: Christian Schiffer
: Die Wahrheit ist (n)irgendwo da draußen Was der neue Ufo-Hype über uns Menschen verrät
: Goldmann Verlag
: 9783641298135
: 1
: CHF 8.00
:
: Parapsychologie, Grenzwissenschaften
: German
: 240
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Es gibt einen neuen Ufo-Hype: Die Verwörungstheorieexperten Christian Alt und Christian Schiffer machen sich auf die Suche nach dem Wie und Warum

Christian Alt und Christian Schiffer haben Streit. Der Grund: Aliens. Eigentlich war die Sache nach ihrem letzten Buch doch klar. Verschwörungstheorien zersetzen die Demokratie, sind brandgefährlich und wer an eine glaubt, der glaubt an viele. Und dann erzählt Christian Alt plötzlich von superschnellen »Tic Tac«-Ufos, dem interstellaren Objekt Oumuamua und Barack Obama, der einräumt, dass es Flugobjekte gibt, die die Amerikaner nicht zuordnen können. Und selbst Christian Schiffer muss zugeben: Irgendwas passiert da gerade. Das amerikanische Pentagon berichtet im Juni 2021 und im Mai 2022: Wir sehen jeden Tag Ufos (oder wie sie rebrandet wurden: UAPs, Unidentified Aerial Phenomena) und wissen einfach nicht, woher sie kommen. Während Christian Alt schwärmt, ist Christian Schiffer skeptisch. Gibt es nicht für alles eine rationale Erklärung? Die beiden Autoren recherchieren und rollen die Geschichte der Ufo-Sichtungen von vorne auf, diskutieren Theorien, sprechen mit Expert*innen und richten den Blick nicht nur gen Himmel, sondern immer wieder auch auf uns Menschen: Was sagt es eigentlich über uns aus, dass wir bei jedem x-beliebigen Flugobjekt sofort an Aliens denken? Brauchen wir den Glauben an Aliens, um der scheinbaren Alternativlosigkeit des Spätkapitalismus zu entfliehen? Und was hat es mit der eskapistischen Weltraumflucht der Superreichen von Elon Musk und Co. auf sich? Werden sie bald den Mars besiedeln? Und was, wenn wir den Aliens am Ende doch total egal sind? Die Antworten finden Sie irgendwo da draußen oder in diesem informativen und unterhaltsamen Werk.

Christian Schiffer, Jahrgang 1979, Politologe, kam 2008 zum SzenemagazinZündfunk des Bayerischen Rundfunks und leitet heute die Netzwelt beiBR24. Schiffer wurde mit zahlreichen Medienpreisen ausgezeichnet. Zusammen mit Christian Alt ist er Co-Autor des 2018 erschienenen Buchs »Angela Merkel ist Hitlers Tochter. Im Land der Verschwörungstheorien«.


KAPITEL 2

DAS JAHR DER FLIEGENDEN UNTERTASSE


Eigentlich wollte Kenneth Arnold doch nur Sprinkler verkaufen. Der Geschäftsmann ist im Juni 1947 im Nordwesten der USA unterwegs. Von einer Kleinstadt in die nächste. Mit dabei im Gepäck: automatisierte Sprinklersysteme, die er mit seiner eigenen Firma vertreibt. So klappert er Rathaus um Rathaus, Fabrikhalle um Fabrikhalle und Schule um Schule ab, damit diese seine Sprinkler kaufen. All diese Geschäftsreisen erledigt der 32-Jährige ganz geschmeidig mit seinem eigenen Luftfahrzeug. Vor dem Tag, der sein Leben verändern sollte, ist Kenneth Arnold ganze 863 Mal auf irgendwelchen Kuhäckern im Nordwesten der USA gelandet, um vor Ort seine Sprinkler zu verkaufen.

Der 27. Juni 1947 ist genau solch ein Kuhacker-Tag. Kenneth Arnold ist in Chehalis, Washington, einem Ort mit knapp 5000 Einwohnern. Die Autobahn wird hier erst 1969 fertiggestellt – will man nach Chehalis, muss man zum Beispiel von Seattle aus zweieinhalb Stunden Richtung Süden fahren. Oder aber man setzt sich in seine CallAir A-2, ein einmotoriges Kleinflugzeug, und landet auf einer grünen Wiese.

