1. Kapitel
Evie
»Ich … äh, habe Kirschen gegessen.« Mit einem entschuldigenden Lächeln sah ich auf meine fleckige Bluse hinunter. »Wenn ich nervös bin, nasche ich, und ich bin an einem Obststand mit Kirschen vorbeigekommen. Die sind meine Schwäche. Jetzt ist mir allerdings klar, dass das eine Viertelstunde vor einem Vorstellungsgespräch keine gute Idee war.«
Die Falten auf der Stirn der Frau vertieften sich. Um ehrlich zu sein, wies meine Bluse mehr als nur einen oder zwei Kirschflecken auf. Wenn ich dieses Gespräch irgendwie retten wollte, musste ich mutig sein und versuchen, sie mit der Wahrheit zum Lachen zu bringen.
»Mir ist eine Kirsche heruntergefallen«, fuhr ich fort. »Sie prallte ab und hinterließ an drei verschiedenen Stellen rote Flecken, bevor ich sie auffangen konnte. Auf der Damentoilette habe ich dann versucht, den Fleck herauszuwaschen. Aber es war hoffnungslos, das hier ist Seide. Dann kam ich auf die geniale Idee, es wie ein Muster aussehen zu lassen. Ich hatte noch ein paar Kirschen übrig, also biss ich eine an und versuchte, die Flecken nachzumachen.« Ich schüttelte den Kopf. »Offensichtlich nicht sehr erfolgreich, aber zu dem Zeitpunkt hatte ich nur noch die Wahl, eine neue Bluse zu kaufen und zu spät zum Vorstellungsgespräch zu kommen, oder zu versuchen, das Aussehen als trendy zu verkaufen. Ich dachte, es würde nicht so auffallen …« Ich seufzte leise. »Da habe ich mich wohl getäuscht.«
Die Frau räusperte sich. »Ja, also … Fangen wir doch mit dem Vorstellungsgespräch an, okay?«
Es sah zwar bereits so aus, als würde ich den Job nicht bekommen, dennoch zwang ich mich zu einem Lächeln und faltete die Hände im Schoß. »Das wäre toll.«
Zwanzig Minuten später stand ich wieder auf der Straße. Wenigstens hatte sie nicht zu viel von meiner Zeit verschwendet. So konnte ich mir noch ein paar leckere Kirschen kaufen und mir vor meinem letzten Vorstellungsgespräch in dieser Woche eine neue Bluse besorgen. Das gab mir neuen Schwung.
Nachdem ich noch mal am Obststand Halt gemacht hatte, stieg ich in die Subway. Ich würde mir irgendwo auf dem Weg zwischen Bahnhof und meinem Termin eine neue Bluse besorgen.
Doch nach zwei Haltestellen kam die Bahn abrupt zum Stehen und rührte sich fast eine Stunde lang nicht von der Stelle. Der Typ, der mir gegenübersaß, starrte ständig in meine Richtung. Irgendwann kramte ich in meiner Handtasche nach etwas, mit dem ich mir Luft zufächern konnte, denn im Zug wurde es langsam ziemlich stickig. Er blickte zwei- oder dreimal auf sein Smartphone und dann wieder zu mir hoch. Ich versuchte, ihn zu ignorieren, ahnte jedoch, was gleich kommen würde.
Wenige Augenblicke später beugte er sich zu mir vor. »Entschuldigen Sie. Sie sind doch diese Braut, oder?« Er drehte sein Telefon um und zeigte mir ein Video, von dem ich wünschte, es würde nicht existieren. »Die, die ihre Hochzeit gesprengt hat?«
Es war zwar nicht das erste Mal, dass man mich erkannte, doch seit dem letzten Mal waren mindestens ein oder