: Louisa Young
: Ein ganzes Jahr und ein Tag Roman
: Goldmann Verlag
: 9783641304294
: 1
: CHF 10.80
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 496
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Zwei Paare. Zwei Todesfälle. Und eine Liebe, die alle Grenzen überwindet.

Roísín und Nico, Rasmus und Jay – zwei Paare, die sich nicht kennen. Doch beide Liebesgeschichten finden ein jähes Ende, als Nico und Jay viel zu früh aus dem Leben gerissen werden. Eigentlich glauben die beiden frisch Verstorbenen nicht an Geister, und doch sind sie auf unerklärliche Weise noch immer an der Seite ihrer Liebsten. Deren Trauer mit anzusehen ist schier unerträglich für sie. Da hat Jay eine kühne Idee: Roísín und Rasmus würden doch hervorragend zusammenpassen. Aber können die Geister sich einfach so ins Leben der Menschen einmischen? Und sind Roísín und Rasmus nach ihrem Verlust bereit für eine neue große Liebe?

»Herzzerre ßend romantisch. Eine wunderbar bewegende und letztendlich hoffnungsvolle Lektüre.« Mirror

»Ein wundervoller und einfallsreicher Roman, traurig und zugleich voller Hoffnung.« Miranda Cowley Heller (Autorin von »Der Papierpalast«)

»Atem eraubend romantisch.« The Express

Louisa Young wurde in London geboren, wo sie auch heute lebt. Sie hat in Cambridge Geschichte studiert und mehrere Romane geschrieben, die in 36 Sprachen übersetzt wurden.

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Februar, London

Roísín Kennedy – dreiunddreißig, klug und aufmerksam mit einer Vorliebe für den Rockabilly-Look (aktuell blau gefärbte Haarspitzen und Ponyfransen), genoss den fahlen Sonnenschein im Gastgarten des Pubs. Sie und ihr Verlobter Nico Triandafilides – sechsunddreißig, glattrasiert, blütenweißes Hemd und selbst an einem gewöhnlichen Samstagmittag ein echter Hingucker – hatten sich die ganze Woche kaum gesehen. Er hatte Nachtschicht gehabt, sie über einer bevorstehenden Deadline im Schneideraum festgesessen. In letzter Zeit war es ein wenig schwierig zwischen ihnen gewesen: Seit drei Monaten diskutierten sie, ob sie ein Kind wollten oder nicht, aber eigentlich wollten weder sie noch er darüber reden. Jeder glaubte, dass der andere das unterschiedlich sah, dabei lagen beide falsch, und sie waren insgeheim sauer aufeinander. Deshalb war der unerwartete heiße Sex am Morgen eines langen Wochenendes mit anschließendem Frühstück außer Haus umso schöner.

Es war der erste sonnige Frühlingstag – noch zu früh für die Krokusse, doch das geheime Startsignal für die Blüte war bereits ausgesandt. Das Licht war eine Spur heller, und selbst die rußgeschwärzten Hauswände und spuckefleckigen grauen Bürgersteige wirkten nicht mehr ganz so trostlos. Die Sonne fühlte sich beinahe warm auf der Haut an, wenn einem die sanfte Brise durchs Haar strich. Die Schwäne im Park hatten ihren Balztanz begonnen und verschlangen die Hälse miteinander, an den Blumenständen gab es Mimosen. Roísín hatte Avocados und andere Leckereien bestellt, Nico ein komplettes englisches Frühstück mit dreifachem Espresso und einer Extraportion Blackpudding.

»Was war das Witzigste, was du diese Woche erlebt hast?«, fragte sie.

Dieses alte Spielchen hob zuverlässig die Stimmung – notfalls auch aus dem Keller – und löste auch jetzt jede Menge Albernheiten aus. Ihre Schwester Nell hatte ihr erklärt, dass das Wort Lederhosen, wenn es englisch »Leiderhosen« ausgesprochen wurde, auf Deutsch »bedauernswerte Hosen« bedeute. Allein das sorgte für Heiterkeit.

»Ich hatte selbst früher mal welche«, gestand Nico, und gemeinsam dachten sie an seinen braunen Tweedanzug, in dem er wie ein verwirrter Schafzüchter ausgesehen hatte.

»Oder ein irischer Intellektueller«, fügte Roísín liebevoll hinzu.

»Irisch!«, prustete Nico, der Bilderbuchgrieche mit den dunkelbraunen Augen, der dicht behaarten Brust, seinem spöttischen Mund und dem kaum verhohlenen Wunsch nach einem üppigen Schnauzbart, wie sein Großvater ihn hatte.

»Dann sind Liederhosen also Pflicht, wenn man deutsche Volksweisen singt?«, folgerte Nico, und von da an ging es steil bergab.

Roísín schlug Lidohosen für den Stadtstrand vor.

»Die wären auch für ein Konzert am Freibad in Crouch End geeignet«, gab er zurück. »Mit Lumahosen zum Wechseln, für eine Runde auf der Luftmatratze. Vielleicht gibt’s die ja auch zum Aufblasen.«

»Oder Limohosen«, schlug sie vor, »für eine Erfrischung am Kiosk.«

»So was brauchen wir nicht«, meinte er. »Aber dafür Lagerhosen zum Biertrinken! Nicht zu unterscheiden von den Original-Lederhosen.«

»Od