Die Gegend, in der Chehalis liegt, ist traumhaft. Die erste Ufo-Sichtung der Welt findet nämlich nicht in der Wüste Nevadas, sondern im saftigen Grün Washingtons statt. Am ehesten lässt sich die Landschaft mit unseren Alpen vergleichen: dichte Nadelwälder, klare Gebirgsflüsse, und über allem thront das Kaskadengebirge. Eine Bergkette, die aus aktiven Schichtvulkanen besteht, mit dem 4392 Meter hohen Mount Rainier als Höhepunkt. Wie so viele schöne Dinge in der Welt ist diese Bergkette atemberaubend und tödlich zugleich. Im Jahr 2023 fürchtet der Staat Washington schon lange einen Ausbruch des Mount Rainier, der die Landschaft in ein Ödland verwandeln würde. Es ist dieser Vulkan, über dem Kenneth Arnold am 27. Juni 1947 eine Gruppe von neun Ufos sehen wird.

An diesem Tag hat Kenneth Arnold gegen zwei Uhr nachmittags genug vom Sprinklerverkaufen, er steigt in sein Flugzeug und will sich auf den Weg Richtung Osten machen. Leider wird sein Start verzögert. Denn ein Flugzeug der US-Luftwaffe ist in der Gegend abgestürzt, die Militärs versuchen es erst eigenhändig zu finden, dann setzen sie ein Kopfgeld aus. 5000 Dollar für denjenigen, der in der zerklüfteten Berglandschaft Washingtons das Wrack findet. Inflationsbereinigt sind das heute 61 000 Dollar. Für Kenneth Arnold Anreiz genug. Eigentlich sollte seine Route schnurstracks nach Yakima, Washington, führen. Aber so macht er einen kleinen Umweg. Der Himmel ist klar und windstill an diesem Tag – Arnold setzt einen Kurs fest und lässt das Flugzeug von allein fliegen. Es ist kurz vor drei, als er plötzlich geblendet wird: »Ich suchte den ganzen Himmel ab und konnte nicht herausfinden, woher die Reflexion kam, bis ich nach links und nördlich von Mt. Rainier blickte, wo ich eine Kette von neun seltsam aussehenden Flugzeugen beobachtete, die in einer Höhe von etwa 9500 Fuß von Norden nach Süden flogen und scheinbar eine bestimmte Richtung von etwa 170 Grad einschlugen.«

So schreibt Kenneth Arnold später seine Erfahrung für die Air Force nieder. Zunächst nimmt er an, dass es sich um Düsenflugzeuge handelt. »Ich fand es sehr merkwürdig, dass ich ihre Heckflossen nicht erkennen konnte, ging aber davon aus, dass es sich um eine Art Düsenflugzeuge handelt.« Die Objekte fliegen in einer Formation, die aussieht, als wären sie wie an einer Perlenschnur aufgereiht. Sie bilden eine perfekte diagonale Linie. Gänse auf dem Weg in den Süden.

Arnold beobachtet die Objekte genau. Sie sind weit entfernt, aber aufgrund der klaren Sichtverhältnisse kann er ihre Form und Größe relativ genau abschätzen. »Ich wusste, sie müssen sehr groß sein, um ihre Form in dieser Entfernung erkennen zu können«, erklärt er. Arnold beschreibt jedes Objekt als kreisförmig, etwa 30 Meter groß und ohne erkennbaren Schweif. Die Objekte kippen, rollen und schlängeln sich seitlich hin und her, »wie der Schwanz eines chinesischen Drachens«. Als sie Mount Rainier passieren, beginnt Arnold, ihre Geschwindigkeit zu messen. Sie legen die Strecke zwischen Mount Rainier und Mount Adams in nur 1 Minute und 42 Sekunden zurück. Kenneth Arnold schätzt, dass die Objekte 1900 Stundenkilometer schnell sind. Schon während er hier in tausenden Metern Höhe seine Berechnungen durchführt, bekommt er ein mulmiges Gefühl: »Je mehr ich diese Objekte beobachtete, desto beunruhigter wurde ich, da ich mit den meisten