: Harald Müller
: Franz
: Buchschmiede von Dataform Media GmbH
: 9783991520191
: 1
: CHF 4.80
:
: Erzählende Literatur
: German
In diesem Buch geht es weniger um Anklage, sondern um die schonungslose Offenlegung der Tatsache, wozu wir Menschen fähig sind. Gewaltlosigkeit ist die größte Macht, die der Menschheit in die Hand gegeben ist. Sie ist mächtiger als die mächtigste Zerstörungswaffe, die die Menschheit je ersonnen hat. Mahatma Gandhi Gott beantwortet das Gebet auf Seine Weise, nicht auf die unsrige. Mahatma Gandhi Jede Waffe, und sei es bloß die Faust, ist eines Menschen unwürdig und daher mehr als entbehrlich. H. Müller

Harald Müller, Jahrgang 1945, emerit. Grundschulpädagoge Als einer, der nicht nur in die Hungerjahre, sondern auch in die Schweigejahre hinein geboren wurde, versuche ich mit meinen Recherchen, über jene Zeit mehr zu erfahren. Die Vergangenheit - unser aller Vergangenheit - zu kennen, ohne sich darin zu verfangen oder sie zu verherrlichen, ist von eminenter Bedeutung für unser gegenwärtiges Leben. Nur wenn ich die Vergangenheit kenne, kann ich die Gegenwart richtig verstehen, und vielleicht gelingt es mir dann, die Zukunft besser gestalten. Bisherige Publikationen: Die Nixen aus dem Krotenbach, eine Sammlung von Kunstsagen Tatort Brunn, wahre Kriminalfälle in eine Erzählung verpackt Zahlreiche religionsphilosophische Aufsätze Gespräche mit Gott

Kapitel 1

Franz Winkler

Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich

Wie sehr hat ihn dieser Psalm stets bewegt? Welch kraftvolles Quantum Vertrauen hat er ihm zu seinem Urvertrauen hinzugefügt? Es war im Jahr 1909, und er war gerade einmal sechsundzwanzig Jahre alt. Als Kaplan hatte er eines Tages seinen Pfarrer, Isidor Reiter, in das k. k. Kriminalgerichtsgebäude begleitet, welches sich zu dieser Zeit gerade im Umbau befand. Reiter besuchte einen Insassen, der in Winklers Kindheit Nachbar im väterlichen Heimatort Altlengbach gewesen war. Joseph Stocker saß wegen Diebstahls ein und hatte den Wunsch geäußert, die Beichte nur bei Reiter ablegen zu dürfen.

So gelangte Franz Winkler in das Innere eines gewaltigen Gebäudekomplexes, den die meisten Menschen wohl niemals von drinnen kennenlernen wollen. Als er an diesem 23. Juli 1909 durch den imposanten Eingang schritt, der an den Palazzo Pitti in Florenz erinnerte, wäre er nie aufden Gedanken gekommen, dass er an diesem ungeliebten Ort den Großteil seines Lebens verbringen würde.

Während der junge Kaplan geduldig im Gang vor dem Zellentrakt auf und ab ging, sprach ihn von hinten kommend ein alter Herr im Talar an: Gelobt sei Jesus Christus! Noch konnte Franz Winkler nicht sehen, wer hinter ihm gesprochen hatte. Im Umdrehen antwortete er pflichtgemäß: In Ewigkeit, Amen!

Winklers Gegenüber stellte sich ihm als Anstaltsseelsorg