: Walter Johann Frese
: Ein gebürtiger Wiener in Deutschland Autobiografie
: Frieling-Verlag Berlin
: 9783828037410
: 1
: CHF 20.40
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 648
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
1 40 in Wien geboren, verleben Walter Johann Frese und sein jüngerer Bruder die ersten Kinderjahre in Wien und in Klietz, bis die Rote Armee in Österreich einmarschiert und es die beiden Jungen mit der Mutter 1945 zu Verwandten nach Sachsen verschlägt. Die Nachkriegskleidung, das Obst in Omas Stube und der Kirchgang am Sonntag sind nur einige von vielen Kindheitserinnerungen, von denen der Autor einnehmend zu berichten weiß. Aus der Perspektive des jungen Heranwachsenden entsteht ein plastisches Bilde der Lebensverhältnissen in der DDR der Fünfzigerjahre. Nach der Rückkehr des Vaters aus der Kriegsgefangenschaft beginnt eine mehr oder weniger unbeschwerte Jugend in der freien Natur. Die ersten Liebeserfahrungen, Jugendstreiche, die oft mit Prügel vom Vater endeten, Anekdoten aus der Schulzeit und seinen Lehrjahren zum Friseur folgen. 1959 muss Walter zur NVA, die Armee der DDR. Nachdem Ausscheiden aus der Armee geht Walter nach Ost-Berlin und gründet dort eine Familie. Mittlerweile ist er Friseurmeister und nimmt an internationalen Meisterschaften teil. Was die Missstände in der DDR betrifft, so nimmt Walter Frese nie ein Blatt vor dem Mund und hat dennoch keine Nachteile dadurch. Die Wiedervereinigung empfindet er als ein Einverleiben der DDR. Mit Schilderungen über seine aktive Sportzeit und der Zeit nach der Pensionierung, die Walter Frese sehr aktiv gestaltet, klingt dieser sehr abwechslungsreich Lebensbilderbogen aus.

Erlebnisse aus der Zeit in der Uferstraße Nr. 15


1) Der Eisenbahnwagen

Zwei Grundstücke weiter von unserer Wohnung stand ein Eisenbahnwagen, dieser war etwas tiefer im Gelände abgestellt, aber zu dieser Zeit nicht mehr bewohnt, so dass wir Jungen uns dort wohlfühlten und ihn daher in Beschlag nahmen. Wir stiegen auf das Dach und übten vom Dach aus den Weitsprung, weil eine Senke zwischen den Wagen und der Erhöhung des Bodens war. Der Zwischenraum betrug so etwa drei Meter. Das hat immer Spaß gemacht, aus luftiger Höhe abzuspringen; ich kann sagen, es war schon ein kleiner Flug. Immer, immer wieder habe ich als kleiner Bub dort trainiert. Wir hatten auch eine schöne Aussicht zum See, konnten die Enten und Vögel beobachten. Keiner hat uns je dabei gestört. Bis eines Tages die Mode aufkam, die Bierflaschen mit Porzellan- und Drehverschluss mit Karbid und Wasser zu füllen, da ließen wir vom Eisenbahnwagen ab. Also, das ging folgendermaßen: Karbid und dann das Wasser zugefüllt, den Verschluss geschlossen und eins, zwei, drei, jetzt musste sie aus der Hand geworfen werden, um dann zu knallen und zu explodieren. Das war eine Freude, machte Spaß, aber war auch sehr gefährlich. Erst übten wir gegenüber vom Eisenbahnwagen, da wurden die geladenen Flaschen ins Farnkraut geworfen. Später, als wir mit der Technik vertraut waren, gingen wir zum See und fingen damit die Fische. Karbid haben wir uns aus der Schmiede bei Herrn Schirmer organisiert.

2) Das Erlebnis mit dem russischen Offizier

Ein russischer Offizier kam eines Sonntags mit Begleitung einer weiblichen Person. Es war eine Frau aus Pieskow, sie war mir auch bekannt. Beide Personen kehrten bei Herrn Steuer ein, dem Wirt vom Strandhotel in Diensdorf. Sie nahmen alkoholische Getränke zu sich. Nach etwa zwei Stunden kamen sie torkelnd aus der Gastwirtschaft heraus. Sie waren ganz schön lustig, ohne uns zu bemerken, stapften sie gerade rüber in den kleinen Wald hinein. Bis die Frau ihre Buchsen herunterzog, erst pullerte sie, dann zog sie ihren Mantel aus und legte sich darauf. Der russische Offizier machte seine Hose auf und legte sich auf sie. Sie muss dabei Schmerzen empfunden haben, denn sie rief immer