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Traumatisches Erlebnis
Mein Glück hielt an. Ich bekam eine Zulassung für das Fach Politikwissenschaften und die Anerkennung von zwei Semestern. Es konnte also losgehen. Ich stürzte mich geradezu in die Arbeit und belegte Seminare und Vorlesungen, was das Zeug hielt.
Mit dem ersten Brief tat ich mich schwer. Erst nach drei Versuchen war ich einigermaßen zufrieden.
Liebe Renate,
ich hoffe, du bist gut in Bilbao angekommen. Ich hoffe auch, dass du mich in deinem Alltag an der Uni nicht schon wieder vergessen hast. Mein Studium nimmt viel meiner Zeit in Anspruch. Auf Deutsch sind die Texte doch recht schwer. Aber ich finde sie äußerst spannend. Ich besuche ein Seminar, in dem wir verschiedene politische Systeme vergleichen. Das ist nicht ganz neu für mich. Ich habe im Irak schon Politik studiert. Das macht den Einstieg in das deutsche Studium ein bisschen leichter für mich. Dann gibt ein Professor Klamki eine Vorlesung über Kapitalismus und Kapitalismuskritik. Er stellt uns interessante Gedanken vor. Ich lerne ganz andere Sichtweisen kennen als bei uns im Irak.
Ich weiß, du fragst dich sicher, was mit mir los ist. Warum ich erst jetzt mit dem Studium angefangen habe, wo ich eigentlich schon promoviert sein könnte oder zumindest im Beruf arbeiten sollte. Das ist eine lange Geschichte und wenn du möchtest, dann kann ich sie dir einmal erzählen. Ich möchte dir jetzt nur schon soviel sagen, dass du viel damit zu tun hast, dass ich jetzt wieder studiere. Dafür danke ich dir.
Ich würde mich sehr freuen über einen Brief von dir. Schreib mir, was du so trei