ADAM LAREY blickte mit harten und staunenden Augen den stillen Strom des roten Flusses hinunter, auf dem er in die Wüste treiben wollte.
Der Rio Colorado war kein Fluss, dem man trauen konnte. Er rieb sich an seinen Ufern, als wollte er sie verschlingen; schlammig und dickflüssig wirbelte und glitt er in den Fluten dahin und schlängelte sich in Kurven von Arizonas zum kalifornischen Ufer hin und her. Majestätisch und schimmernd unter dem heißen Himmel schwang er sich nach Süden, zwischen weiten grünen Grenzen aus Weiden und Pappeln, auf eine kahle und nackte Wildnis aus Berggipfeln zu, die roten Wälle der unbekannten und weglosen Wüste.
Adam stürzte das Ufer hinunter und warf sein Gepäck in ein Boot. Dort schien sein schnelles Handeln von derselben Gewalt gebremst zu werden, die seine Eile ausgelöst hatte. Er blickte zurück, hinauf zu der staubigen Lehmziegelstadt Ehrenberg, die jetzt in der gleißenden Mittagshitze schlief. Sie würde erst mit der Rückkehr der müden Goldgräber oder mit der Ankunft der Postkutsche oder des Dampfers aus ihrer Siesta erwachen. Ein hochgewachsener Indianer stand regungslos im Schatten einer Mauer und schaute stur zu.
Da brach Adam zusammen. Schluchzen machte seine Äußerungen unzusammenhängend."Guerd ist nicht mehr mein Bruder!", stieß er hervor. Sein Tonfall war geprägt von Demütigung und betrogener Liebe."Und was sie betrifft, so werde ich nie wieder an sie denken."
Als er sich wieder dem Fluss zuwandte, rang ein Geist mit dem Gefühl, das ihn entnervt hatte. Adam Larey schien ein Junge von achtzehn Jahren zu sein, mit einem dunkel gebräunten, klaren und hübschen Gesicht und einer erhabenen, geraden und breiten Statur. Als er das Boot aus der Verankerung löste, verspürte er einen seltsamen Kitzel. Der Anblick des stillen Flusses faszinierte ihn. Wenn es der Alkohol gewesen war, der seine rücksichtslose Entschlossenheit gestärkt hatte, so war es ein seltsamer Ruf an die Wildheit in ihm, der ihn bei der Aussicht auf das Abenteuer in Hochstimmung versetzte. Aber da war noch mehr. Nie wieder sollte er von diesem selbstsüchtigen Guerd beherrscht werden, seinem Bruder, der alles genommen und nichts gegeben hatte! Guerd würde durch diese Fahnenflucht einen Stich bekommen.