Einleitung
Wir leben in einer zerrissenen Welt.
Die Welt um uns ist zerstritten, gespalten und in Lager zerteilt. Mobbing, Konkurrenz und Schuldzuweisungen, die »anderen« sind schuld und müssen umerzogen, zur Seite geschoben oder unterdrückt werden. Sie dürfen auf keinen Fall ans Ruder kommen. Gruppen schotten sich voneinander ab und reden nicht mehr miteinander, sondern nur noch übereinander. Man umgibt sich lediglich mit seinesgleichen. Linke sprechen kaum mit Rechtskonservativen, geschweige denn mit Rechten. Und umgekehrt. Gleichzeitig vereinsamen immer mehr Menschen. Sie sind innerlich heimatlos und ohne emotionalen Halt.
Währenddessen türmen sich die Probleme. Klimawandel, Mikroplastik in allen Organismen, Artensterben, tote Meereszonen, Umweltverschmutzung. Die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden wird größer. Und vieles mehr. Obendrauf zu alledem kommt der Krieg in der Ukraine, der uns bis ins Mark erschüttert und unsere Gewissheiten schwinden lässt.
Als Demokratieaktivisten dachten wir immer, wir müssen unser Regierungssystem nur demokratischer machen und mehr am Gemeinwohl orientieren. Wenn wir immer mehr Menschen einbeziehen, dann kommen wir einen entscheidenden Schritt weiter. Aber selbst da, wo dies gelungen ist, hört der Streit und die Spaltung nicht auf.
Und gleichzeitig haben wir in dreißig Jahren in der Politik, in dreißig Jahren Aufbau von zivilgesellschaftlichen Organisationen oder Lebensgemeinschaften immer wieder eines erlebt: Probleme lassen sich lösen, oder zumindest können wir in einen konstruktiven Dialog miteinander treten und die Umstände ein Stück weit voranbringen und verbessern.
Manche Probleme sind wirklich schwierig zu lösen, wie zum Beispiel soziale Ungerechtigkeit. Es gibt kein Patentrezept dafür. Es gibt keine eindeutig richtigen oder falschen Antworten. Aber auch hier kommen wir mit kreativen Lösungsstrategien für komplexe Probleme weiter.
Es sei denn, es sind neben den Sachfragen ungeklärte emotionale Themen im Spiel. Angst, Neid, Gier, Egoismus, Eitelkeit, Sturheit, Geltungsdrang, ungeklärte und unter den Tisch gekehrte Konflikte. Das Problem ist, dass diese Faktoren fast immer eine Rolle spielen. In fast jedem Meeting, in jeder Talkshow, in jeder Parlamentsdebatte, in jeder Kirchenratssitzung oder in jedem Lehrerzimmer. Und zwar in einem Ausmaß, das einem in der Regel nicht mehr bewusst ist, weil es so normal ist. Dies fällt den Beteiligten erst dann auf, wenn es überraschenderweise einen freien und superkreativen Lauf gibt. Alle tragen bei, die Ideen sprudeln, die Moderation unterstützt den Prozess an der richtigen Stelle und lässt die Energie auch mal laufen. Wenn wir in einer geklärten und psychologisch sicheren Umgebung in einem Team an der Sache arbeiten. Dann werden in kürzester Zeit kreative oder einfach nur alltagstaugliche, kluge Lösungen gefunden. Die Dinge fallen wie von selbst an ihren Platz.
Viel zu oft findet das nicht statt. In manchen Unternehmen oder in der großen Politik fast nie. Je mehr Krise, desto enger wird es. Es gibt kaum mehr langfristiges Denken. Obwohl sich doch alle bemühen und das Beste wollen. Oft bricht die Kommunikation, es wird gelogen und übervorteilt, und jede:r versucht, das Beste rauszuholen. Aber nicht, weil die Menschen schlecht sind. In anderen Zusammenhängen sind dieselben Menschen liebevolle Mütter und Väter, gute empathische Freunde oder kümmern sich aufopfernd um die Umwelt oder Menschen in Not.
Wir kennen es ja selbst, wir nehmen uns vor, anders zu agieren und tappen immer wieder in die gleichen Muster und alte Verhaltensweisen.
Wir folgen einigen Grundannahmen, denen Sie sich nicht gleich anschließen müssen. Wir glauben, dass der Mensch im Grunde gut, willens und in der Lage ist, sich zu verändern. Nahezu alle Menschen streben nach Glück oder Zufriedenheit und wollen auch, dass es anderen gut geht. Das bezieht sich auch auf unsere Umwelt und die ganze Welt. Und alle Menschen brauchen eine Grundstabilität, einen Platz, an dem sie zu Hause und sicher sind, an dem sie anerkannt sind und gesehen werden.
Wenn wir – mit wir ist sowohl jede:r Einzelne als auch wir als Gesellschaft gemeint – uns nun verändern wollen, aber es nur schwer schaffen, muss es dafür Gründe geben. Einer der wichtigsten Gründe sind die unbewältigten Schatten der Vergangenheit, die uns immer wieder einholen. An diesen können wir arbeiten. Das ist die eigentliche Aufgabe und das Schicksal unseres Lebens. Wir gehen also davon aus, dass wir nicht einfach nur so sind, wie wir sind und unveränderbare Charaktere haben, sondern jede:r kann sich an dem Platz, an dem er oder sie gerade steht, ein wenig dem Licht zuwenden. Nach dem Wahren, Guten und Schönen streben. Wäre dies nicht so, wären wir wahrscheinlich gar nicht mehr da.
Eine weitere Annahme, von der wir ausgehen, ist: Hinter alle