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DERGESETZLOSE
Als ich noch ein Junge war, roch der Sommer in der Wildnis immer nach Abenteuer. Die Luft war erfüllt vom Geruch frischer Kiefernzweige und der drückenden Süße von Heckenkirschblüten. Irgendwo brannte immer ein Lagerfeuer, und irgendwer reichte immer einen Krug saures Bier herum. Die Luft war erfüllt von heiteren Gesprächen oder derben Trinkliedern oder den Flüchen von Männern, die bei einer Wette ihre letzten Münzen verloren hatten.
Jetzt hängt im Sommer der vage Geruch von verrottenden Leichen in der Luft. Bei den meisten Feuern handelt es sich um Scheiterhaufen für die Toten. Es wird nur noch selten gesungen.
Getrunken wird immer noch. Vielleicht sogar mehr als früher.
Es wurden zusätzliche Mondflorblüten versprochen, aber die Lieferung läuft nur langsam an. Niemand hier vertraut irgendwem im Palast. Nur wenige trauen den Konsuln. Selbst die Rebellen, die angeblich eine bessere Versorgung mit Medizin ausgehandelt haben, werden inzwischen misstrauisch beäugt.
Die Gerüchte – und davon gibt es unzählige – sind haarsträubend.
Wenn ich hier in der Wildnis bin, halte ich den Kopf gesenkt und tue, was möglich ist.
Die gewundenen Pfade durch den Wald sind um diese Nachtzeit verlassen, aber ich klammere mich an die Dunkelheit wie ein Geist. Ich will auf keinen Fall der Nachtwache begegnen. Der Beutel an meinem Gürtel ist schwer von meinen eigenen Kupfermünzen, aber ich trage eine rote Maske vor dem Gesicht und den Hut tief in die Stirn gezogen. Wenn ich zu dieser Stunde in dieser Aufmachung erwischt werde, werde ich verhaftet. Noch schlimmer, ich werde ins Verlies gesperrt, um auf mein Verhör zu warten. Das wäre das Letzte, was ich brauchen kann.
Ich verlasse den Weg und ziehe ein paar Münzen aus dem Beutel. Das erste Haus ist kleiner als die meisten, besteht wahrscheinlich nur aus einem Raum, aber hinten gibt es einen Hühner- und einen Kaninchenstall. Ich habe nie gesehen, wer hier lebt, aber die Tiere wirken gut versorgt. Ich habe vor, ein paar Kupfermünzen auf einem Getreidefass zurückzulassen, aber dann entdecke ich ein kleines Bündel, das in Stoff eingeschlagen ist. Und im Staub daneben erwartet mich eine falsch geschriebene Botschaft.
Dancke dier
Ich schlage den Stoff zur Seite und entdecke zwei weiche Gebäckstücke, die nach Käse und Knoblauch riechen.
Es ist nicht das erste Geschenk, das ich finde, aber jedes Mal, wenn ich eines entdecke, verkrampft sich mein Magen. Ich tue das nicht, um etwas dafür zu erhalten.
Ich wickele das Gebäck wie