peter tat es und richtete sich so hoch auf, wie es mit eins dreiundsiebzig möglich war. Er rang sich ein Lächeln ab, obwohl er die Männer und Frauen dieser Runde nicht besonders leiden konnte. Die meisten Menschen waren ihm unangenehm. Er glaubte, Sophie würde ei