: Thom Bond
: Mitgefühl als Weg 52 Lektionen zur Gewaltfreien Kommunikation
: Junfermann Verlag
: 9783749503766
: 1
: CHF 35.30
:
: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 304
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Mehr Mitgefühl erleben In 52 anschaulichen Lektionen wird Gewaltfreie Kommunikation als konkrete Methode, integrative Umgangsform und als bereichernde Fertigkeit dargestellt und erlebbar gemacht. Vor dem Hintergrund seiner mehr als 30-jährigen Erfahrung stellt Thom Bond die transformative Wirkung der Gewaltfreien Kommunikation anhand von alltäglichen Situationen und Herausforderungen in einer leicht verständlichen, humorvollen und tiefgründigen Form dar. Das Buch bietet - eine prägnante, inspirierende und ehrliche Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation, - konkrete Unterstützung, wie Sie mit fordernden und kritischen Situationen integrativ umgehen können, - eine alltagstaugliche Anleitung, um die Beziehung zu sich selbst und zu seinen Mitmenschen nachhaltig zu verbessern und zu vertiefen, - eine friedenstiftende Inspiration, um im eigenen Umfeld aktiv zu werden, GFK zu praktizieren und andere dazu einzuladen. Durch seine Tätigkeit als Trainer, Mediator, Referent und Coach hat der Autor Zehntausenden von Menschen die Idee der Gewaltfreien Kommunikation nähergebracht. Seine Artikel wurden u.a. in der New York Times, dem New York Magazine und dem Yoga Magazine veröffentlicht. Das Buch versammelt den Inhalt und die Erfahrung aus dem gleichnamigen Online-Kurs, den bisher über 6.000 Teilnehmer*innen weltweit absolviert haben.

Thom Bond ist der Begründer und pädagogische Leiter des NYCNVC (New York Center für Gewaltfreie Kommunikation), Autor und Leiter des Online-Kurses Mitgefühl als Weg. Er ist GFK-Trainer, Mitglied des Komitees für Kommunikationskoordination der Vereinten Nationen und Trainer bei Internationalen Intensiv-Seminaren (IITs) des CNVC.

2. Was uns beigebracht wurde


Obwohl es möglich ist, alles, was wir tun, als einen Versuch anzusehen, Bedürfnisse zu erfüllen, haben die meisten von uns etwas anderes gelernt, nämlich, dass die Menschen aus ganz anderen Gründen handeln. Uns wurde eine andere Sichtweise über die menschlichen Handlungsweisen vermittelt – mit einer ganzen Kategorie von Begründungen, die wir „Urteile“ nennen.

Richtig und falsch

Viele von uns haben gelernt, dass es Dinge gibt, die „richtig“ sind, und solche, die „falsch“ sind. Und wir sollten die „richtigen Dinge“ tun und nicht die „falschen“.

Gut und böse

Noch immer wird die Eigenschaft „böse“ bestimmten Taten zugeschrieben und als rationale Erklärung für menschliches Verhalten verwendet. Ein bekannter Leitartikelschreiber der New York Times argumentierte auf diese Weise im Zusammenhang mit einem Amoklauf in den USA.

Viele von uns teilen die Ansicht, dass gewisse Menschen oder Handlungen ebenso als „gut“ einzustufen sind.

Sollen und nicht sollen

Für mich ist die Verwendung von „sollen“ und „nicht sollen“ eindeutig die weitverbreitetste Form von Urteilen und zugleich diejenige, die am schwierigsten auszumachen ist. Als kleines Kind lernte ich, mich in der menschlichen Gesellschaft zurechtzufinden, indem ich herausfand, was ich tun oder nicht tun „sollte“.

Mitgefühl für unsere Urteile

Wenn wir uns nun die Botschaft vonKapitel 1 noch einmal vor Augen führen, so lautete die Idee: „Alles, was wir tun, rührt aus der Motivation heraus, Bedürfnisse zu erfüllen.“ Dies gilt auch für Urteile. Indem wir zum Beispiel manche Menschen als „böse“ einstufen, erkennen wir, dass wir uns von ihnen fernhalten oder uns vor ihnen schützen möchten, und damit erfüllen wir eventuell unser Bedürfnis nach Sicherheit. Vielleicht erfüllt es uns auch ein Bedürfnis nach Verstehenwollen, warum Menschen so handeln, wie sie es tun.

Wenn ich Urteile in diesem Licht sehe, dann habe ich ein tieferes Verständnis und mehr Mitgefühl für die Menschen, die urteilen (mich selbst mit eingeschlossen). Der Fokus auf die „Bedürfnisse hinter den Urteilen“ bringt mich zu meinem Mitgefühl. Und so muss ich die Person, die das Urteil hat, nicht mehr verurteilen.

Wir sehen also, dass Urteile uns dabei helfen können, gewisse Bedürfnisse zu erfüllen. Allerdings stillen sie sehr selten das Bedürfnis nach Verbindung und noch seltener erzeugen sie Mitgefühl.

Warum also macht es Sinn, Urteile oder Bewertungen genauer unter die Lupe zu nehmen?

Wir können es so sehen, dass Urteile zweierlei bewirken – erstens haben sie die Tendenz, uns voneinander zu distanzieren, und zweitens geben sie uns (ironischerweise) zugleich Auskunft über unsere Bedürfnisse.

Stell Dir zum Beispiel vor, jemand kommt auf Dich zu und sagt: „Hey, hör mal …, ich möchte mit dir darüber reden, wie dumm du bist.“ Würdest Du gern so ein Gespräch führen wollen? Oder würde Dich so eine Formulierung eher abstoßen, wärst Du vielleicht schockiert? Befremdet? Distanziert?

Nun stell Dir vor, jemand spricht Dich folgendermaßen an: „Du, hör mal …, ich würde gern mit dir darüber reden, wie wir besser und leichter miteinander kommunizieren können.“ Wärst Du an solch einem Gespräch interessiert? Ich könnte mir vorstellen, dass das eher der Fall wäre.

Dieses Beispiel illustriert eine neue Art und Weise, wie wir mit allen Urteilen umgehen können. Durch diese neue Sichtweise entstehen me